{"id":193,"date":"2016-07-29T08:33:00","date_gmt":"2016-07-29T06:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2016\/07\/29\/das-ende-der-welt-teil-2\/"},"modified":"2016-07-29T08:33:00","modified_gmt":"2016-07-29T06:33:00","slug":"das-ende-der-welt-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2016\/07\/29\/das-ende-der-welt-teil-2\/","title":{"rendered":"Das Ende der Welt, Teil 2"},"content":{"rendered":"<p>Und weiter geht&#8217;s: Werner \u00fcbernachtet in Z\u00fcrich und hat am n\u00e4chsten Morgen eine interessante Diskussion mit einer deutschen Landsm\u00e4nnin, die aufgrund der repressiven Arbeitslosenpolitik Deutschland verlassen hat und nun gl\u00fccklich in der Schweiz lebt. In \u00d6sterreich trifft er in einem Restaurant einen alten Mann, der wehm\u00fctig auf alte Zeiten zur\u00fcckblickt, \u00fcber den Verfall der Gesellschaft sinniert und die immer mehr um sich greifende Dummheit anprangert. <br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schlie\u00dflich erreicht er Budapest, wo er Renata, eine scheue junge Frau kennenlernt:<\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">Gro\u00dfstadt, vertrautes Terrain. Von der Alkot\u00e1s utca schl\u00e4ngelte sich Werner rechts ab durch die kleinen, engen Stra\u00dfen von Budapest. In der N\u00e4he eines Kreisverkehrs stellte er sein Auto ab und folgte dem Duft nach Weite und Wasser zu Fu\u00df. Erst in der Mitte der Kettenbr\u00fccke hielt er inne und erg\u00f6tzte sich am Anblick des majest\u00e4tischen Stroms unter seinen F\u00fc\u00dfen. Die Donau durchschnitt nicht die Stadt, vielmehr verband sie die ehemals getrennten Orte Buda und Pest zu einem gro\u00dfen gemeinsamen Zuhause unterschiedlicher Kulturen. Der Blick reichte in beide Richtungen den Fluss entlang bis zum Horizont, \u00f6stlich streifte er \u00fcber die Altstadt hinweg. Nur im Westen wurde die freie Sicht durch den Burgberg eingeschr\u00e4nkt.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Gl\u00fccklich und befreit sah Werner sich um. Das war eine Stadt ganz nach seinem Geschmack. Er brauchte die Weite zum Gl\u00fccklichsein, dicht zusammenstehende Geb\u00e4ude, enge Gassen und winzige T\u00e4ler inmitten hoher Berge empfand er als bedr\u00fcckend. Doch hier lie\u00df es sich leben.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werners ausgelassene Stimmung war ihr nicht verborgen geblieben. Die junge Frau stand ein wenig abseits, beobachtete ihn unauff\u00e4llig und versuchte ihn einzusch\u00e4tzen. Unschl\u00fcssig und z\u00f6gernd n\u00e4herte sie sich. \u201eSzia! Sie sind wohl nicht von hier?\u201c Selbst erschrocken \u00fcber ihre eigene Forschheit machte sie sogleich wieder zwei Schritte zur\u00fcck. \u201eIch komme aus Wien. Das hei\u00dft, eigentlich komme ich aus Paris.\u201c\u00a0\u2013 \u201eGanz allein, ohne Familie? Oder Freunde?\u201c Sie hatte sich wieder einen Schritt nach vorn gewagt. \u201eMeine Freunde\u00a0\u2026 tja\u00a0\u2026\u201c In Gedanken sah er B\u00e9atrice vor sich, wie sie zusammengesunken Jeans Standpauke \u00fcber sich ergehen lie\u00df. \u201eNein, ich bin allein hier.\u201c\u00a0\u2013 \u201eWollen Sie l\u00e4nger bleiben?\u201c\u00a0\u2013 \u201eVermutlich nicht, vielleicht zwei Tage, eher nur einen.\u201c Sie schaute nun ebenfalls auf den Fluss. Dann fand sie, es sei vielleicht angebracht, sich erst einmal vorzustellen. \u201eIch hei\u00dfe Renata.\u201c Sie streckte Werner die Hand entgegen, ihr Griff war leicht und scheu. So schnell wie die Hand erschien, verschwand sie auch wieder. \u201eUnd ich bin Werner.\u201c\u00a0\u2013 \u201eDas ist ein deutscher Name, nicht wahr? Was machen Sie in Frankreich?\u201c Werner z\u00f6gerte, sie war eine Fremde. Warum f\u00fchrten sie diese Unterhaltung? Sie wollte irgend\u00adetwas Bestimmtes, das konnte sie trotz ihrer Zur\u00fcckhaltung nicht verbergen. Der unstete Blick, die nerv\u00f6se Gestik\u00a0\u2026<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner versorgte sie mit ein paar Einzelheiten. \u201eWegen der Liebe sind Sie dort geblieben?\u201c Sie schien erleichtert. \u201eHaben Sie schon ein Hotel? Ich habe in meiner Wohnung ein freies Zimmer. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich\u00a0\u2026 bin arbeitslos und bekomme schon lange kein Arbeitslosengeld mehr. Nur ein wenig Sozialhilfe, und die reicht leider nicht weit. Hotels sind auch viel teurer\u201c, jetzt hatte ihre Stimme fast einen flehenden Unterton, \u201eSie m\u00fcssen mir nicht viel bezahlen, helfen Sie mir nur ein wenig, zu \u00fcberleben. Bitte!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner musterte die Frau von oben bis unten, er war misstrauisch. Sie war etwas kleiner als er, hatte langes, lockiges, dunkles Haar, braune Augen und war anst\u00e4ndig gekleidet. Sie wirkte ehrlich und seri\u00f6s, daher fragte er: \u201eWo wohnen Sie denn?\u201c\u00a0\u2013 \u201eNicht weit von hier, in der Zichy Jen\u0151 utca, nahe dem Oktogon. Haben Sie ein Auto? Das k\u00f6nnen Sie gegen\u00fcber auf einem bewachten Parkplatz abstellen.\u201c Werner l\u00e4chelte. \u201eIch glaube, das klaut keiner.\u201c Als sie es sah, verstand sie.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Zichy Jen\u0151 utca war eng und dunkel, die meisten H\u00e4user alt und unsaniert. In einer kleinen L\u00fccke zwischen zwei Geb\u00e4uden standen auf erdigem Untergrund eine kleine Baracke und mehrere Fahrzeuge der mittleren und gehobenen Preisklasse. \u201eHier k\u00f6nnen Sie es abstellen, die Baracke ist immer besetzt, die passen auf. Haben Sie Forint? Nein? Dann geben Sie ihnen zwei Euro, das reicht f\u00fcr vierundzwanzig Stunden.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Der junge Mann in der Baracke sah aus wie ein S\u00fcdost\u00adeurop\u00e4er, vielleicht rum\u00e4nischer Abstammung, hatte schmutzige H\u00e4nde und machte auch sonst keinen vertrauensw\u00fcrdigen Eindruck. Doch er l\u00e4ch\u00adelte h\u00f6flich, freute sich \u00fcber die f\u00fcnf Euro und rief Werner hinter\u00adher: \u201eAlles okay, kein Problem, kein Problem!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner folgte Renata in das gegen\u00fcberliegende Geb\u00e4ude, das ebenso alt war, wie die umliegenden H\u00e4user, wenngleich der aufwendige Stuck und der Putz nicht ganz so schwer in Mit\u00adleidenschaft gezogen waren. Sie durchquerten das Vorderhaus und gelangten in einen kleinen Hof, dessen wei\u00dfe W\u00e4nde so fr\u00fch am Nachmittag trotz der tiefstehenden Herbstsonne noch hell erleuchtet waren. Die Aufg\u00e4nge von Vorder- und Hinterhaus wurden durch Lauben\u00adg\u00e4nge auf den einzelnen Etagen miteinander verbunden. Und die alten Treppenh\u00e4user mit ihren schmiede\u00adeisernen Gel\u00e4ndern n\u00f6tigten den Besuchern mit ihrer altehrw\u00fcrdigen Bauweise und der trotz Renovierung nicht zu \u00fcbersehenden Patina aus unz\u00e4hligen Jahrzehnten Respekt ab. Wie viele Menschen m\u00f6gen diese Stufen bereits erklommen haben? Welch spannende Schicksale verbargen sich hinter jeder Spalte des rissigen Holzes, hinter jeder Kerbe an den W\u00e4nden? In der vierten Etage wies Renata auf eine T\u00fcr und \u00f6ffnete sie.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein langer Flur mit niedrigen W\u00e4nden. Dahinter das Wohnzimmer, die W\u00e4nde deutlich h\u00f6her, sanfte, warme Farben \u00fcber einem dunklen, gl\u00e4nzenden Parkett in Fischgr\u00e4tmuster. Die alten, leichten M\u00f6bel stammten dem Anschein nach vom Flohmarkt, doch sie waren mit Geschmack und Feingef\u00fchl stilsicher aufeinander abgestimmt.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Renata l\u00e4chelte verlegen, so als wollte sie sich f\u00fcr das keinem Hotel\u00adstandard gen\u00fcgende Ambiente entschuldigen. Aber Werner gefiel es. Es war gem\u00fctlich und ruhig, nur das Zwitschern der V\u00f6gel auf den D\u00e4chern drang durch das ge\u00f6ffnete Fenster und erf\u00fcllte den Raum. Er nickte ihr l\u00e4chelnd zu: \u201eOkay, wie viel wollen Sie daf\u00fcr?\u201c\u00a0\u2013 \u201eW\u00e4ren 2000 Forint angemessen? Das sind etwa sechs Euro.\u201c Werner lachte: \u201eDie sollen Sie haben!\u201c\u00a0\u2013 \u201eSehr gut!\u201c Erfreut \u00f6ffnete sie eine weitere T\u00fcr und wies mit der Hand hinein: \u201eHier ist Ihr Schlaf\u00adzimmer. Und dort k\u00f6nnen Sie Ihre Sachen hinein\u00adlegen.\u201c Sie klappte die T\u00fcren eines alten Bauernschrankes auf. Das dunkle Holz passte zu den restlichen M\u00f6beln im Wohnzimmer. Das Bett war recht schmal und offensichtlich nur f\u00fcr eine Person gedacht. \u201eTut mir leid, die M\u00f6bel sind nicht der letzte Schrei, ich wei\u00df. Sie stammen noch von meinen Gro\u00dfeltern.\u201c Sieh mal an, also nicht vom Flohmarkt! Doch schon unterbrach Renata seine Gedanken: \u201eUnsere ganze Familie hat zusammen auf dem Land gelebt. Daher waren meine Gro\u00dfeltern auch wichtige Bezugspersonen f\u00fcr mich. Sie haben mich mit aufgezogen und mir alles beigebracht. Ich kann sehr gut kochen! Haben Sie schon was gegessen?\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie h\u00e4tte das lieber nicht ansprechen sollen, denn sofort wurde sich Werner seines knurrenden Magens bewusst. \u201eAlso jetzt wo Sie\u2018s sagen\u00a0\u2013 nein, und ich habe m\u00e4chtig Hunger!\u201c Sie lachte. \u201eSehen Sie, man muss auch was essen, ich koche uns etwas, einverstanden? Es dauert auch gar nicht lange. Unten gibt es ein gutes Lebensmittel\u00adgesch\u00e4ft, ich bin gleich wieder hier!\u201c Kaum ausgesprochen, huschte sie schon den Laubengang vor dem Hoffenster entlang. Werner nutzte ihre Abwesenheit und schaute sich interessiert um. Die Wohnung war eigenartig geschnitten, vom Wohn\u00adzimmer f\u00fchrte noch eine Treppe nach oben zu einem weiteren Raum, der wohl der Grund war f\u00fcr den niedrigen Flur. Die T\u00fcr am Ende der Treppe hatte ein kleines Milchglasfenster, \u00fcbers\u00e4t mit einem Muster aus Sternen, durch die man hindurchschauen konnte. Werner wollte die T\u00fcr nicht \u00f6ffnen, doch die Neugier lie\u00df ihn durch einen der Sterne blinzeln. Der Raum war klein und karg, nur ein altes Armeefeldbett mit Nachtschrank, darauf ein paar gerahmte Schwarzwei\u00dffotos.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner stieg die Treppe wieder hinab. Vom Wohnzimmer gingen noch zwei weitere T\u00fcren ab, die eine f\u00fchrte in ein spartanisch eingerichtetes Badezimmer, hinter der anderen verbarg sich ein winziger Raum mit Toilette. Im Gegensatz zum Badezimmer gab es hier sogar ein Fenster mit einer vor fremden Blicken sch\u00fctzenden Gardine. Werner \u00f6ffnete das Fenster und traute seinen Augen nicht. Er blickte in einen weniger als zwei mal zwei Meter umfassenden Lichtschacht, der vom Dach des Hauses bis zum Boden reichte. \u201eSo was hab ich ja noch nie gesehen\u201c, entfuhr es ihm unwillk\u00fcrlich.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sein Handy klingelte. \u201eW\u00e9rn\u00e9r, wie geht\u2018s dir? Wo bist du? Tats\u00e4chlich? So weit schon? Da hast du dir ja nicht viel Zeit gelassen! Und ich habe eine kleine Nebenwette mit Julian verloren, der meinte, du kennst Z\u00fcrich schon und w\u00fcrdest dort nicht l\u00e4nger bleiben. Ich dachte eher, du w\u00fcrdest dort ein paar Tage rasten, eben weil du es schon kennst. Na gut, 5000 Euro weniger, was soll\u2018s. Budapest also. In welchem Hotel wohnst du denn? Chic und edel? Im Four Seasons vielleicht? Ach nein\u00a0\u2026 privat? Echt? Sie hat dich angesprochen? Aaach\u00a0\u2026 du Aufrei\u00dfer! Und, wirst du sie\u00a0\u2026? Okay-okay, entschuldige. Sophie? Nein, hat sich nicht\u00a0\u2026, nein, sie war auch nicht hier. Okay, meld\u2018 dich mal, bis bald! Pass auf dich auf! Salut!\u201c Jean legte auf.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner war ungehalten. Was denkt der sich eigentlich? Dass ich hemmungslos alles vernasche, was mir \u00fcber den Weg hoppelt? Er sch\u00fcttelte den Kopf.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Drau\u00dfen war die T\u00fcr zu h\u00f6ren, Renata kam zur\u00fcck. \u201eHier, ganz frische Zutaten. Ich mache P\u00f6rk\u00f6lt. Dauert normalerweise etwas l\u00e4nger, aber meine Nagymama hat mir ein paar Tricks gezeigt. Die werden allerdings nicht verraten!\u201c Sie lachte fr\u00f6hlich, zog am Ende des Wohnzimmers einen unscheinbaren Vorhang beiseite, hinter dem sich eine einfache, kleine K\u00fcche verbarg und begann sogleich mit der Zubereitung. Dabei offenbarte sie ein beeindruckendes Geschick, und tats\u00e4chlich\u00a0\u2013 nach gut einer Stunde stand das Essen auf dem Tisch.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eMhmm\u00a0\u2026 k\u00f6stlich!\u201c Renata beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, mit einem schelmischen Zug um den Mund. Das Gulasch war tomatig-w\u00fcrzig und, wie Werner erst nach ein paar Bissen feststellte, h\u00f6llisch scharf. Erst machte er ein \u00fcberraschtes Gesicht, dann schnappte er nach Luft, mit Tr\u00e4nen in den Augen. Jetzt lachte Renata lauthals auf und klatschte sich auf die Oberschenkel. \u201eTut mir leid, vielleicht h\u00e4tte ich Sie warnen sollen! Sie m\u00fcssten sich jetzt mal sehen.\u201c Nun hatte auch sie Tr\u00e4nen in den Augen, allerdings vor Lachen. \u201eEine\u00a0\u2026 Warnung\u201c, japste Werner, \u201ew\u00e4re\u00a0\u2026 nicht\u00a0\u2026 schlecht\u00a0\u2026 gewesen.\u201c Sie stand auf, holte ihm ein Glas Milch und etwas Brot. \u201eNehmen Sie das dazu, das beruhigt die Geschmacks\u00adnerven.\u201c Tats\u00e4chlich lie\u00df die Sch\u00e4rfe etwas nach, und als Werner sich wieder gefangen hatte, konnte auch er wieder lachen. \u201eSie wollten mich wohl vergiften?\u201c scherzte er.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Renata nahm nur kleine Bissen, vermischt mit etwas Brot und hatte anscheinend keine Probleme. \u201eMeine Nagymama hat immer gesagt, scharf ist gut, das t\u00f6tet die Bakterien. Das sei sehr wichtig, wenn man kein sauberes Trinkwasser hat. In Indien beispiels\u00adweise wird sehr scharf gegessen. Sogar sch\u00e4rfer als ich es vertrage!\u201c Sie grinste und erz\u00e4hlte: \u201eIch wurde mal in ein indisches Restaurant hier in der N\u00e4he eingeladen. Dort gab es einen kleinen Extratisch mit einem Schildchen und der Aufschrift ,spicy\u2018. Das sollte man besser ernst nehmen, denn wenn Inder ,spicy\u2018 schreiben, dann meinen die das auch so!\u201c Sie lachte wieder.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner hatte sich tapfer durch das Essen gek\u00e4mpft und trank den Rest seines Milchglases leer. Auch von dem Brot lie\u00df er nichts \u00fcbrig. Es war weich und aromatisch, ein echtes B\u00e4ckerbrot, nicht so ein geschmackloses St\u00fcck Pappe vom Flie\u00dfband.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201ePuh, ich glaube, ich brauche jetzt erst mal etwas frische Luft!\u201c\u00a0\u2013 \u201eWaren Sie schon mal in Budapest? Nein? Wie w\u00e4r\u2018s mit einem kleinen Stadtbummel? Ich zeige Ihnen alles, was Sie kennen sollten. Kommen Sie!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Menschen, die auf dem Land aufwachsen, haben oft eine besonders ausgepr\u00e4gte innere Energie, die vermutlich daraus resultiert, dass in kleineren Ortschaften nicht viel los ist und der aufgestaute Taten\u00addrang kein Ziel findet, an dem er sich abarbeiten kann. Manche ertr\u00e4nken diese Energie im Alkohol, andere entfliehen der provinziellen Eingeengtheit und suchen ihr Gl\u00fcck in der Stadt. Diese Neuank\u00f6mmlinge sind dann entweder mit all dem Chaos und den vielen Ereignissen, die in einer Stadt gleichzeitig passieren, v\u00f6llig \u00fcberfordert und resignieren, oder sie lernen, sich genauso wie St\u00e4dter auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren und alles Nebens\u00e4chliche auszublenden. Derart fokussiert, entdecken sie gelegentlich zwischen all den tausend M\u00f6glichkeiten die eine, bisher unerforschte Chance und erschaffen daraus mit ihrer Kreativit\u00e4t unbekanntes, spannendes Neuland.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Renatas Energie war ansteckend, und Werner lie\u00df sich gern mitrei\u00dfen. Ihre anf\u00e4ngliche Scheu war lebenslustigem Tatendrang gewichen und riss sie beide hinaus in den Trubel der Stadt. Mit dem Taxi hatten sie die wichtigsten Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt schnell abgehakt, Burgviertel, Fischerbastei, Parlament und Markthalle waren innerhalb von drei Stunden hinreichend untersucht. Weder Renata noch Werner geh\u00f6rten zu dem Menschen\u00adschlag, der stundenlang vor einem Kunstwerk meditierte. Deshalb landeten sie schnell vor dem Gerbeaud, einem bei Einheimischen und Touristen gleicherma\u00dfen beliebten Caf\u00e9. Sehen und gesehen werden! Renata zeigte mit jammervollem Blick auf die Preisliste, aber Werner zerstreute ihre Bef\u00fcrchtungen: \u201eSchon gut, ich \u00fcbernehm das.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Odyssee endete schlie\u00dflich im Stadtpark, als die Sonne hinter dem Horizont verschwunden war und ihr verbliebener Schein mit \u00fcberw\u00e4ltigender Sch\u00f6nheit die Blicke aller Gestrandeten auf sich zog. \u00dcber ihnen erhob sich ein gigantischer See aus rosa\u00adfarbenem Licht mit einer kleinen Wolkeninsel mittendrin. Die winzigen Menschenwesen an seinem Ufer staunten in Ehrfurcht und lauschten der Musik. Wenige Meter von ihrem Platz auf der Wiese entfernt spielte eine junge Combo alte Volksweisen mit romantischem, weh\u00adm\u00fctigem Timbre. Um sie herum versammelten sich Zuh\u00f6rer unterschiedlichen Alters, zwei Gaukler warfen sich Jonglierb\u00e4lle zu und versuchten, ein paar Neugierigen ihre Tricks beizubringen, w\u00e4hrend sich zwei Schachspieler bem\u00fchten, ihre Tricks voreinander zu verbergen. Mit dem schwindenden Licht kehrte auch die K\u00fchle des Herbstes zur\u00fcck. <\/div>\n<p>Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n<p> <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dp\/153281268X\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_mp2CxbEXQSCMM\">Erdenend \u2013 Das Ende der Welt &#8212;> <b>jetzt kaufen!<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und weiter geht&#8217;s: Werner \u00fcbernachtet in Z\u00fcrich und hat am n\u00e4chsten Morgen eine interessante Diskussion mit einer deutschen Landsm\u00e4nnin, die aufgrund der repressiven Arbeitslosenpolitik Deutschland&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-193","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/193","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=193"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/193\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=193"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=193"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=193"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}