{"id":152,"date":"2017-07-04T10:10:00","date_gmt":"2017-07-04T08:10:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2017\/07\/04\/lesung-kuschel-und-die-sommerferien-teil-1\/"},"modified":"2017-07-04T10:10:00","modified_gmt":"2017-07-04T08:10:00","slug":"lesung-kuschel-und-die-sommerferien-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2017\/07\/04\/lesung-kuschel-und-die-sommerferien-teil-1\/","title":{"rendered":"Lesung: Kuschel und die Sommerferien, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Wie <a href=\"http:\/\/sunlions-sonnenseiten.blogspot.de\/2017\/06\/kuschel-und-die-sommerferien.html\">bereits angek\u00fcndigt<\/a>, werfen wir heute mal einen Blick in mein neues Buch \u201eKuschel und die Sommerferien\u201c. Kuschel, ein etwa neun- \u2026 oder zehn- \u2026 oder vielleicht auch zw\u00f6lfj\u00e4hriges M\u00e4dchen, so genau wei\u00df das niemand, besucht seine Gro\u00dfeltern an der Ostsee, verbringt dort eine ganze Ferienwoche und erlebt jeden Tag ein neues Abenteuer. Gegen Mittag liefern ihre Eltern sie bei Oma und Opa ab, die sie als erstes mit Mittagessen versorgen. Bis dahin l\u00e4uft der Tag noch in seinen gewohnten Bahnen. Doch kurz darauf beginnt Kuschels Umgebung, sich irgendwie zu ver\u00e4ndern, sie wird lebendig. Alles beginnt mit Blech:<\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">Sie erhoben sich, Oma r\u00e4umte das benutzte Geschirr zusammen und trug es hin\u00fcber zur Sp\u00fcle. Dabei kippelte die Coladose, fiel vom Tablett, kullerte auf dem gemusterten K\u00fcchenboden herum und kam schlie\u00dflich direkt vor Kuschels F\u00fc\u00dfen zum Stillstand. Das M\u00e4dchen kicherte \u00fcberm\u00fctig, holte aus und schoss die Dose mit einem kr\u00e4ftigen Fu\u00dftritt durch die offen\u00adstehende T\u00fcr. Opa ermahnte sie gutm\u00fctig: \u201eNicht doch, Kleines, so darf man nicht mit Dingen umgehen.\u201c Kuschel war verunsichert: \u201eAber \u2026 das ist doch nur \u2018ne Dose!\u201c \u2013 \u201eNicht nur Lebe\u00adwesen wollen gut behandelt werden, Schatz, auch Dinge haben eine Seele. Alles, was dich umgibt, steckt voller Leben. Wenn du dir ein wenig M\u00fche gibst und sensibel genug bist, wirst du das schnell entdecken. Jetzt geh, du Schlingel, hol die Dose zur\u00fcck!\u201c Kuschel grummelte m\u00fcrrisch: \u201eNaaa guuut!\u201c und lief barfu\u00df hinaus. Sie rannte \u00fcber den Rasen, durchsuchte die B\u00fcsche, flitzte um die Obstb\u00e4ume herum, konnte die Dose aber nirgends entdecken. Also schl\u00fcpfte sie durch das Gartentor und krabbelte auf der anderen Seite zwischen dichtem Gestr\u00fcpp umher, leider wieder ohne Erfolg. Nanu? Wo konnte sie nur sein? \u201eAch, was soll\u2018s!\u201c Kuschel lie\u00df die Sucherei bleiben und stand auf, mit den H\u00e4nden den Staub von den Hosen\u00adbeinen abklopfend. \u201eIch will jetzt den Strand sehen!\u201c<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie folgte dem sandigen Weg. Er f\u00fchrte sie erst ein St\u00fcck geradeaus bis zu den H\u00fchnerst\u00e4llen, verlief dann leicht absch\u00fcssig und knickte schlie\u00dflich nach rechts ab. Die Z\u00e4une neben den St\u00e4llen waren schmutzig, es klebten eine Menge wei\u00dfe Federn und Unrat daran. Der unangenehme Geruch raubte Kuschel den Atem. \u201eIgitt, hier stinkt es ja gewaltig!\u201c Um diesen unangenehmen Ort schneller hinter sich zu lassen, zog sie das Tempo etwas an. Erst unten, beim Schilf, wurde es besser. Dort sorgte die Brise f\u00fcr einen frischen Duft nach Sonne, Sand, Seetang und Meer.<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kuschel suchte nach dem geheimen Pfad im Schilf, der nur Einheimischen bekannt war. Sie fand ihn, lief zwischen den Halmen entlang und versuchte, durch hektisches Herum\u00adwedeln mit den Armen, sich nicht von den vielen, gierigen M\u00fccken stechen zu lassen, die zwischen den Bl\u00e4ttern versteckt auf leckere Opfer warteten.<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Endlich, der sumpfige Morast wurde trockener und m\u00fcndete in einem wei\u00dfen Sandstrand. \u00dcber ihm der riesige, blaue Himmel und vereinzelt ein paar M\u00f6wen. Das M\u00e4dchen schaute ihnen gut gelaunt hinterher, als es pl\u00f6tzlich einen schmerz\u00adhaften Biss im linken Fu\u00df versp\u00fcrte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eAutsch! Aua, aua, aua \u2026\u201c Kuschel sprang mit wehleidigem Gesicht auf einem Bein im Kreis und hielt sich den schmerzenden Fu\u00df. Sie war in eine leere Blechdose getreten, und die hatte sich halb um den Fu\u00df herumgefaltet. \u201eVerdammt!\u201c Mit den H\u00e4nden bog sie die Dose auseinander, bis sie sich entfernen lie\u00df und warf sie w\u00fctend weit von sich. Grimmig dreinblickend humpelte Kuschel in Richtung Wasser. Schon nach wenigen Metern vernahm sie eine vorwurfsvolle Stimme: \u201eWarum bist du so gemein zu mir?\u201c<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erschrocken hielt sie inne und fl\u00fcsterte zaghaft: \u201eWer spricht denn da?\u201c \u2013 \u201eNa, wer wohl. Ich nat\u00fcrlich \u2026 die Dose!\u201c Kuschel fragte staunend: \u201eDie Dose kann sprechen?\u201c \u2013 \u201eJaaajaaa\u00a0\u2026 die Dose kann sprechen!\u201c \u00e4ffte die Dose im selben Tonfall nach. \u201eJa \u2026 aber \u2026 wieso?\u201c \u2013 \u201eWieso nicht?\u201c fragte die Dose zur\u00fcck. \u201eAber du bist doch nur \u2018ne Dose!\u201c \u2013 \u201eOch \u2026 na sch\u00f6nen Dank auch!\u201c schimpfte die Dose. \u201eDanke, dass du mir gezeigt hast, wo mein Platz in der Welt ist! Es ist doch immer sch\u00f6n zu wissen, wo man hingeh\u00f6rt! Nur \u2018ne Dose!\u201c meckerte die Dose mit rostiger Stimme.<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das M\u00e4dchen stand noch immer da wie versteinert und starrte das zerknitterte St\u00fcck Blech an. Die Dose starrte ver\u00e4rgert zur\u00fcck und blaffte: \u201eWas guckst du denn so? Als wenn es nicht schon schlimm genug w\u00e4re, dass du mich misshandelt hast, stehst du jetzt auch noch gaffend herum und erg\u00f6tzt dich an meinem traurigen Anblick. Sieh nur, was du angerichtet hast!\u201c Betr\u00fcbt schaute sie an sich herunter, bem\u00fchte sich verzweifelt, die vielen Falten in ihrem Blechkleid zu gl\u00e4tten, was ihr aber nicht besonders gut gelang. \u201eIch war mal knitterfrei und gl\u00e4nzend, mit einem bunten Kleid, voller Hoffnung und Cola \u2026 bis ich dir vor die F\u00fc\u00dfe geriet. Von da an ging es bergab.\u201c<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Allm\u00e4hlich aus ihrer Erstarrung gel\u00f6st, fragte Kuschel: \u201eJa eben, wie bist du \u00fcberhaupt bis hierher gekommen? Ich hatte dich doch nur durch die T\u00fcr geschossen!\u201c \u2013 \u201eOh ja, und das war nicht gerade sehr freundlich! Mir tut jetzt noch mein blecherner Hintern weh! Aber dass du auch noch mal nachtrittst, hier am Strand, das h\u00e4tte ich nicht erwartet. Erst flog ich einem gro\u00dfen Hund vor die Pfoten, der schnappte sofort mit seinen spitzen Z\u00e4hnen nach mir, sabberte mich dabei von oben bis unten voll und verschleppte mich hierher.\u201c Kuschel versuchte, die Dose aufzuheitern: \u201eDas war doch sehr nett von dem Hund, hier am Strand ist es sehr sch\u00f6n!\u201c \u2013 \u201eJa, f\u00fcr dich vielleicht! Auf mich wartet hier nur ein langsames Ende. Eigentlich bin ich dazu bestimmt, nach der Benutzung wiederverwendet zu werden. Wenn mein Leben endet, werde ich mit meiner Familie, also den vielen anderen Dosen, wieder zusammengef\u00fchrt. In gro\u00dfen Fabriken werden neue Dosen aus uns gemacht, oder Gartenst\u00fchle, oder Autos. Doch hier am Strand werde ich langsam verrotten. Der Regen, das salzige Meerwasser und die feuchte Luft werden mein gl\u00e4nzendes Kleid allm\u00e4hlich rosten lassen, ich werde mit der Zeit immer l\u00f6chriger und unansehnlicher werden, irgendwann werde ich zu Staub zerfallen sein. Es wird viele Jahrzehnte dauern, vielleicht auch Jahrhunderte. Es wird langweilig werden und deprimierend.\u201c<br \/> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nun machte auch Kuschel ein betr\u00fcbtes Gesicht. \u201eTut mir sehr leid, das wusste ich nicht. Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?\u201c \u2013 \u201eJa, kannst du. Bring mich bitte in einen Abfall\u00adbeh\u00e4lter. Dann k\u00fcmmert sich die M\u00fcllabfuhr um mich und f\u00fchrt mich wieder mit meiner Familie zusammen\u00ad.\u201c \u2013 \u201eOkee!\u201c Kuschel hob die Dose auf und trug sie behutsam zu einem orangefarbenen Beh\u00e4lter, auf dem mit gro\u00dfen Buchstaben geschrieben stand: Recycling. Kaum hatte sie die Dose durch den Schlitz geworfen, erhob sich im Inneren des Beh\u00e4lters kumpelhaftes Gegr\u00f6le: \u201eHey, schaut mal Jungs, wer da ist! Das ist ja Cola! Hey, Cola, alter Blecheimer, wie geht\u2018s dir denn so, erz\u00e4hl mal! Hast du was Spannendes erlebt?\u201c\u00a0\u2013 \u201eHi, Zitrus, du alte Brausetablette, lange nichts von dir geh\u00f6rt!\u201c Kuschel lauschte neugierig dem heiteren Wiedersehen. Unglaublich, da hat die Dose gleich ein paar alte Freunde wiedergetroffen. Was f\u00fcr ein toller Tag! <\/div>\n<p>Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/dp\/1521464979\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_zfjtzbPEPFQKB\">Kuschel und die Sommerferien &#8212;> <b>jetzt kaufen!<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie bereits angek\u00fcndigt, werfen wir heute mal einen Blick in mein neues Buch \u201eKuschel und die Sommerferien\u201c. 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