{"id":1828,"date":"2023-11-15T17:14:57","date_gmt":"2023-11-15T16:14:57","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/?p=1828"},"modified":"2023-11-15T17:14:57","modified_gmt":"2023-11-15T16:14:57","slug":"rocknroll-star","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2023\/11\/15\/rocknroll-star\/","title":{"rendered":"Rock&#8217;n&#8217;Roll-Star"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich hab was f\u00fcr Euch: Statt neuer <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Matthias-Grau\/e\/B017EM3KXK\/ref=dp_byline_cont_book_1\">B\u00fccher<\/a> eine kleine Kurzgeschichte. Viel Spa\u00df beim Lesen!<br><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><br>Quer auf der alten schwarzen Ledercouch lag er da, hinten in der K\u00fcnstlergarderobe, im Backstage-Bereich des Kreiskulturhauses \u201eFranz-Joseph Grummelmann\u201c von Schlimmersdorf: Johnny, der gealterte Rockstar. Einst spielte er auf gro\u00dfen B\u00fchnen, damals in den Siebzigern, zur Hochzeit des Glam Rocks, als die Kost\u00fcme noch bunt, die Scheinwerfer hell und die Groupies willig waren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG5892.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG5892-1024x680.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1919\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eWillst Du poppen?\u201c rief er Gabriele zu, seiner Assistentin, die ihn von Anfang an begleitet hatte, damals als gl\u00fchender Fan und hingebungsvolle Verehrerin, von ihm jedoch unbeachtet, denn er stand mehr auf die sexy Girls mit den langen blonden Haaren, langen Beinen, schlanken H\u00fcften, den hohen Wangenknochen, blaugr\u00fcnen Katzenaugen, und dem perfekten L\u00e4cheln, bestehend aus grob gesch\u00e4tzt achtzig makellos wei\u00dfen Z\u00e4hnen. Gabriele sah eher anders aus. <br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Erst Mitte der Neunziger, nach dem gro\u00dfen Umbruch, als Kommerzpop und seelenloser Techno nahezu alle anderen Musikstile ausgerottet hatten und die geschmeidigen Katzenm\u00e4dchen DJs an Plattenspielern anbeteten, die Konzerte immer leerer und die Gagen immer niedriger wurden, da begann sich Johnny mangels attraktiverer Alternativen endlich f\u00fcr Gabriele zu interessieren. Doch der erste Schnellkopulationsversuch auf der B\u00fchne, w\u00e4hrend des sechs Minuten langen Instrumentalteils des in den Billboardcharts von 1979 auf Platz 42 rangierenden Hits \u201ePut your legs under your arms and run!\u201c, versteckt hinter der <a href=\"https:\/\/getoffsetpodcast.com\/is-sweetwaters-marshall-wall-real-or-fake-an-investigative-report\/\">zw\u00f6lfteiligen Marshall-Wand<\/a>, zwischen abgeranzten leeren Gitarrenkoffern und schwarzen Endstufen-Kisten, endete aufgrund von Koordinationsproblemen, verursacht durch depressionsinduzierten Alkohol- und Drogenmissbrauch, mit einem Desaster: Die Marshall-Wand st\u00fcrzte ein, zw\u00f6lf wertvolle, originale Sechzigerjahre-Lautsprecher und R\u00f6hrenverst\u00e4rker gingen zu Bruch, und Johnny fand sich mit heruntergelassener Hose im Blitzlichtgewitter des einzig anwesenden Reporters des lokalen Nachrichtenblattes \u201eRanzlingen-News\u201c wieder. Nur dank Johnnys aggressiv einschreitenden Bandmanagers konnte die Ver\u00f6ffentlichung der peinlichen Fotos verhindert werden. Eine Woche sp\u00e4ter bereute Johnny diese Entscheidung, h\u00e4tten die Bilder in der \u00d6ffentlichkeit doch mehr Aufmerksamkeit erzeugt, als jede Pressemeldung es je vermocht h\u00e4tte, daher feuerte er den Manager wegen Sabotage.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Doch Johnny bereute den Vorfall noch aus einem anderen Grund, denn nach dem Fiasko wollte Gabriele nichts mehr von ihm wissen. Ihr war schlagartig klar geworden, dass sie mehr vom Leben erwartete, als unromantisch-schmuddeliges K\u00f6rperfl\u00fcssigkeits-Sharing im abgedunkelten Teil einer Festivalb\u00fchne. Sie wollte Liebe und Z\u00e4rtlichkeit, Begehren und Verehrung, Achtung und Vertrauen, Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft \u2026 und all den anderen Quatsch, auf den Frauen normalerweise so stehen. Au\u00dfer sie sind katzen\u00e4ugige Groupies, dann wei\u00df man nie so genau, was sie eigentlich wollen, sie selbst vermutlich auch nicht.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Und noch etwas bereute Johnny sehr: Die Exzesse der vergangenen Jahrzehnte, all das Experimentieren mit chemisch-biologischen Substanzen aus dem zwielichtigen pharmazeutischen Bereich von Mutter Natur, sowie all die C2H6O-getr\u00e4nkten N\u00e4chte, das ungesunde Essen preisg\u00fcnstigster Catering-Dienstleister, hastig heruntergeschlungen zwischen letztem Erbrechen nach durchzechter Backstage-Partynacht und n\u00e4chstem Auftritt. Die auf Tourneen obligatorisch mangelhafte K\u00f6rperhygiene gab dem ausgezehrten Kadaver den Rest. Welcher Rockstar putzt sich nach dem Konzert schon die Z\u00e4hne, duscht ausgiebig oder benutzt Feuchtigkeitscreme?<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Die Hautlappen der ausgeleierten Wangen hingen Johnny inzwischen wie die Lefzen eines Mastino Napoletano bis zu den Schultern. Es kostete vor jedem Konzert mindestens zwei Stunden Vorbereitung, sie kunstgerecht um den Hinterkopf zu wickeln und mit der schwarzen Langhaarper\u00fccke sowie einem coolen Hut festzuklemmen. Der Lichttechniker bekam stets eine schriftliche, von ihm zu unterzeichnende Anweisung, die Scheinwerfer nicht direkt auf das Gesicht zu richten, damit die kosmetischen Ma\u00dfnahmen dem Publikum nicht zu sehr auffielen, was im Grunde fast schon \u00fcbertrieben war, denn die wenigen Konzertbesucher, die noch den Weg in die Konzerts\u00e4le fanden, waren inzwischen ebenso alt wie Johnny und konnten ohne Brille kaum noch was erkennen.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johnny bereute auch das Gesichtslifting, ausgef\u00fchrt 1991 von Dr. Schenkman in Malibu, welches das Problem nur noch versch\u00e4rft hatte, weil die Haut dabei drastisch \u00fcberdehnt wurde und jegliche Elastizit\u00e4t verlor. Schenkman galt als Sch\u00f6nheitschirurg der Stars, viele lie\u00dfen sich dort das Gesicht ab- oder das Ges\u00e4\u00df aufpumpen, mit wachsendem Erfolg, doch auch ein Chirurg f\u00e4ngt mal klein an, und ungl\u00fccklicherweise traf Johnny den Chirurgen, als der frisch von der Uni kam und noch keinen richtigen Schimmer von modernen, raffinierten Techniken der Gesichtsversch\u00f6nerung hatte. Er zog die Lappen an Johnnys Gesicht einfach nach hinten und vern\u00e4hte sie dort mit einem Kreuzstich. Durch die seitenverkehrte Betrachtung seines liegenden Patienten w\u00e4hrend der Operation fiel ihm zu sp\u00e4t auf, dass die Ohren zwar an der richtigen Stelle sa\u00dfen, aber leider auf der falschen Seite. Ein Fehler, der vielen Chirurgen am Anfang ihrer Karriere unterl\u00e4uft.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Als Johnny aus der Narkose und in seinem ganz pers\u00f6nlichen Alptraum erwachte, bemerkte auch Schenkman endlich den Fehler. Sie einigten sich auf einen angemessenen Rabatt sowie eine Nachoperation, bei der die Ohren einfach wieder ausgetauscht wurden. Die Kreuzstichnaht fiel erst Jahre sp\u00e4ter negativ auf, als Johnny den gr\u00f6\u00dften Teil seiner Haare verloren hatte und die h\u00e4sslichen Narben mit dem unl\u00f6sbar eingewachsenen schwarzen Garn am Hinterkopf sichtbar wurden, das Schenkman nur benutzt hatte, weil nichts anderes greifbar war und es ohnehin durch die damals noch f\u00fclligen schwarzen Haare verdeckt wurde. Doch da war es bereits zu sp\u00e4t zum Reklamieren. Schenkman hatte inzwischen so viel Geld verdient, dass er sich Security-Mitarbeiter leisten konnte, die unliebsame Personen am Betreten seiner Klinik hinderten, insbesondere wenn sie Beschwerden vorbringen wollten.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0So blieb Johnny nur die Per\u00fccke und ein cooler Hut, was sich nun, \u00fcber drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter, beim Verstecken der ausgeleierten Gesichtsz\u00fcge auszahlte, denn die treuen Fans waren den Anblick bereits gewohnt und sch\u00f6pften keinen Verdacht.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eAlso was ist jetzt? Willst Du poppen oder nicht?\u201c, rief er erneut hin\u00fcber.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eFick Dich selbst!\u201c, rief Gabriele zur\u00fcck. Normalerweise ignorierte sie seine anz\u00fcglichen Bemerkungen, aber heute hatte er bereits zweimal gefragt, und das ging ihr gewaltig auf die Nerven. Ohnehin ging ihr dieses andauernde Vagabundenleben auf die Nerven. St\u00e4ndig unterwegs, auch an den Wochenenden, von Stadt zu Stadt, schon seit Jahrzehnten. Ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse hatte sie zur\u00fcckgestellt, keine Kinder, kein Familienleben, kein kleines Haus mit Garten, und das alles nur f\u00fcr ihn\u00a0\u2013 Johnny, den sie einst so inbr\u00fcnstig geliebt hatte, und der sich doch nur mit katzen\u00e4ugigen Grazien vergn\u00fcgen wollte. Gern h\u00e4tte sie gek\u00fcndigt und etwas Neues angefangen. Einen Job im B\u00fcro, mit Arbeitszeiten von neun bis f\u00fcnf. Doch was hatte sie als Referenz schon vorzuweisen? Ein Leben auf Tour? Ohne Ausbildung oder Studium? Wer w\u00fcrde sie einstellen? Es blieb nur das hier. Das Herumziehen von Zelt zu Zelt, von Kneipe zu Kneipe, von Festwiese zu Festwiese, von privater Geburtstagsfeier zu Jugendweihe, bis zum bitteren Ende, denn auch eine Rente w\u00fcrde es nicht geben, da sie nie auch nur einen Cent in die Kasse eingezahlt hatte.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Wir haben schon alles gemacht, au\u00dfer Beerdigungen, stellte Gabriele mal bei einem Mittagessen fest. Es gab D\u00f6ner und eine B\u00fcchse Cola, und das war nun auch schon wieder \u00fcber f\u00fcnfzehn Jahre her.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0So blieb ihr nichts weiter \u00fcbrig, als die Band weiter zu unterst\u00fctzen, sich n\u00fctzlich zu machen, die verschwitzten, stinkenden Klamotten im n\u00e4chsten Motel zu waschen, Bierk\u00e4sten herbeizuschaffen und w\u00e4hrend der Konzerte die leeren Flaschen auf der B\u00fchne gegen volle auszutauschen, stets gekleidet in unauff\u00e4lliges Schwarz, so wie es weltweit bei allen Roadies, allen Tontechnikern, ja allen sonstigen Bediensteten \u00fcblich ist, die sich klammheimlich, scheu wie Panther, um die Scheinwerferkegel herumdr\u00fccken, damit die Aufmerksamkeit der Fans nicht von den Stars abgelenkt wird. Unsichtbare, unterbezahlte Heinzelm\u00e4nnchen, die stets ihre schwarze Uniform tragen, damit sie nicht grell aufleuchten wie eine Phosphorbombe, wenn das Scheinwerferlicht sie doch einmal versehentlich streift, die sogar schwarze Unterw\u00e4sche anziehen, falls beim Schleppen der schweren Technikkisten, der gro\u00dfen Lautsprecher oder beim Herumklettern auf den Aluminiumtraversen unerwartet die Hosennaht aufrei\u00dft.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johnny knurrte ver\u00e4rgert, aber auch erleichtert, denn mit seinen f\u00fcnfundsiebzig war er schlie\u00dflich keine zwanzig mehr. Ab dem vierzigsten Lebensjahr sank bei M\u00e4nnern der Testosteronspiegel allm\u00e4hlich immer weiter ab, und Johnny war da schon ein ganzen St\u00fcck dr\u00fcber, was bedeutete, er hatten einen Testosteronspiegel auf dem Niveau einer Nachttischlampe. Nein, bitte genau lesen: Nachttisch-Lampe, nicht Nachtisch-Schlampe!<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johnny versp\u00fcrte kaum noch Lust auf sexuelle Aktivit\u00e4ten, er war froh, wenn er sich nicht so viel bewegen musste und fragte nur, um sein Image als reaktion\u00e4re, maskulinistische Rampensau aufrechtzuerhalten, was bei Gabriele aber \u00fcberfl\u00fcssig war, da sie ihn besser kannte, als er sich selbst.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eSind die anderen schon da?\u201c, fragte Johnny.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eKeine Ahnung\u201c, antwortete Gabriele und strich die ergrauten Haare zur\u00fcck. <br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Die Musiker hassten einander und gingen sich m\u00f6glichst aus dem Weg. Sie verschanzten sich in verschiedenen Garderoben und trafen erst auf der B\u00fchne zusammen, wo sie k\u00fchl und abweisend aneinander vorbeischauten. Einen gemeinsamen Proberaum gab es nicht, brauchte es auch nicht, denn wer seit f\u00fcnfzig Jahren zusammen Musik macht, kennt jede Harmonie, jeden Takt, ja selbst jede wie zuf\u00e4llig aufgef\u00fchrte Improvisation der anderen Musiker auswendig. Sie harmonierten als Band perfekt und k\u00f6nnten noch immer gro\u00dfe Konzerthallen f\u00fcllen, wenn ihnen nicht dieser verdammte Techno dazwischengekommen w\u00e4re.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00c4chzend k\u00e4mpfte Johnny sein knochiges Skelett von der versifften, m\u00fcffelnden Garderobencouch hoch, auf der in den hundertzehn Jahren seit dem Entstehen des Kreiskulturhauses \u201eFranz-Joseph Grummelmann\u201c bei etwa drei Veranstaltungen pro Woche, in 5720 Wochen insgesamt, grob gesch\u00e4tzt 34320 Personen bei sexuellen Aktivit\u00e4ten ihre Gene in fl\u00fcssiger Form hinterlassen hatten. Bei mehr als zwei Teilnehmern pro Akt k\u00f6nnte diese Sch\u00e4tzung durchaus noch zu konservativ ausfallen. Somit handelt es sich um den einzigen bekannten Fall der Menschheitsgeschichte, bei welcher sich der Kampf gegen eine vorzeitige Obsoleszenz durch Nutzung extrem haltbarer Materialien bei der Produktion dieser Couch ausnahmsweise mal als unvorteilhaft herausgestellt hatte. Die gepolsterte Keimschleuder h\u00e4tte einen Spezialisten f\u00fcr Geschlechtskrankheiten in helle Aufregung versetzt und als hochproblematischer biologischer Sonderm\u00fcll l\u00e4ngst fachgerecht entsorgt werden m\u00fcssen.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johnny bemerkte nichts von all dem. Sein Geruchssinn war nach jahrzehntelangem Genuss der russischen Zigarettenmarke \u201e<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=KHxVJ02lnpU\">Machorka<\/a>\u201c elendig verreckt, und nur der Umstand, dass die EU diese Sorte als verbotenes chemisches Kampfmittel auf den Index gesetzt hatte, verhinderte, dass Johnny ebenfalls vorschnell das Zeitliche segnete. Doch genau wie all die anderen, nicht zu den unmittelbar \u00fcberlebenswichtigen Lebensmitteln z\u00e4hlenden Substanzen hinterlie\u00dfen auch die Zigaretten ihre Spuren in Johnnys Gesicht, welches nun, um den Hinterkopf gewickelt, wie ein zerknittertes Geschichtsbuch von all den vergangenen Exzessen k\u00fcndete.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eAndy kommt nachher mal r\u00fcber. Den hatte sich doch die Metalband ,Accessor\u2018 f\u00fcr ihre Chinatour ausgeliehen\u201c, informierte Gabriele. \u201eEr meinte, er habe Dir irgendwas mitgebracht.\u201c<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Johnny grummelte, w\u00e4hrend er im Sitzen unbeabsichtigt die in seiner seit zwei Wochen nicht gewechselten Unterhose befindlichen Keime zu den bereits in der Couch hinterlassenen all der anderen Menschen hinzuschmierte. Diese Keime hatten, getreu ihres evolution\u00e4ren Auftrags, niedere Zivilisationen gebildet und wie bei jedem anderen endemischen Biosystem nach langj\u00e4hrigen erbitterten K\u00e4mpfen zu einem vergleichsweise friedlichen Gleichgewicht gefunden, das nun durch Johnnys Hinterlassenschaften erneut ins Kippen geriet und heftige kriegerische Auseinandersetzungen bef\u00fcrchten lie\u00df.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eAndy? Was kann das wohl sein? Eine Blechb\u00fcchse mit chinesischem Tee vielleicht? Die produzieren dort so was mit echt aufwendigem Design und viel Liebe zum Detail. Nicht nur als Pappschachtel mit Beuteln wie bei uns.\u201c<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eNee, er erz\u00e4hlte was von Medizin. Oder Kosmetik. Oder eine Mischung aus beidem. Eine medizinische Hautcreme, glaube ich\u201c, gr\u00fcbelte Gabriele.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eHautcreme? Was soll ich jetzt noch mit einer Hautcreme?\u201c, fragte Johnny ver\u00e4rgert und wies beidh\u00e4ndig auf sein Gesicht.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eJa, da haste nicht ganz unrecht, damit h\u00e4tteste viel fr\u00fcher anfangen m\u00fcssen.\u201c Sie grinste h\u00e4misch. <br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Der Verfall war Johnny schon fr\u00fch anzusehen. Seine Z\u00e4hne waren zwar komplett, exakt 32 St\u00fcck, wie vom Sch\u00f6pfer vorgesehen, und sie waren makellos wei\u00df. Aber sie waren eben nur aus Keramik und steckten auf 32 Metallstiften, tief versenkt im Kieferknochen, und zu viel f\u00fcr jeden Metalldetektor an Flugh\u00e4fen, die beim Durchschreiten jedes Mal Gro\u00dfalarm ausl\u00f6sten und Sicherheitsbeamte hysterisch zu ihren Waffen greifen lie\u00dfen, was irgendwann zu einer Strategie\u00e4nderung f\u00fchrte, und zwar in Form von schriftlichen Vorank\u00fcndigungen seines Eintreffens am Flughafen, um nicht irgendwann versehentlich erschossen zu werden. Auch durfte Johnny ausnahmsweise seinen metallgespickten Kopf, behutsam vom Rumpf getrennt, zusammen mit dem Handgep\u00e4ck auf das Flie\u00dfband des kleineren R\u00f6ntgenger\u00e4tes legen, wo er von Sicherheitsbeamten durchleuchtet und am Bildschirm meist als harmlos beurteilt wurde. Das hierf\u00fcr notwendige Schraubgewinde zwischen Kopf und Hals hatte er Dr. Schenkman nach z\u00e4hen Verhandlungen noch als Schadensersatz-Ersatz aus den Rippen leiern k\u00f6nnen.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Seine echten Z\u00e4hne hatten den Kampf gegen die Invasion von <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Streptococcus_mutans\">Streptococcus mutans<\/a> und <a href=\"https:\/\/flexikon.doccheck.com\/de\/Aggregatibacter_actinomycetemcomitans\">Aggregatibacter actinomycetemcomitans<\/a> schon vor langer Zeit aufgegeben.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Auch von der Unterkante des Kopfes abw\u00e4rts hatte Johnny bereits erheblich gelitten. K\u00fcnstler seines Ranges werden w\u00e4hrend der etwa zweist\u00fcndigen Konzerte durch all den Zuspruch tausender Fans von Gl\u00fcckshormonen regelrecht geflutet, was ein extrem suchterzeugendes Potential in sich birgt. Ist das Konzert zu Ende, fallen sie in ein tiefes Loch, auf dessen Boden oft niemand auf sie wartet, um sie aufzufangen, au\u00dfer vielleicht Jim, Jack, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Marihuana\">Sweet Mary Jane<\/a> und eine fette Pizza. So nahm Johnnys K\u00f6rperumfang irgendwann drastische Ausma\u00dfe an, bis zum unvermeidlichen Herzinfarkt, der seinen Leibarzt zu erbarmungslos strengen Ma\u00dfnahmen veranlasste, indem er Johnny auf Entzug und Di\u00e4t setzte.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Von 236 runter auf 86 Kilo, innerhalb von sechs Monaten, war ein beachtliches Tempo, bei dem Johnnys Au\u00dfenh\u00fclle leider nicht mithalten konnte. Daher mussten die bis zum Boden herabh\u00e4ngenden Hautlappen seines Rumpfes, \u00e4hnlich denen vom Gesicht, um den K\u00f6rper herumgewickelt und dort befestigt werden, damit Johnny nicht versehentlich dar\u00fcber stolperte.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u201eDas m\u00fcsste schon eine Menge Hautcreme sein, sonst kann ich damit gar nichts anfangen\u201c, murmelte er gedankenverloren vor sich hin.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4809.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4809-1024x684.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1921\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Von drau\u00dfen drangen harte Sounds her\u00fcber. Die Roadies hatten den Aufbau abgeschlossen und verwirklichten sich nun an den Instrumenten. Im Grunde sind Roadies nicht anderes als verhinderte Rockstars, arme Seelen, die kein Instrument gut genug beherrschen, um sich damit auf die B\u00fchne wagen zu k\u00f6nnen, oder die nicht genug Ausstrahlung haben, um Millionen Fans zu begeistern, die aber trotzdem das sch\u00f6ne Leben eines ber\u00fchmten Musikers f\u00fchren wollen und darum bereit sind, f\u00fcr wenig Kohle all die schwere, schmutzige Arbeit zu erledigen, die notwendig ist, um ein Konzert einigerma\u00dfen vern\u00fcnftig \u00fcber die B\u00fchne zu bringen, und die so den Mittelweg gefunden haben, zwischen einem traurigen Stehplatz inmitten tausender, gr\u00f6lender, bierumherspritzender Fans, und als Star im Lichte eines sonnigen Scheinwerferkegels auf der B\u00fchne. Die Troph\u00e4en jedes Roadies hingen in Form von Backstage-P\u00e4ssen zu Hause an der Wand und erweichten so manches Groupieherz, das den Weg bis dorthin gefunden hatte und noch letzten Feinschliff ben\u00f6tigte, um den Restwiderstand aufzugeben und die H\u00fcllen fallen zu lassen.<br> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Tony, der f\u00fcr die Saiteninstrumente und deren Peripherie zust\u00e4ndige Roadie, spielte die ersten Moll-Akkorde der schnulzigen Rockballade \u201eWhen you left me\u201c: A, D, E und zur\u00fcck zu A. In der Rock-Balladen-Branche fast schon ein zuverl\u00e4ssiger Garant f\u00fcr einen zumindest nationalen Top-50-Hit. Bereits beim ersten Ton zuckte Johnny zusammen, denn Tony hatte in seinen syphilitischen Fingern zu wenig Kraft, sodass der Zeigefinger die H-Seite nicht ausreichend fest gegen den ersten Bund pressen konnte. Sie klirrte und resonierte unkontrolliert umher, was sich \u00fcber die PA in schmerzhaft-verzerrten Ger\u00e4uschen bemerkbar machte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4384.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4384.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1920\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eHaaach \u2026 Tony, Du Idiot!\u201c, br\u00fcllte Johnny durch die Garderobent\u00fcr. Musiker hassen es, wenn man ihre Instrumente ber\u00fchrt. Doch der Ruf versank unter einem dr\u00f6hnenden Teppich, hastig geh\u00e4kelt mit der doppelten Bassdrum, einer Snare und mehreren Becken, verpr\u00fcgelt von Horst, dem kahlk\u00f6pfigen Schlagzeug-Roadie, dessen fr\u00fchere Alkohol-Eskapaden eine Demenz von bedenklichen Ausma\u00dfen hinterlassen hatten, sodass er das vielteilige Schlagzeug inzwischen nur noch unter Zuhilfenahme eines alten Fotos korrekt aufbauen konnte.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;M\u00fchsam schleppte sich Johnny zur T\u00fcr und wollte sie zuschlagen. Fast h\u00e4tte er sie Andy in die Fresse gehauen, der soeben um Ecke bog. \u201eSag mal, haste sie noch alle?\u201c, rief dieser emp\u00f6rt.<br>\u201eSorry, war keine Absicht\u201c, entschuldigte sich Johnny. \u201eNur wegen der zwei Idioten da vorn. Wir sollten die endlich rausschmei\u00dfen.\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eLass die mal ruhig machen\u201c, widersprach Andy, \u201ewir k\u00f6nnen froh sein, das wir sie noch haben. Die letzten von ehemals f\u00fcnfzehn Roadies. Alle anderen haben l\u00e4ngst das Handtuch geworfen oder ins Gras gebissen. Die beiden arbeiten f\u00fcr Essen und ein paar Bier, denn bezahlen k\u00f6nnen wir sie schon lange nicht mehr.\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Im Grunde war das eine Verharmlosung der Situation, denn genau wie Gabriele hatten Tony und Horst ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht, die Schule geschmissen, keinen Beruf erlernt und w\u00fcrden woanders garantiert keinen Job mehr finden.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andy schloss die T\u00fcr. Der Krach drang nun etwas ged\u00e4mpfter in die Garderobe durch, war aber immer noch st\u00f6rend.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eH\u00f6r mal, Johnny\u201c, begann er, \u201eich hab da vielleicht was f\u00fcr Dich. In China hab ich einen Parteifunktion\u00e4r kennengelernt, der arbeitet in einem petrolchemischen Kombinat, das Pharmazeutika f\u00fcr die ganze Welt produziert. Und die entwickeln auch neueste Gentherapien, die Kosmetika der Zukunft. Das ist alles noch streng geheim, davon k\u00f6nnen wir hier nur tr\u00e4umen. Der Typ hat mir geheimnistuerisch einen kleinen Keramiktiegel zugesteckt. ,F\u00fcr Ihre Frau\u2018, hat er gesagt. Ich war ja erst skeptisch, Du wei\u00dft ja selbst, wie das mit chinesischen Produkten so ist. Aber Linda wollte es auspro\u2026\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eLinda?\u201c, fragte Johnny dazwischen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eMeine Freundin\u201c, erkl\u00e4rte Andy.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eHie\u00df die nicht Gabi?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWas?\u201c, fragte Andy irritiert. \u201eMit der bin ich seit acht Jahren nicht mehr zusammen!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eJunge, Junge, da haben wir aber lange nicht mehr miteinander geredet\u201c, staunte Johnny. \u201eAber okay, und was wollte Gabi nun ausprobieren?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eLinda!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eGabi wollte Linda ausprobieren?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eNein, verdammt, h\u00f6rst Du denn nicht zu? Das Genpr\u00e4parat!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWas ist damit?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eSie wollte es ausprobieren.\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWer?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eLinda!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWer ist Linda?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andy schlug die H\u00e4nde vors Gesicht und st\u00f6hnte. Auch bei Johnny hatte der Alkohol offenbar nicht nur \u00e4u\u00dferlich gravierende Spuren hinterlassen. Dann setzte er geduldig erneut an: \u201eMeine Freundin Linda wollte das Genpr\u00e4parat ausprobieren, das ich aus China mitgebracht hatte.\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny staunte: \u201eDu warst in China?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Angesichts Andys entgleisender Gesichtsz\u00fcge kniff er schnell die Augen zusammen und versuchte, sich zu konzentrieren: \u201e\u00c4h \u2026 ja, sorry, meinte ich ja \u2026 China \u2026 Genpr\u00e4parat. Alles klar!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eEs handelt sich dabei um eine Antifaltencreme\u201c, fuhr Andy fort, \u201eaber viel moderner, als das, was wir sonst so kennen. Linda hat sie sich abends ins Gesicht geschmiert, ganz d\u00fcnn. Naja, Du wei\u00dft ja, wie sie aussieht. Ist mit ihren 59 halt auch kein erfreulicher Anblick mehr. Aber am n\u00e4chsten Morgen \u2026 also das wirst Du nicht glauben \u2026\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny musterte Andy mit finsterem Blick. \u201eJa, was war da?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eIch wachte auf und sah neben mir im Bett eine fremde junge Frau liegen. Hab sie nicht gleich erkannt, aber es war Linda. Sie hatte das Gesicht einer Zwanzigj\u00e4hrigen. Nur die grauen Haare haben sie verraten. Ich dachte, ich spinne, aber sie war&#8217;s wirklich! Und das beste \u2013 es ist so geblieben! Sie sieht seit einer Woche immer noch so aus, ohne dass sie nochmal nachcremen musste. Unglaublich!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eJa, in der Tat. Unglaublich. Und darum glaube ich es auch nicht\u201c, antwortete Johnny skeptisch. Innerlich keimte unerwartet Hoffnung. Eine Antifaltencreme, die das Gesicht drastisch verj\u00fcngt und nur eine Anwendung erfordert? Vielleicht k\u00f6nnte ihm das ja helfen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eUnd Du hast mir was mitgebracht?\u201c, fragte er mit erwartungsvollem Dackelblick.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eLinda hat den Inhalt des kleinen Tiegels vollst\u00e4ndig aufgebraucht. Es war nur eine winzige Menge.\u201c Mit verschw\u00f6rerischem L\u00e4cheln beugte Andy sich vor. \u201eAber die Sicherheitsstandards der Labore dort sind ein Witz, die T\u00fcren oft nicht mal richtig abgeschlossen. Da der Funktion\u00e4r mir seine Karte gegeben hatte, kannte ich die Adresse, bin nachts eingestiegen und konnte eine gr\u00f6\u00dfere B\u00fcchse von dem Zeug mitgehen lassen.\u201c Er griff in den mitgebrachten Rucksack und hob einen mattwei\u00dfen Keramikzylinder heraus, verschlossen mit einem fast nahtlos abschlie\u00dfenden Deckel.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eMeine G\u00fcte, alle Achtung! Sehr verwegen\u201c, staunte Johnny. \u201eUnd die haben Dich nicht erwischt?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eDoch, haben sie. Aber den Dollar m\u00f6gen sie nun mal lieber als die Partei. Daher lie\u00dfen sie mich laufen, f\u00fcr zwanzig M\u00e4use pro Person. Nicht mal meine Sachen haben sie durchsucht, wie Du siehst.\u201c Er grinste.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ehrf\u00fcrchtig \u00fcbernahm Johnny das Gef\u00e4\u00df. Es f\u00fchlte sich recht schwer an, der Inhalt mochte etwa einen Liter betragen, aber die Keramik an sich wog bestimmt auch schon eine Menge. \u201eDarf ich es aufschrauben?\u201c Andy nickte: \u201eNa klar!\u201c<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Foto-5.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Foto-5-1024x768.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1922\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Deckel drehte sich leicht schabend vom Zylinder, so als w\u00fcrde man eine Kaffeetasse auf der Untertasse drehen, und gab den Blick ins Innere frei. Die W\u00e4nde waren erstaunlich dick, fast zwei Zentimeter, was die m\u00f6gliche Menge des Inhalts drastisch einschr\u00e4nkte. Ein halber Liter vielleicht k\u00f6nnte das sein, sch\u00e4tzte Johnny beim Anblick der geruchlosen, halbtransparenten, wei\u00df-rosafarbenen Paste. <br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eHast Du&#8217;s selber mal ausprobiert?\u201c Andy winkte ab: \u201eNee, lass mal. Kein Bedarf. Glatte Haut w\u00fcrde mein Gesicht auch nicht nennenswert versch\u00f6nern. Ich war schon als junger Mann nicht besonders attraktiv.\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Eine erstaunlich uneitle Selbsteinsch\u00e4tzung, bemerkte Johnny respektvoll. Tats\u00e4chlich hatte Andys Gesicht etwas rattenhaftes. Eine spitze, sich dem Betrachter entgegenreckende Nase, darunter tendentiell nach vorn gerichtete, freiliegende Z\u00e4hne, weil sein Mund meistens offenstand, was ihm einen ausgesprochen d\u00fcmmlichen Gesichtsausdruck bescherte. Versch\u00e4rft wurde dieser Eindruck durch ein fliehendes Kinn und eine ebenso nach hinten geneigte Stirn. Die Tatsache, dass Andy sexuell \u00fcberhaupt zum Zug kam, verdankte er nur seinem virtuosen Gitarrenspiel, dem schnellen, harten Klicken des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Plektrum\">Plektrums<\/a> auf den Saiten, deren T\u00f6ne im Verst\u00e4rker verzerrt und von den Lautsprecher in die Menschenmassen geschleudert wurden, was besonders bei Weibchen irgendeine unerkl\u00e4rlich anregende Wirkung auf den Fortpflanzungstrieb ausl\u00f6ste. Ein Stra\u00dfenbahnfahrer, Bauarbeiter, Schuhverk\u00e4ufer oder Unterstufenlehrer h\u00e4tte mit einem derart nagetier\u00e4hnlichen Antlitz wohl kaum ein so ausgepr\u00e4gtes Kopulationsbegehren bewirken k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG7437.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG7437-1024x679.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1923\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vorn auf der B\u00fchne brach der Krach unvermittelt ab. Chris, der Bassist, war eingetroffen und beschimpfte die beiden Roadies hemmungslos. Dann folgte ein Moment der Ruhe, gefolgt von tieffrequentem Dr\u00f6hnen, das hier hinten, im Backstagebereich, die Bierflaschen in den Kisten scheppern lie\u00df. Chris stimmte sein Instrument und justierte die Regler des Verst\u00e4rkers: Brumm. Brummbrumm. Klirr. Brumm. Brummbrumm. Klirr \u2026<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Andy wurde fahl im Gesicht. \u201eIch muss hier weg!\u201c, fl\u00fcsterte er und verlie\u00df fluchtartig den Raum. Dann steckte er den Kopf noch mal zur T\u00fcr herein: \u201eProbier das Zeug ruhig aus. Aber nimm nicht zu viel auf einmal! Nur ganz d\u00fcnn auftragen! Mit Gummihandschuhen, zur Sicherheit! Das ist wichtig! Hat jedenfalls der \u2026\u201c <br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Brummbrummbrummbrummbrumm \u2026 h\u00e4mmerte Chris in sein Instrument. Andy wurde \u00fcbel, er w\u00fcrgte. \u201e\u2026hat der Chinese gesagt.\u201c Schnell schloss er die T\u00fcr und rannte zum Notausgang.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Kreiskulturhauses \u201eFranz-Joseph Grummelmann\u201c investierte k\u00fcrzlich erst in eine neue PA, ein modernes Public-Address- \u2026 oder auf Deutsch \u2013 Lautsprechersystem mit zus\u00e4tzlichen Subwoofern. Der Technikverantwortliche hatte den Konzertsaal pr\u00e4zise vermessen und die Betreiber fachlich korrekt beraten, aber wie das so ist \u2013 manche Menschen wollen einfach nicht auf Fachleute h\u00f6ren, also bestellten die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer drei, statt nur einen der empfohlenen Subwoofer, weil \u201eviel Bass nun mal richtig reinfetzt\u201c. Genau dieser Bass war nun drastisch \u00fcberdimensioniert und schlug den G\u00e4sten die tiefen Impulse wie mit einer schweren Hartgummifaust in die Magengrube, was insbesondere bei den st\u00e4rker alkoholisierten Besuchern unerw\u00fcnschte k\u00f6rperliche Reaktionen ausl\u00f6ste, welche wiederum den Bodenbelag des Konzertsaals in eine gef\u00e4hrlich glitschig-rutschige Fl\u00e4che verwandelten.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny k\u00fcmmerte das nicht. Wer in seinem Leben schon so viel Nahrung \u00fcber die entgegengesetzt liegende K\u00f6rper\u00f6ffnung entsorgt hat, als \u00fcber jene, die von Natur aus eigentlich daf\u00fcr vorgesehen ist, den k\u00f6nnen auch derartige Bassexzesse nicht beeindrucken. Interessiert betrachtete er noch immer diese fremdartige chinesische Paste. Neugierig strich er mit dem Zeigefinger dar\u00fcber, sodass ein gl\u00e4nzender Film an der Spitze zur\u00fcckblieb. Sofort begann es zu kribbeln und die Haut sich zu spannen, Es f\u00fchlte sich an, als w\u00fcrde jemand ein Pflaster abziehen. Gleichzeitig zog die Substanz in die Haut ein und hinterlie\u00df ein trockenes Gef\u00fchl. Sehr merkw\u00fcrdig.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny setzte sich auf den einzigen Schminkplatz im Raum und betrachtete sich im Spiegel, der von vierzehn altmodischen Gl\u00fchlampen umrahmt wurde. Die Kulturhausbetreiber lehnten den Austausch gegen modernere LED-Lampen ab, mit der Begr\u00fcndung, diese h\u00e4tten nur ein eingeschr\u00e4nktes Farbspektrum, was Hautt\u00f6ne irgendwie gr\u00fcnstichig und damit kr\u00e4nklicher aussehen lassen w\u00fcrde. K\u00fcnstler sind halt eitle Wesen und wollen so attraktiv wie m\u00f6glich sein, selbst wenn sie nur mit Schminken besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Bild-20231113_212638.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Bild-20231113_212638-1024x767.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1924\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er setzte den Hut ab und zog die Per\u00fccke vom Kopf. Sofort rutschten die Hauslappen \u00fcber den Hinterkopf herab und pendelten sich an den Kopfseiten ein. Ein wahrhaft schauderlicher Anblick. Dann griff er sich eines der Schminkpads, die, vom Haus gratis zur Verf\u00fcgung gestellt, schachtelweise in jeder Garderobe herumstanden, benetzte es mit der unbekannten Emulsion und verteilte sie zun\u00e4chst auf der linken Gesichtsh\u00e4lfte, mit der freien Hand den Hautlappen umherjonglierend. Wieder begann es zu kribbeln, aber nicht so schlimm, dass es nicht auszuhalten gewesen w\u00e4re, doch stark genug, um eine Wirkung zu bemerken. Und dann \u2026 geschah ein Wunder! Die Haut zog sich langsam zusammen, der Lappen wurde k\u00fcrzer, wurde von dieser Macht aus moderner Genetik und kreativem menschlichen Sch\u00f6pfergeist emporgehoben, um sich schlie\u00dflich gestrafft an die Konturen des Sch\u00e4dels anzuschmiegen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny war verbl\u00fcfft. Das gibt&#8217;s doch nicht! Wie kann das sein? Sofort behandelte er auch die rechte Gesichtsh\u00e4lfte, und der magische Moment wiederholte sich. Die Haut schrumpfte zusammen, zog sich in die H\u00f6he, gl\u00e4ttete sich von selbst. Sprachlos betrachtete Johnny das Ergebnis im Spiegel und sah einen h\u00f6chstens drei\u00dfigj\u00e4hrigen Rock-&#8217;n&#8216;-Roll-Star zur\u00fcckblicken. Nur die fehlenden Haare sowie die h\u00e4ssliche Naht am Hinterkopf verrieten, dass es noch immer dieselbe Person war, die da sa\u00df.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf. Er stand auf, streifte das schwarze T-Shirt ab, sch\u00fcttelte die kurzen, schwarzen Lederstiefel mit den Nietenb\u00e4ndern von den F\u00fc\u00dfen und zog die Hose aus. Nach dem L\u00f6sen des Korsetts fielen die Hautlappen seines di\u00e4tgeschr\u00f6pften Bauches, der Schwerkraft folgend, zu Boden. Fast w\u00e4re er draufgetreten. \u00c4chzend hob Johnny die schwere Haut empor, legte sie auf dem Schminktisch ab, lie\u00df erneut das benetzte Schminkpad kreisen. Es prickelte und kribbelte, schlimmer diesmal, wegen der sensiblen Haut an Bauch und H\u00fcften, so als w\u00fcrde ihn jemand kitzeln. Sich windend vor Lachen f\u00fchrte er ein lustiges T\u00e4nzchen auf, als just Gabriele die Garderobe betrat. Mit offenem Mund verharrte sie einen Moment, den offenbar verr\u00fcckt gewordenen Eindringling in Feinripp-Unterhose anstarrend, dessen umherschlabbernde Haut am Bauch sich auf wundervolle Weise immer weiter verk\u00fcrzte bis sie eng anlag. Gabriele wusste nichts von der chinesischen Zaubersalbe und w\u00e4hnte sich in einem gruseligen Horrorfilm, bis sie sich endlich aus der Schockstarre l\u00f6sen und den Sicherheitsmitarbeiter rufen konnte.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Heiko, ein glatzk\u00f6pfiger, unf\u00f6rmiger Fleischklops, irgendwo auf halbem Wege zwischen Sechzig und Siebzig, mit \u00e4hnlicher Biographie wie all die anderen hinter und auf der B\u00fchne t\u00e4tigen Gestalten, war sofort zur Stelle. Das Zittern seiner H\u00e4nde war inzwischen nicht mehr allein durch das Alter und die schwere goldene Rolex-Imitation am Handgelenk zu erkl\u00e4ren, sondern \u00fcberwiegend durch all die \u2026 sagen wir mal \u2013 \u201eNahrungserg\u00e4nzungsmittel\u201c der unorthodoxeren Art, die auch sein ohnehin schon unterdimensioniertes Gehirn in ein Schlachtfeld verwandelt hatten. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4474.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4474-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1925\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWas hast Du hier zu suchen, Penner?\u201c, schnauzte er Johnny an und griff nach dem vermeintlichen Eindringling. \u201eHey, ich bin&#8217;s doch, Johnny! Schau mal genau hin, Bl\u00f6dmann!\u201c Gerade wollte Heiko zum Schlag ausholen, f\u00fcr die Beleidigung, aber im letzten Moment entdeckte er dieses magische Funkeln in den Augen seines Gegen\u00fcbers, das ihn von Anfang an faszinierte, als die Band vor \u00fcber f\u00fcnfzig Jahren das erste mal hier gespielt hatte, und ihm, dem jungen, ber\u00fcchtigten Dorfschl\u00e4ger, der sich f\u00fcr den T\u00fcrsteherjob als besonders qualifiziert hervortat, die Ehre zuteil wurde, den Backstagebereich bewachen zu d\u00fcrfen. Das Funkeln in den Augen dieses Stars, Johnny, der ihn damals in die Garderobe gelassen sowie cool und unerschrocken ein paar Worte mit ihm gewechselt hatte, mit ihm \u2013 dem Nichtsnutz, was sonst niemand freiwillig tat, denn alle hatten Angst vor ihm. Nachdem Heiko verstand, dass ein Veranstalter nur dann ein Gesch\u00e4ft macht, wenn man nicht einen Gast einl\u00e4sst und zwei wieder rauswirft, lief es all die Jahre auch ganz zufriedenstellend.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eOh, Mann, tut mir echt leid, Johnny, ich hab Dich gar nicht erkannt. Bist Du das wirklich? Wow, Du siehst ja umwerfend aus. Hast Du Dich schon wieder liften lassen?\u201c Auch Gabriele erkannte erst jetzt den Mann, der da vor ihr stand, in dieser merkw\u00fcrdigen Mischung aus alten Armen und Beinen, gestrafftem K\u00f6rper und jugendlichem Gesicht sowie der altersfleckigen Glatze. Einen Moment lang begann es bei ihr zu kribbeln, im Unterleib, so wie damals, als sie Johnny gerade erst kennenlernt hatte und seiner Faszination, dem Funkeln seiner Augen erlegen war. Der K\u00f6rper will, was er will und er zeigt es auch hemmungslos an. Aber der Moment verschwand, die schlechten Erinnerungen gewannen wieder die Oberhand, und so wandte sie sich mit dem Ausruf \u201e\u00e4hhrg!\u201c angewidert ab.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eNein, ich hab mich nicht liften lassen, das ist die Wirkung von irgend so einem \u2026 Gen-Verj\u00fcngerungs-Creme-Zeugs.\u201c Er zeigte den Keramiktopf, der noch etwa die H\u00e4lfte des urspr\u00fcnglichen Inhalts enthielt. H\u00e4tte Gabriele nicht bereits den Raum verlassen gehabt, w\u00fcrde sie nun wohl um eine Gratisprobe gebettelt haben.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Chris war inzwischen fertig mit dem Justieren seines Equipments, das tieffrequente Gerumpel verstummte. Stattdessen qu\u00e4kte nun wieder seine Stimme durch den Saal, w\u00e4hrend er den Tontechniker anblaffte, nachdem er sich aufgrund des \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Bassdrucks in das Kunstblumen-Ensemble hatte \u00fcbergeben m\u00fcssen, welches mit seinen rechteckigen, braunen Plastikk\u00fcbeln mehr oder weniger h\u00fcbsch die B\u00fchne dekorierte. Der Techniker startete daraufhin eine CD mit den besten Klassik-Rock-Hit der 70er, 80er und 90er, um den Tieftonbereich der Anlage fachgerecht zu justieren. Tats\u00e4chlich schepperte es anschlie\u00dfend deutlich weniger, auch hier, hinter der B\u00fchne. Zumindest reflektierte der Spiegel das nun verj\u00fcngte Antlitz von Johnny nicht mehr ganz so stark vibrierend.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der unf\u00f6rmige Fleischklops schaute Johnny noch immer bedr\u00f6ppelt an. Fast h\u00e4tte er seinen Helden verm\u00f6belt. \u201eSchon gut, Heiko\u201c, winkte Johnny ab, \u201egeh mal lieber wieder nach vorn und lass die G\u00e4ste ein, die scharren bestimmt schon ungeduldig mit den Hufen.\u201c Heiko nickte erleichtert, sein Held hatte ihm verziehen. Gut sah er aus, fast so wie fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG7447.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG7447.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1926\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;,Arme Sau\u2018, dachte Johnny, dem T\u00fcrsteher hinterherschauend. Wie mag das sein, von allen gef\u00fcrchtet und gehasst zu werden? Wie kann man damit leben, \u00fcber Jahrzehnte hinweg unz\u00e4hligen Leuten die Schnauze ein- und hunderte Z\u00e4hne ausgeschlagen zu haben? Selbst viele Male verpr\u00fcgelt, zusammengetreten und abgestochen worden zu sein? Gew\u00f6hnt man sich irgendwann daran? Oder t\u00fcrmen sich die Traumata und Angstpsychosen mit der Zeit immer h\u00f6her auf?<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny ahnte nicht, wie wenig der T\u00fcrsteher sich mit so was besch\u00e4ftigte. Die meisten Vorf\u00e4lle hatte er schon nach wenigen Tagen vollkommen vergessen. Im Wesentlichen drehten sich die allt\u00e4glichen Gedanken um jene Fragen, die auch alle anderen Menschen bewegten: Wieso, verdammt noch mal, wird alles immer teurer? Woher kriege ich gen\u00fcgend Geld f\u00fcr die n\u00e4chste Miete? Spinnen die denn da oben? Und wo finde ich heute Abend was Anst\u00e4ndiges zum Ficken?<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny kratzte sich am Kinn. Zeit, sich anzuziehen. Er griff nach dem abgewetzten Hartschalenkoffer mit den vielen bunten Aufklebern, dessen Rollen bereits die Gummibereifung verloren hatten und der deshalb lautstark auf den harten Plastikkernen umherklapperte, entnahm ihm die gute alte Lederhose, vor \u00fcber drei\u00dfig Jahren handgefertigt aus derbem Rindsleder, vern\u00e4ht mit robuster Angelsehne, unkaputtbar, aber leider auch unwaschbar, weshalb sie einen unertr\u00e4glich stechenden Gestank verbreitete. Nur Johnnys l\u00e4ngst verblichener Geruchssinn verhinderte einen sofortigen Kreislaufstillstand. Fr\u00fcher hatte er sich \u00fcber den pl\u00f6tzlichen Stimmungsumschwung mancher Groupies gewundert, die sich ihm nach dem Konzert erst in unzweideutiger Absicht gen\u00e4hert, aber nach dem \u00d6ffnen des Rei\u00dfverschlusses pl\u00f6tzlich mit blassen Gesichtern das Weite gesucht hatten. Manche M\u00e4nner verh\u00fcten, ohne es zu wollen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das Kribbeln am Kinn wollte nicht verschwinden. Johnny begann heftig zu kratzen. Woher nur kam dieses pl\u00f6tzliche Kribbeln? Ein tiefer Schluck aus der Whiskey-Pulle sollte das Problem schnell beseitigen. Die scharfe Fl\u00fcssigkeit ran die Kehle hinab und t\u00f6tete dabei mitleidlos ganze Horden von randalierenden Erk\u00e4ltungs- und Grippeviren. Nach wenigen Augenblicken strahlte das Licht der vierzehn Gl\u00fchlampen am Spiegel heller und weicher als zuvor. Ein guter Start f\u00fcr einen angenehmen Abend.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny stellte die Pulle ab und stieg in die lederne Hose, zog ein halb zerfetztes T-Shirt an, dar\u00fcber die Kutte, eine Jeansjacke ohne \u00c4rmel, heiliges Statussymbol jedes real existierenden Rockers, ben\u00e4ht mit allgemein anerkannten Symbolen der Rockmusikszene. Der Kontakt der Kleidung auf der Haut verst\u00e4rkte das Kribbeln und verteilte es vom Kinn aus \u00fcberall auf den ganzen K\u00f6rper. \u201eVerdammt noch mal, wie auf &#8217;nem Ameisenhaufen\u201c, fluchte Johnny und begann zu kratzen. Die Haut f\u00fchlte sich an wie der rissige, ausged\u00f6rrte Grund eines komplett <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Aralsee\">verdunsteten Sees<\/a>.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eNoch f\u00fcnf Minuten!\u201c rief der Bandmanager durch die geschlossene T\u00fcr, verbunden mit heftigen Klopfen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eSchei\u00dfe, verdammt\u201c, fluchte Johnny, \u201ewie soll ich denn so auf die B\u00fchne gehen?\u201c Er riss sich die Kleider vom Leib, versuchte den Juckreiz zu stillen, erst durch Kratzen, dann mit Alkohol, zuerst auf der Haut verteilt, was eine ausgesprochen bescheuerte Idee war, denn nun brannte es zus\u00e4tzlich zu dem furchtbaren Jucken, dann durch orale Aufnahme, was zwar das Licht noch weicher scheinen lie\u00df, die Hautirritationen aber nicht zu lindern vermochte.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wieder das Pochen an der T\u00fcr. \u201eNoch drei Minuten! Johnny, was ist, bist Du fertig?\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eJa, doch, gleich, gib mir noch &#8217;nen Moment!\u201c, rief Johnny verzweifelt durch die T\u00fcr. Er lief in den abgeteilten Feuchtbereich der Umkleidekabine und \u00f6ffnete den Wasserhahn \u00fcber dem Becken. Ein paar Spritzer k\u00fchlendes Wasser sollten helfen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Doch sie halfen nicht, stattdessen juckte es immer st\u00e4rker. Was nun? Der n\u00e4chste Arzt war bestimmt einige Kilometer weit entfernt. Ein Rettungswagen ebenso. Keine lindernde Creme in Reichweite, keine Apotheke, die Hilfe versprach.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Keine Zeit mehr. Johnny richtete sich auf. Nicht die erste verkackte Mugge. Das wird schon. Du kriegst das hin. Er entnahm seiner Kosmetiktasche, die alles enthielt, au\u00dfer Kosmetik, eine von den bew\u00e4hrten wei\u00dfstaubigen Pillen gegen all die Schmerzen, die einen Vagabunden auf Tour unerwartet \u00fcberfallen k\u00f6nnen. Dann noch eine von den gelben, mit dem Herz drauf, auf das die Lichter heller brennen m\u00f6gen. Und noch eine blaue, oder gr\u00fcne, er konnte die Farbe schon nicht mehr erkennen, aber sie passte zu den anderen, ein h\u00fcbsches buntes Ensemble, sehr gef\u00e4llig. Zum Runtersp\u00fclen noch ein Schluck aus der Flasche.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sein tr\u00fcbe werdender Blick fiel auf einen wei\u00dfen Keramikbecher, mit einem ebenso wei\u00dfen Deckel, der beim Abdrehen ein leicht schabendes Ger\u00e4usch verursachte, so als w\u00fcrde man eine Kaffeetasse auf der Untertasse drehen. Na bitte! Da ist doch die lindernde Creme! Mit entr\u00fccktem L\u00e4cheln schmierte sich Johnny den letzten Rest der geheimen Paste aus dem fernen China ins Gesicht, auf die Arme, den Rumpf und alle restlichen juckenden Stellen. Und siehe da \u2013 das Jucken lie\u00df nach.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Poch-poch-poch! \u201eNoch eine Minute! Los jetzt, Johnny, raus mir Dir!\u201c<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Poch-poch-poch! In den Schl\u00e4fen h\u00e4mmerte der Puls Johnny den Takt. Irgendetwas spannte seinen K\u00f6rper ein, der Kopf f\u00fchlte sich an, wie in einem Schraubstock steckend. Auch das nicht zum ersten Mal. Wie viele Gigs hatte er schon in desastr\u00f6sem Zustand runtergerissen? War nie gestolpert, nie gest\u00fcrzt, hatte sich nie verspielt? Nicht ein einziges Mal war eine Saite gerissen, auch dank Tonys gewissenhafter Vorbereitung, denn als Gitarrenroadie nahm er seine Aufgabe sehr ernst.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny wankte zu T\u00fcr und verlie\u00df die Garderobe, in Richtung B\u00fchne. Das entgeisterte Gesicht seines Bandmanagers nahm er nicht mehr wahr.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Dort, den Gang entlang, dieser Druck \u00fcberall, nach links, die Stufen der Stahltreppe hinauf, was schn\u00fcrt mich denn so ein?, dem Scheinwerferlicht, den Rufen aus tausend Kehlen entgegen. Die B\u00fchne, ich hab es geschafft, nun kann nichts mehr schiefgehen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tausend Augenpaare sind auf ihn gerichtet. Auf ihn, den Frontmann, das Alphatier, ehemals brodelndes Testosteron, pures Charisma, seit Anbeginn. Sie sehen, wie er l\u00e4ssig im Vorbeigehen die Gitarre greift, seine geliebte rote Gibson SG und den Riemen um die Schulter legt. Er wankt dem vorderen B\u00fchnenrand entgegen, dorthin, wo in der Mitte platziert der Mikrofonst\u00e4nder bereitsteht. F\u00fcr ihn.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nur noch wenige Meter, das Atmen f\u00e4llt ihm schwerer, die sich spannende Haut schn\u00fcrt die Luft ab, presst das vernarbte Herz zusammen, das hektisch versucht, sich den Weg freizuschlagen, so wie er auch, vorbei an schwarzen Kisten mit Rollen darunter, gef\u00fcllt mit grauen Schaumstoffkissen, in denen sonst die wertvolle Technik sorgsam gebettet dem n\u00e4chsten Konzert entgegenrollt, von Ort zu Ort, jetzt jedoch den hinteren Rand und die Seiten der B\u00fchne ziert, aufgew\u00e4rmt, wartend, bereit f\u00fcr den ersten Ton, den es zu verzerren gilt, oder verst\u00e4rkt weiterzureichen, \u00fcber Kabel, so bunt wie die Kost\u00fcme des Glam Rocks, damals in den Siebzigern, weiterzugeben an die PA des Kreiskulturhauses \u201eFranz-Joseph Grummelmann\u201c, die nun, fachm\u00e4nnisch eingemessen, das Klanggeschehen der ehemals glorreichen und nun so grauenhaft abgehalfterten Band mit nahezu perfektem Klang an den Raum \u00fcbergibt, gef\u00fcllt mit Luftmolek\u00fclen, welche kunstvoll komprimiert und expandiert in die Ohren des erwartungsvoll fiebernden Publikums dringen m\u00f6gen.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Druck in Johnnys Kopf ist m\u00f6rderisch, ein schwarzes Flackern nimmt ihm zunehmend die Sicht, ein letztes Mal rauscht die eiserne Regel durch den Kopf \u2013 Show must go on!, egal was passiert, ob Saalschl\u00e4gerei oder Schlaganfall, die Musik spielt weiter, die Musiker improvisieren, der Takt wird notfalls mit dem Fu\u00df gestampft, die Rhythmusgitarre mitgesungen, es gibt kein Stoppen, kein Nothalt, genau wie damals auf der Titanic, als die Band auch weiterspielte, nicht aufh\u00f6rte, nur wegen so &#8217;nem bisschen Feuchtigkeit auf dem Boden.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Johnny schwankte, aber er stand, mit freundlicher Unterst\u00fctzung der modernen Pharmaindustrie. Das Publikum schrie und jubelte. Verz\u00fcckte Schreie, geifernde Hysterie, die ihm entgegenschwappte, ihn umtoste, bedingungslose Liebe, pure Zuneigung. Das war der Grund, warum er sich das immer noch antat. Sich wieder und wieder auf die B\u00fchne qu\u00e4lte, gefeiert von seinen Fans, respektiert von seinen Feinden, bewundert von seinen Musikern, die in diesem einen Moment ihre Feindseligkeiten vergessen konnten, f\u00fcr ihn, Johnny, den Bandleader, den Einen, den Auserw\u00e4hlten.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sein Puls raste, die Rippen knackten bedenklich, im Sch\u00e4del knirschte es, die Ger\u00e4usche schienen vertauscht zu sein, links und rechts, wie merkw\u00fcrdig, und tats\u00e4chlich hatten die Ohren wieder den Platz getauscht, die Ohrmuscheln zeigten nach vorn. Es klang, als k\u00e4men alle Ger\u00e4usche von hinten. Und das schwarze Flackern vor Augen war gar kein Flackern, sondern blinkende Scheinwerfer, die durch die verrutschte Gesichtshaut zu den Augen durchdrangen, aber es war egal, er musste nichts mehr sehen, das Repertoire konnte er auswendig spielen, mit verbundenen Augen. Nur mit dem Singen k\u00f6nnte es schwierig werden, denn auch der Mund war verrutscht und befand sich nun unterhalb des Kinns.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;In diesem Moment wurde Johnny klar, dass es zu Ende war. Er war verloren, erw\u00fcrgt von seiner eigenen Haut, vergiftet von der geheimen chinesischen Paste. Er h\u00e4tte sie doch nur sehr d\u00fcnn auftragen sollen, wie Andy ihm dringend geraten hatte.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schei\u00df drauf, Show must go on! Nur dieses eine Mal noch, bettelte er in Gedanken. Noch ein letztes Konzert. Mit schwindender Kraft zog er die Gitarre vom R\u00fccken nach vorn, ertastete blind den Ais-<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/results?search_query=powercord\">Powercord<\/a>, hob den Arm, presste das Plektrum fest zwischen Daumen und Zeigefinger und&nbsp;\u2026<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4423.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/sunlion.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/IMG4423-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1927\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nur wenige Stunden sp\u00e4ter berichteten die internationalen Nachrichten von einem Zwischenfall in dem kleinen Ort Schlimmersdorf, wo ein Musiker mit dem ersten Ton eines Rockkonzertes zerplatzt sein soll. Wackelige Handyaufnahmen zeigten einen Mann mit gruseliger Halloweenmaske, der auf seine Gitarre eindrosch und sich mit dumpfem Knall in einer fleischroten Wolke aufl\u00f6ste, weshalb das Publikum an einen Bombenanschlag glaubte und panisch kreischend aus dem Saal rannte. <br>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der f\u00fcr die amtlich vorgeschriebene Obduktion verantwortliche Pathologe Dr.&nbsp;Schneider beschrieb in seinem Bericht eine Mischung aus Explosion und Implosion, angeregt durch ein nicht mehr auffindbares, viel zu enges Korsett in Verbindung mit einer, durch einen kraftvollen Gitarrensound angeregten Frequenz, die zuf\u00e4llig der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cTswvXVPtvA\">Eigenresonanzfrequenz<\/a> des K\u00f6rpers des Musikers entsprach.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Vorfall machte Johnny unsterblich. Wenige Wochen sp\u00e4ter eroberte er das Guinness-Buch der Rekorde in der Rubrik \u201eSpektakul\u00e4rstes Ableben w\u00e4hrend einer B\u00fchnenshow\u201c. Auch sp\u00e4ter gelang es keinem anderen K\u00fcnstler, ihm diese Ehre wieder zu nehmen, auch wenn viele es verzweifelt versuchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hab was f\u00fcr Euch: Statt neuer B\u00fccher eine kleine Kurzgeschichte. 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