{"id":191,"date":"2016-07-31T07:45:00","date_gmt":"2016-07-31T05:45:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2016\/07\/31\/das-ende-der-welt-teil-4\/"},"modified":"2016-07-31T07:45:00","modified_gmt":"2016-07-31T05:45:00","slug":"das-ende-der-welt-teil-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2016\/07\/31\/das-ende-der-welt-teil-4\/","title":{"rendered":"Das Ende der Welt, Teil 4"},"content":{"rendered":"<p>Ich verstehe \u00fcberhaupt nicht, warum die EU-Bef\u00fcrworter etwas gegen geschlossene Grenzen haben, das \u00dcberschreiten von Grenzen macht doch Spa\u00df! Aller guten Dinge sind drei, noch besser sind jedoch f\u00fcnf, darum machen wir heute gleich mit dem Grenz\u00fcbergang zwischen der Ukraine und den von den Separatisten, auch bekannt unter der Bezeichnung \u201eFreiheitsk\u00e4mpfer\u201c, separierten\/befreiten Gebieten sowie den zwei folgenden \u00dcberg\u00e4ngen weiter: <\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">\u201eGuten Morgen, Papiere bitte!\u201c Werner reichte ihm die Dokumente. Der misstrauische Blick des Mannes irrte zwischen den unterschiedlichen Nationalit\u00e4ten von Reisepass, Zulassung und Fahrzeug umher, dann fragte er der Einfachheit halber doch lieber den Fahrer: \u201eSie kommen aus Deutschland? Aha. Aber Sie sind dort geboren? Und jetzt wohnen Sie in Paris? Und wieso fahren Sie ein russisches Fabrikat? Ach so, na das leuchtet mir ein! Und nun noch mal langsam, was genau wollen Sie da dr\u00fcben?\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner erz\u00e4hlte kurz seine n\u00e4chsten Ziele auf, lie\u00df aber die Wette und die Gewinnsumme, um die es ging, lieber weg. \u201eUnd mit dem Flugzeug w\u00e4r\u2018s nicht vielleicht etwas leichter gewesen? Ihre Sorgen m\u00f6chte ich haben!\u201c Er gab die Papiere zur\u00fcck. \u201eIch will Ihnen keine Vorschriften machen, aber ich w\u00fcrde dort nicht r\u00fcberfahren. Die sind alle verr\u00fcckt, verdammte Verr\u00e4ter. Wollen unser Land spalten!\u201c Dann lie\u00df er Werner passieren.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nach wenigen hundert Metern erreichte er die Stra\u00dfensperre der Gegenseite. Angesichts des bunten Blumenstrau\u00dfes an Welt\u00adm\u00e4nnischkeit, den Werner mit sich f\u00fchrte, entwickelte sich der Weg zur Erkenntnis, den der Posten durchlief, \u00e4hnlich wie bei seinem Kollegen zuvor. Der Versuch, auch das Wageninnere zu inspizieren, wurde pl\u00f6tzlich unterbrochen. Von Westen her wehte ein leiser, dumpfer Schlag her\u00fcber, der in einem schrillen Pfeifen m\u00fcndete. Die M\u00e4nner des Kontrollpostens fielen zu Boden, als h\u00e4tte man ihnen das Skelett geraubt. Dann gab es einen heiseren Knall in knapp dreihundert Metern Entfernung.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Granate verspr\u00fchte Dreck, Erde und Metall in die Umgebung. Werner sa\u00df auf seinem Sitz wie versteinert, selbst als ein paar Kl\u00fcmpchen auf seine Dachplane prasselten. Die M\u00e4nner sprangen auf, ein paar liefen zu dem hinter Sands\u00e4cken verborgenen Granatwerfer, hantierten kurz an den Einstellungen und erwiderten den unerwarteten Gru\u00df mit einem lauten Knall. Der Posten schrie Werner an: \u201eVerschwinden Sie hier, los jetzt!\u201c<\/p>\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Ortsschild, Shyrokyne. Kalter Rauch. Verkohlte Holz\u00adbalken, die sich aus Ruinen gen Himmel reckten. Der Brand\u00adgeruch wandelte sich zun\u00e4chst in leicht s\u00fc\u00dfliche, dann immer fauliger riechende Ausd\u00fcnstungen, die Werner die Luft zum Atmen raubten. Er hielt sich die Nase zu und versuchte, durch den Mund zu atmen, doch die Vorstellung, dass die widerw\u00e4rtigen Molek\u00fcle, die eben noch in dem gesteckt hatten, was diesen bestialischen Gestank erzeugte, nun in seinen K\u00f6rper eindrangen, verursachte heftige \u00dcbelkeit. Tr\u00e4nen liefen \u00fcber sein Gesicht, sein Magen rebellierte, er war kurz davor, sich zu \u00fcbergeben oder zu ersticken. Er dr\u00fcckte das Gaspedal durch, schnell weg hier! Ein Geh\u00f6ft zog vorbei, dahinter wurde die Luft schlagartig besser. Werner hielt am Stra\u00dfenrand, riss die T\u00fcren auf und sprang aus dem Fahrzeug.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Tief durchatmen! Langsam legte sich die \u00dcbelkeit. Er blickte zur\u00fcck zu dem Geh\u00f6ft und lief z\u00f6gern ein paar Schritte darauf zu. Der Wind blies entgegen seiner Fahrtrichtung und wehte den Gestank jetzt von ihm weg. Er n\u00e4herte sich vorsichtig, dann entdeckte er die Ursache: Aus einem bis auf die Grundmauern niedergebrannten Stall verbreitete das get\u00f6tete Vieh einen bestialischen Verwesungsgeruch. Wahrscheinlich schlug eine einzelne Granate durch das Dach, denn an einer Stelle waren die Tiere zerfetzt und zerrissen, ein paar Meter weiter einfach nur umgefallen und angesengt. Werner hatte die Luft angehalten, doch nun rang er erneut nach Atem, die \u00dcbelkeit kehrte zur\u00fcck. Er rannte zum Auto und machte, dass er wegkam.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die meisten H\u00e4user waren mit Einsch\u00fcssen \u00fcbers\u00e4t, D\u00e4cher und Fassaden durchl\u00f6chert. Das Dorf war menschenleer, nur auf den Tr\u00fcmmern einer \u00e4rmlichen, halb zerst\u00f6rten Holz\u00adh\u00fctte standen eine Handvoll alter Frauen und M\u00e4nner, im Schutt nach Habseligkeiten suchend. Als sich das Fahrzeug ihnen n\u00e4herte, schauten sie her\u00fcber. Im Vorbeirollen konnte Werner die leidgepr\u00fcften Z\u00fcge ihrer Gesichter sehen. Jedes einzelne traurige Erlebnis ihres irdischen Daseins hatte seine Spuren hinterlassen, wahrscheinlich war das nicht der erste Krieg, den sie erlebten.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie kommen auch ohne mich zurecht, beruhigte er sich. Dann stieg Scham in ihm auf, er sah sich in Paris auf der R\u00e9cami\u00e8re seiner Luxuswohnung liegen, die Sonnenstrahlen genie\u00dfend. Ich kann doch nicht die ganze Welt retten! Er bereute den Gedanken sofort. Hatte er nicht Renata reichlich beschenkt? Immerhin besa\u00df sie noch eine Wohnung! Diese Menschen hier hatten offensichtlich gar nichts mehr. Und wieso eigentlich gab er Renata soviel Geld? Zweitausend Euro, einfach so? Spiegelten sich darin nicht vielleicht doch irgendwelche insgeheim gehegten W\u00fcnsche und Hoffnungen ihr gegen\u00fcber? H\u00e4tten nicht 200\u00a0Euro auch gereicht?<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eVerdammt noch mal!\u201c Er hielt am Stra\u00dfenrand an, zog seinen rechten Stiefel aus, suchte 2000 Euro unter der Sohle hervor, zog sich wieder an, legte den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein und schoss die gut hundert Meter zur\u00fcck. Das auff\u00e4llige Fahrman\u00f6ver war nicht unbemerkt geblieben. Die Gruppe stand reglos da, in Erwartung des vermeintlichen Unheils, das nun wieder \u00fcber sie hereinbrechen sollte. Der fremde Mann, der da aus dem Milit\u00e4rjeep ausstieg, auf sie zuging, der \u00e4ltesten Frau viel Geld in die Hand dr\u00fcckte und wortlos wieder verschwand, entsprach jedoch so gar nicht ihren Bef\u00fcrchtungen, sodass sie sich zun\u00e4chst keinen Reim auf das Geschehen machen konnten und es nur stumm und ratlos ertrugen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Kurz hinter dem Ort musste Werner auf einen leeren Acker ausweichen, da mehrere Granattrichter die Stra\u00dfe unpassierbar gemacht hatten. So sieht also ein B\u00fcrgerkrieg aus, wenn man ihn mit eigenen Augen entdeckt, statt nur in den Nachrichten! Dann bog er wieder auf die Stra\u00dfe und erreichte bald den Grenz\u00fcbergang nach Kasachstan.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Vor ihm standen mehrere Lkws mit Sattelauflieger an der Abfertigung. Sieh mal an, hier ist Krieg, aber die Gesch\u00e4fte gehen trotzdem weiter. Hoch \u00fcber dem Grenzposten wehte die Flagge Russlands, der \u00f6stliche Fahnenmast war leer. Da haben die Separatisten ja nicht all zu viel Zeit verloren, mit der politischen Neuorientierung, urteilte Werner. Obwohl das ukrainische Kontrollh\u00e4uschen nicht besetzt war, dauerte es \u00fcber drei Stunden, bis er endlich an die Reihe kam. Der Posten lie\u00df sich die Papiere zeigen, stolperte bei deren Durchsicht aber \u00fcber dieselben Ungereimtheiten wie schon seine Kollegen zuvor. Nur diesmal bereichert durch ein winziges, aber \u00e4u\u00dferst schwer\u00adwiegendes Detail: \u201eUnd Ihr Visum?\u201c<\/div>\n<p>Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dp\/153281268X\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_mp2CxbEXQSCMM\">Erdenend \u2013 Das Ende der Welt &#8212;> <b>jetzt kaufen!<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verstehe \u00fcberhaupt nicht, warum die EU-Bef\u00fcrworter etwas gegen geschlossene Grenzen haben, das \u00dcberschreiten von Grenzen macht doch Spa\u00df! 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