{"id":192,"date":"2016-07-30T08:09:00","date_gmt":"2016-07-30T06:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2016\/07\/30\/das-ende-der-welt-teil-3\/"},"modified":"2016-07-30T08:09:00","modified_gmt":"2016-07-30T06:09:00","slug":"das-ende-der-welt-teil-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2016\/07\/30\/das-ende-der-welt-teil-3\/","title":{"rendered":"Das Ende der Welt, Teil 3"},"content":{"rendered":"<p>Heute nehmen wir die dritte Etappe in Angriff: Zum Abschied zwischen Werner und Renata kommt es fast noch zu einem Missverst\u00e4ndnis, das Werner jedoch schnell aufkl\u00e4ren kann. Er durchquert als n\u00e4chstes Rum\u00e4nien, ein Land von dem er keinerlei Vorstellungen hat, au\u00dfer seine \u00fcber die Jahre gewachsenen Vorurteile. Werner \u00fcbernachtet im Auto, wird von Bauarbeitern geweckt, muss einer Pensionswirtin erkl\u00e4ren, warum er nebenan im Auto \u00fcbernachtete und realisiert zum ersten Mal ganz bewusst, welche Auswirkungen das schmutzige Gesch\u00e4ft seines Vaters auf andere Menschen hat. Eine bittere Erkenntnis, die ihn einige Tage sp\u00e4ter noch einmal schmerzhaft \u00fcberw\u00e4ltigen wird und ihn mit seinen schlimmsten, lange verdr\u00e4ngten Kindheitserinnerungen konfrontiert. Ein moldawischer Grenzbeamter macht Werner wegen seines Autos Schwierigkeiten:<\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">Es war bereits dunkel, als Werner den Grenz\u00fcbergang erreichte. Der m\u00fcrrische Beamte wies den Personalausweis zur\u00fcck, was Werner zu hektischer Suche im Gep\u00e4ck veranlasste. Schlie\u00dflich fand er seinen Reisepass und reichte ihn hin\u00fcber. \u201eSie brauchen auch eine Vignette!\u201c Der Mann deutete auf eine Zollbaracke. Dann lie\u00df er Werner vorbei, nicht ohne hinterherschauend zu kontrollieren, ob der Besucher auch tats\u00e4chlich seine Anweisung befolgte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Zollbeamte studierte ausgiebig Reisepass, F\u00fchrerschein und die franz\u00f6sischen Zulassungspapiere des Fahrzeugs und machte einen unerfreuten Eindruck. \u201eDa passt ja \u00fcberhaupt nichts zusammen. Ich kann Ihren Name nicht auf der Zulassung finden.\u201c\u00a0\u2013 \u201eDer ist auch nicht auf mich zugelassen, er geh\u00f6rt einem Freund\u00a0\u2026\u201c, Werner legte sich den Namen \u201eJean\u201c auf der Zunge zurecht, als er auf dem amtlichen Papier mit dem Zeigefinger die entsprechende Spalte suchte. In\u00e8s Bertrand. Wer zum Teufel war In\u00e8s Bertrand? Jean hatte sich anscheinend nicht die M\u00fche gemacht, das Fahrzeug umzumelden, und nun stand ein v\u00f6llig fremder Namen in dem Dokument. \u201e\u2026\u00a0oder\u00a0\u2026 \u00e4h\u00a0\u2026 genauer gesagt, er geh\u00f6rt der Freundin eines Freundes.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner kam jetzt ziemlich ins Schleudern. Freundin eines Freundes? Noch unglaubw\u00fcrdiger ging es wohl kaum! Hitze\u00adwellen rollten aus der Magengegend hinauf bis in den Kopf und trieben ihm den Schwei\u00df auf die Stirn.<br \/>&nbsp;\u201eSie haben also keine Vollmacht f\u00fcr die Benutzung dieses Fahrzeugs?\u201c\u00a0\u2013 \u201eDoch, habe ich nat\u00fcrlich, nur\u00a0\u2026 halt nicht\u00a0\u2026 schriftlich\u201c, stotterte Werner. Der Beamte schob seinen massigen K\u00f6rper mit strengem Blick hinter dem Schalter hervor und ging nach drau\u00dfen, um das Fahrzeug in Augenschein zu nehmen. \u201eNa wenigstens stimmen die Nummernschilder\u201c, meckerte er herum. \u201eTrotzdem, woher soll ich wissen, ob die Karre wirklich Ihnen geh\u00f6rt?\u201c\u00a0\u2013 \u201eMir geh\u00f6rt sie ja nicht, das wissen wir doch schon.\u201c Werner hatte die Fassung wiedergefunden. \u201eJaja, sicherlich\u201c, eierte nun der Beamte herum, \u201eaber woher soll ich wissen, ob Sie das Auto nicht geklaut haben?\u201c\u00a0\u2013 \u201eWirklich? Das alte Ding? Der Wagen ist drei\u00dfig Jahre alt! Sehe ich aus, als w\u00fcrde ich Oldtimer sammeln?\u201c fragte Werner am\u00fcsiert.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der Beamte wurde nun sauer: \u201eSie wollen nicht wirklich wissen, was ich denke, wie Sie aussehen! Schluss jetzt, das Fahrzeug bleibt hier, besorgen Sie sich eine amtlich beglaubigte Vollmacht, dass Sie das Auto benutzen d\u00fcrfen.\u201c Er blickte Werner triumphierend in die Augen. Doch dem war das Ganze bereits v\u00f6llig egal. Er schaute noch einmal zu seinem dunkelgr\u00fcnen, treuen Begleiter hin\u00fcber, dann holte er seine Tasche aus dem Fond und erwiderte k\u00fchl: \u201eNa sch\u00f6n, dann bleibt es eben hier. Ich kann auch zu Fu\u00df weitergehen und mir ein neues Auto kaufen. Alles Gute!\u201c Er drehte sich um und schickte sich an, den Kontrollbereich zu verlassen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hinter seinem R\u00fccken hub pl\u00f6tzlich furchtbares Gezeter an: \u201eBleiben Sie gef\u00e4lligst hier, Sie Halunke, das fehlte noch, wo gibt\u2018s denn so was?\u201c Der Zollbeamte stand breitbeinig und mit erhobener Faust herumfuchtelnd neben dem Fahrzeug und schrie: \u201eDas h\u00e4tten Sie wohl gern, dass Sie Ihre Schrottkarre hier entsorgen d\u00fcrfen, was? Und wir m\u00fcssen uns dann darum k\u00fcmmern! Das k\u00f6nnen Sie vergessen!\u201c Schimpfend begab er sich wieder hinter seinen Schalter, fingerte eine Vignette aus seiner Mappe und rief: \u201eDas kostet Sie zehn Euro, her damit! Und jetzt verschwinden Sie!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Den Trick muss ich mir merken, notierte Werner sich ins Ged\u00e4chtnis. <\/div>\n<p> Doch so richtig haarig wird es f\u00fcr Werner erst am n\u00e4chsten Grenz\u00fcbergang zwischen Moldawien und der Ukraine. Da wird er n\u00e4mlich leider erschossen. Oder etwa doch nicht?<\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\"><b>Moldawien<\/b><\/p>\n<p> Hinter dem Grenz\u00fcbergang studierte Werner die Karte nach dem g\u00fcnstigsten Ziel f\u00fcr die Fortsetzung seiner Reise und entdeckte Odessa als ihm bekannten Namen. Er gab den Ort in die Navigation seines Handys ein und stellte erfreut fest, dass er noch vor Mitternacht dort sein k\u00f6nnte. Im Gegensatz zum Vorabend f\u00fchlte er sich heute frisch und, angestachelt durch die gl\u00fcckliche Wendung in der Zollbaracke, auch voller Tatendrang. \u00dcberm\u00fctig trat er das Gaspedal bis zum Boden durch, dennoch zuckelte der Motor eher gem\u00fctlich vorw\u00e4rts. Am Anschlag bei 120 blieb die Tachonadel stehen, man hatte zwar den Motor aufger\u00fcstet, die Instrumente hingegen beibehalten. Das obligatorische Hinweisschild auf die Verkehrsregeln des besuchten Landes kurz hinter dem Grenz\u00fcbergang bremste Werners \u00dcbermut gleich wieder aus, noch eine Konfrontation mit der Staatsmacht wollte er lieber vermeiden. Auch die Dunkelheit und die m\u00fcde vor sich hin glimmenden Scheinwerfer leisteten ihren Beitrag, sodass sich die Geschwindigkeit letztendlich bei unverd\u00e4chtigen 70 Kilometern pro Stunde einpendelte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Au\u00dferhalb des Wagens war es mittlerweile stockduster, nirgends auch nur ein einziges Licht zu erkennen. Die Landschaft schien sich wieder flach und weit auszudehnen, soweit das an den knapp zu erkennenden Feldr\u00e4ndern zu erraten war. Erst die kleinen D\u00f6rfer links und rechts der Stra\u00dfe brachten wieder etwas mehr Licht ins Dunkel, wenn auch nur durch die Zimmer\u00adbeleuchtung, welche behaglich durch die Fenster nach au\u00dfen schien. Die Stra\u00dfen selbst hatten keine Laternen, und so war es einerseits den im Scheinwerferlicht aufleuchtenden Augen, andererseits auch dem Gl\u00fcck zu verdanken, dass nichts unter die R\u00e4der kam. Denn die freilaufenden Hunde und Katzen in den Ortschaften waren meist schon von Weitem zu erkennen, der einsame Waschb\u00e4r jedoch, der Werners Weg kreuzte, verdankte sein Leben der einen Zehntelsekunde, die er schneller war als das Auto, denn Werner sah ihn erst im letzten Moment rechts am Vorderrad vorbeiflitzen, als es f\u00fcr jede Reaktion bereits zu sp\u00e4t war.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Mit Tiraspol erreichte Werner die erste gr\u00f6\u00dfere Stadt, von geringer Ausdehnung zwar, daf\u00fcr aber mit den gro\u00dfen und repr\u00e4sentativen Geb\u00e4uden, die eine Stadt ausmachen und die sehr an sowjetische Zeiten erinnerten, zumindest was Baustil und kyrillische Aufschriften anging. Bis Odessa war der Weg jedoch nicht mehr weit, darum verzichtete Werner auf eine genauere Inspektion und lie\u00df die Stadt hinter sich.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Grenze sollte jeden Augenblick in Sichtweite kommen, er starrte angestrengt durch die Frontscheibe, dann endlich tauchte im Scheinwerferkegel ein sp\u00e4rlich beleuchteter Platz mit zwei winzigen Bretterbuden auf. Daneben standen M\u00e4nner in verschiedenfarbigen Uniformen. Werner rollte langsam heran.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es waren moldawische und ukrainische Grenzbeamte, die sich lachend unterhielten und miteinander diskutierten. Den n\u00e4chtlichen Besucher in milit\u00e4rischem Dunkelgr\u00fcn beachteten sie gar nicht. Werner hielt ein paar Sekunden an, erwartungsvoll zu den Beamten hin\u00fcberblickend, dann ging er davon aus, damit der H\u00f6flichkeit hinreichend Gen\u00fcge getan zu haben und fuhr langsam davon.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Grenzbeamten schauten erstaunt und ungl\u00e4ubig dem fliehenden Milit\u00e4rfahrzeug hinterher. Angesichts von soviel kaltschn\u00e4uziger Frechheit und Mangel an Respekt musste ein Exempel statuiert werden, damit durfte er nicht durchkommen! Sie griffen nach ihren bereitstehenden Maschinenpistolen und jagten den Inhalt ihrer Magazine dem in der Ferne verschwindenden Fahrzeug hinterher. Wie Laserstrahlen durchschnitt die Leuchtspurmunition die Nacht und suchte sich ihr Ziel. Die ersten Geschosse platterten in die blech\u00aderne R\u00fcckwandklappe des Fahrzeugs, direkt \u00fcber der Sto\u00dfstange. Die Sch\u00fctzen hatten ihre Gewehre anscheinend noch nicht richtig ausgerichtet. Die n\u00e4chste Salve durchdrang m\u00fchelos die Dach\u00adplane, zers\u00e4gte Scheiben und Rahmen zu rasiermesserscharfen Splittern, welche derart beschleunigt den Innenraum in eine grauenhaft t\u00f6dliche Falle verwandelten. Weitere Geschosse durchschlugen die R\u00fcckbank und zerfetzten die Vordersitze, lie\u00dfen Knochen zersplittern und Gef\u00e4\u00dfe zerrei\u00dfen. Blutfont\u00e4nen spritzten pulsierend meterweit aus dem geschundenen, durchl\u00f6cherten K\u00f6rper. Werner sp\u00fcrte, wie sich sein von Schrapnellen perforierter Sch\u00e4del in Str\u00f6men von Blut allm\u00e4hlich vom Rumpf trennte und noch im Fallen begriffen von nachfolgenden Projektilen zerschmettert und zerst\u00e4ubt wurde, w\u00e4hrend seine Gedanken und Erinnerungen in den unterschiedlichen Gehirn\u00adarealen voneinander Abschied nahmen, als kleine graue Klumpen umherflogen und der Redewendung ,total zerstreut sein\u2018 eine ganz neue Bedeutung verliehen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eIch sollte weniger Horrorfilme gucken, das ist ja gruselig\u201c, raunte Werner grimmig und setzte seinen Weg ungehindert fort. <\/div>\n<p>Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dp\/153281268X\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_mp2CxbEXQSCMM\">Erdenend \u2013 Das Ende der Welt &#8212;> <b>jetzt kaufen!<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute nehmen wir die dritte Etappe in Angriff: Zum Abschied zwischen Werner und Renata kommt es fast noch zu einem Missverst\u00e4ndnis, das Werner jedoch schnell&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-192","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=192"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/192\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=192"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=192"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=192"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}