{"id":194,"date":"2016-07-28T09:12:00","date_gmt":"2016-07-28T07:12:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2016\/07\/28\/das-ende-der-welt-teil-1\/"},"modified":"2016-07-28T09:12:00","modified_gmt":"2016-07-28T07:12:00","slug":"das-ende-der-welt-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2016\/07\/28\/das-ende-der-welt-teil-1\/","title":{"rendered":"Das Ende der Welt, Teil 1"},"content":{"rendered":"<p>Nun isses also endlich soweit \u2013 mein Buch kann auch in gedruckter Form k\u00e4uflich erworben werden. Ich wei\u00df, ich wei\u00df \u2026 das habe ich auch schon <a href=\"http:\/\/sunlions-sonnenseiten.blogspot.de\/2016\/06\/jetzt-geht-die-welt-schon-zum-zweiten.html\">vor einem Monat behauptet<\/a>, und eigentlich stimmte das auch, denn es war ja schon zwei Tage online erh\u00e4ltlich. Aber dann verlangte ich von Amazon eine Korrektur des fehlerhaften Ver\u00f6ffentlichungstermins, und irgendwie haben die das falsch verstanden und verschoben den Termin auf heute. Macht aber nix, Time is Monkey! Und au\u00dferdem haben jetzt viele Leute Urlaub und langweilen sich, was gibt es da also besseres, als ein Buch zu lesen?<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zum Anf\u00fcttern und damit Ihr wisst, was Euch erwartet, werde ich diese Woche hier jeden Tag eine kleine Lesung durchf\u00fchren und Teile meines Buches vorstellen. Wir beginnen mit Ausz\u00fcgen aus dem zweiten Abschnitt \u201eFrankreich\u201c.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner, der dank seines Vaters wohlhabende Hauptdarsteller meines Romans, ist wegen seiner Freundin Sophie frustriert und verl\u00e4sst die gemeinsame Wohnung, um seine reichen Freunde in einem Pariser Club zu treffen. Dort angekommen wird er f\u00fcr einen Moment alleingelassen, als einige der Mitglieder unten vor dem Haus die neueste Errungenschaft des Clubbesitzers bestaunen \u2013 einen italienischen Stra\u00dfenflitzer. Werner nutzt diesen Umstand hemmungslos aus, um ein wenig in der Wohnung herumzust\u00f6bern. In einem alten Sekret\u00e4r findet er ein Geheimfach und st\u00f6\u00dft darin auf ein paar interessante Familien&shy;geheimnisse. Fast wird er dabei von Jean, dem Clubbesitzer und Wohnungseigent\u00fcmer \u00fcberrascht:<\/p>\n<p> <img decoding=\"async\" border=\"0\" src=\"https:\/\/4.bp.blogspot.com\/-1ljNvifv-cs\/V5m3dm0cI5I\/AAAAAAAAByw\/q1wVCxPmsG82Pqj6233OjkdLGqPx5dxDwCLcB\/s560\/IMAG0149.jpg\" width=\"560\" \/><\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">An der Wohnungst\u00fcr suchte ein Schl\u00fcssel nach dem Schloss. Er kratzte \u00fcber das Metall, w\u00e4hrend Werner in den Salon zur\u00fcckhastete, das Buch in den geheimen Kasten warf und ihn mit einem heftigen Sto\u00df zur\u00fcckschob. Dummerweise versagte sein Schlie\u00df\u00admechanismus, als drau\u00dfen der Schl\u00fcssel bereits ins Schloss fuhr und die Sperrstifte einer nach dem anderen in die ihnen zugedachten Z\u00e4hne einrasteten. Nur eine kurze Drehung des Zylinders trennte Werner noch vor Entdeckung, erst im letzten Moment, zusammen mit dem Ger\u00e4usch der sich \u00f6ffnenden T\u00fcr, rastete der geheime Kasten nach einem heftigen Schlag mit dem Handballen auf die Vorderseite ein.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eW\u00e9rn\u00e9r!\u201c Jeans breites Grinsen wich einem Ausdruck des Er\u00adstaunens. \u201eWarum sitzt du denn so verkrampft auf dem bl\u00f6den Holzstuhl? Die Sessel sind doch viel bequemer!\u201c Werner hatte es geradeso noch geschafft, den Arm l\u00e4ssig auf die Schreibplatte zu lehnen und die Beine \u00fcbereinanderzuschlagen, aber es sah eher aus, als h\u00e4tte er schmerzhafte R\u00fcckenprobleme. Folgsam stand er auf und nahm wieder im Sessel Platz.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Auch \u00c9laine und Michel betraten den Salon. \u201eDas h\u00e4ttest du sehen sollen\u00a0\u2026\u201c Michel war sichtlich begeistert. \u201eJa eben, warum warst du nicht mit unten? Ich bin ein wenig verstimmt!\u201c Jean zog ein beleidigtes Gesicht. Die Wortwahl und der ironische Unter\u00adton verdeutlichten jedoch den wenig ernsthaften Charakter seiner Beschwerde.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eIch mag diese protzigen Angeberkarren nicht\u201c rechtfertigte sich Werner k\u00fchl. \u201eUnd \u00fcberhaupt, du als Franzose\u00a0\u2026\u201c, mit einem Mal hatte Werner wieder das heikle Foto vor Augen. Es warf ihn f\u00fcr eine Sekunde aus der Bahn, sodass er ins Stottern geriet, \u201e\u2026 \u00e4h\u00a0\u2026 du\u00a0\u2026 m\u00fcsstest\u00a0\u2026\u201c Dann begann er den Satz noch mal von vorn: \u201eM\u00fcsstest du nicht etwas Franz\u00f6sisches fahren? Du wei\u00dft schon, wegen der Arbeitspl\u00e4tze und so?\u201c\u00a0\u2013 \u201eIch w\u00fcrde auch etwas Guatemaltekisches fahren, wenn die so geile Autos bauen w\u00fcrden.\u201c Jean grinste breit. Er hegte keinerlei patriotische Gef\u00fchle, wenn es um den Fortbestand der Nation ging. Sehr verd\u00e4chtig, dachte sich Werner. \u201eUnd wie steht\u2018s mit deutschen Autos?\u201c fragte er hinterlistig. \u201eAber gern! Ich kauf dir deinen Golf ab f\u00fcr\u00a0\u2026\u201c Er sah sich zu Michel um. \u201eWas meinst du, wie viel ist der wert?\u201c\u00a0\u2013 \u201eEinen Euro\u201c, antwortete der s\u00fcffisant. \u201eN\u00fcscht\u201c, giftete \u00c9laine und verschwand Richtung K\u00fcche. \u201eWie kommst du gerade auf Guatemala?\u201c, wunderte sich Werner. \u201eEs gab mal eine Phase\u201c, begann Jean, \u201eda war mir langweilig. Wenn du nicht arbeitest und den ganzen Tag herumh\u00e4ngst, kommst du schnell auf dumme Ideen. Manche fangen dann an zu kiffen oder zu saufen. Ich wollte lieber eine Weltreise machen. Den Altert\u00fcmern folgen\u00a0\u2013 \u00c4gypten, die Pyramiden. Und China, die Gro\u00dfe Mauer. In Lateinamerika gab es uralte St\u00e4dte, von denen man noch immer nicht genau wei\u00df, wer sie einst erbaut hat. Das finde ich total spannend! Ich habe Hancock gelesen, ,Die Spur der G\u00f6tter\u2018. Wenn nur die H\u00e4lfte von dem stimmt, was er schreibt, dann stammen wir von\u00a0\u2026\u201c, er rang nach Worten, \u201enun ja\u00a0\u2026 nicht unbedingt von Au\u00dfer\u00adirdischen ab. Aber dann ist das, was die uns in der Schule beigebracht haben, alles totaler Quatsch. Ich wollte mir das einfach mal mit eigenen Augen anschauen.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michel grunzte herablassend: \u201eHab ich auch gelesen, in meinen Augen alles nur Verschw\u00f6rungstheorien. Absoluter Unsinn!\u201c Jean blieb gelassen: \u201eNur weil es eine Verschw\u00f6rungstheorie ist, muss es nicht gleichzeitig auch Unsinn sein. Es bedeutet nur, dass es eine Theorie gibt, die auf eine Verschw\u00f6rung hindeutet, nicht, dass sie falsch ist.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michel lenkte vers\u00f6hnlich ein: \u201eNa gut, okay! Du interessierst dich also f\u00fcr Geschichte? Das wusste ich ja noch gar nicht.\u201c\u00a0\u2013 \u201eJa, echt jetzt, man k\u00f6nnte meinen, du interessierst dich f\u00fcr gar nichts.\u201c Werner schaute Jean provozierend in die Augen. Der lie\u00df sich jedoch nicht darauf ein. \u201eIch interessiere mich f\u00fcr viele Dinge, nur h\u00e4ng\u2018 ich das nicht an die gro\u00dfe Glocke. Ich mag zum Beispiel Literatur.\u201c\u00a0\u2013 \u201eShakespeare?\u201c hakte Michel frech nach, der sich nun von Werners gutm\u00fctiger Randalierstimmung anstecken lie\u00df. \u201eOder Perse? Rousseau vielleicht?\u201c\u00a0\u2013 \u201eNein, die doch nicht\u201c, entgegnete Jean. \u201eEher so was wie Robinson Crusoe. Oder die Anhalter-Serie von dem bekannten Science-Fiction-Autor Douglas Adams. Das erste Buch hab ich bestimmt schon zwanzigmal gelesen. Und ich k\u00f6nnte mich immer wieder kringeln vor Vergn\u00fcgen.\u201c Sein Blick wurde glasig, ins Nichts gewandt. Er l\u00e4chelte. \u201eOder Jules Verne, der hat doch spannende B\u00fccher geschrieben.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eDas ist doch keine Literatur\u201c, rief Werner belustigt. \u201eNa, da w\u00e4ren die Meister aber entt\u00e4uscht, k\u00f6nnten sie das h\u00f6ren\u201c, warf \u00c9laine sp\u00f6ttisch dazwischen, als sie sich mit hinzugesellte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Michel sch\u00fcttelte energisch den Zeigefinger: \u201eIch muss Werner da zustimmen. Das Wort Literatur birgt in sich bereits etwa Erhabenes, Edles! Nur einfach W\u00f6rter aneinanderreihen, sodass es lustig oder phantastisch klingt, erf\u00fcllt in meinen Augen noch nicht die Mindestvoraussetzungen f\u00fcr die Aufnahme in den heiligen Olymp der Literaten. Der Verfasser sollte auch ein Wortakrobat sein und S\u00e4tze schreiben\u201c, jetzt wechselte sein Gesichtsausdruck von ernsthaft zu schelmisch, \u201edie noch nie zuvor ein Mensch gelesen hat.\u201c\u00a0\u2013 \u201eFaszinierend\u201c, erwiderte Jean, nun ebenfalls erheitert. \u201eAber damit sind wir ja mittendrin in der Science-Fiction. Jules Verne!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWenn du reisen wolltest und auf Jules Verne stehst, warum schnappst du dir nicht mal seinen Reiseroman, klapperst die beschriebenen Orte ab und umrundest die Erde in achtzig Tagen?\u201c fragte \u00c9laine und lehnte sich zu Jean hin\u00fcber. \u201eWeil ich dann in drei Tagen wieder hier w\u00e4re. Mit dem Jet bist du doch in Nullkomma\u00adnix einmal rum. Au\u00dferdem hatte ich nach meiner Kenia-Reise die Nase gestrichen voll. \u00dcberall Armut und schlimmste Korruption. Wenn du nicht mal mehr einem Polizisten trauen kannst, dann steckt das Land in echten Schwierigkeiten. Und so sieht es ja in vielen L\u00e4ndern aus.\u201c\u00a0\u2013 \u201eIn drei Tagen bist du ganz sicher nicht wieder hier, den Jet kannst du auch nicht nehmen, wenn du den Spuren des Roman folgen willst\u201c, gab \u00c9laine zu bedenken.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jeans Entgegnung wurde durch das Klingeln an der T\u00fcr unterbrochen. Keiner r\u00fchrte sich. Nach ein paar Sekunden klingelte es entsprechend der \u00dcbereinkunft dreimal. \u201eDas ist B\u00e9atrice.\u201c Sie verga\u00df immer, den Geheimcode zu nutzen und korrigierte den Fehler sogleich. Jean ging zur T\u00fcr und \u00f6ffnete. Im Treppenhaus war Gel\u00e4chter zu h\u00f6ren. \u201eSie hat noch jemanden dabei.\u201c Nach wenigen Augenblicken erreichten die Neuank\u00f6mmlinge den Treppenabsatz und stiegen die letzten Stufen zum Club hinauf.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eNanu? Habt ihr euch zuf\u00e4llig unten getroffen?\u201c fragte Jean verwundert. B\u00e9atrice hatte noch L\u00e9on und Julian mitgebracht, alle drei waren seit langem schon Clubmitglieder. \u201eNeeeiiin\u00a0\u2026 wir haben auch die Nacht zusammen verbracht!\u201c B\u00e9atrice kicherte kokett und betrat, vielsagend mit der H\u00fcfte wackelnd, den Salon. Sie konnte furchtbar anz\u00fcglich sein. Ihren beiden Begleitern war das sichtlich unangenehm. Jeans weit aufgerissene Augen und seinen offenstehenden Mund beantwortete Julian nur mit einer abwehrenden Handbewegung. \u201eDa war nichts, wir haben auf der langen Eckcouch geschlafen.\u201c\u00a0\u2013 \u201eMach mir doch nicht immer alles kaputt!\u201c schmollte B\u00e9atrice. Und zu den anderen gewandt: \u201eHey Jungs! Schon auf den Beinen?\u201c\u00a0\u2013 \u201eEs ist fast Mittag!\u201c Werner sch\u00fcttelte den Kopf. \u201eOh\u00a0\u2026!\u201c L\u00e9on warf einen Blick auf sein Handgelenk, stellte fest, dass er seine Uhr bei B\u00e9atrice auf dem Couchtisch vergessen hatte, griff sich ersatzweise Julians Arm und schaute auf dessen Uhr. Halb Zw\u00f6lf. \u201eUnd die geht auch wirklich nicht vor?\u201c\u00a0\u2013 \u201eH\u00f6r mal, wenn wir Schweizer etwas k\u00f6nnen, dann sind das Uhren!\u201c Die ironisch-pikierte Nuance von Julians Antwort entging L\u00e9on, er hatte sich noch nicht von der alkoholbedingten Beinahe\u00advergiftung des letzten Abends erholt und stank extrem nach Fusel.<br \/>Julian war Z\u00fcrcher und Sohn eines Privatbankiers. Er hatte in der Firma seines Vaters ganz unten angefangen, sich schnell und ohne protegiert worden zu sein hochgearbeitet und sammelte leidenschaftlich gern Uhren, bevorzugt die einer namhaften Manufaktur aus dem Vall\u00e9e de Joux. Besonders deren \u201eOldtimer\u201c, die Uhren aus den Anfangstagen, hatten es ihm angetan. Er war so verr\u00fcckt danach, dass er tats\u00e4chlich immer zwei Armbanduhren trug, die eine am linken Arm, die andere rechts.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eSetzt euch! Ich hole noch ein paar St\u00fchle.\u201c Jean entschwand in einen der Nebenr\u00e4ume. Die anderen nahmen Platz, nur L\u00e9on war etwas zu langsam und schaute ratlos im Raum stehend umher. Jean kam mit den St\u00fchlen, er schob einen zu L\u00e9on und setzte sich selbst auf den anderen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sie schauten einander an. \u201eWie in einer Selbsthilfegruppe\u201c, B\u00e9atrice lachte. \u201eWas habt ihr gerade gemacht?\u201c Und an \u00c9laine gerichtet: \u201eGibt\u2018s was zum Mittag?\u201c\u00a0\u2013 \u201eGeht gleich los. Wir waren noch mit Reiseplanungen besch\u00e4ftigt. Jean will die Welt umsegeln.\u201c\u00a0\u2013 \u201eNa, na, na\u00a0\u2026 niemand segelt hier irgendwo hin, und ich schon mal gar nicht!\u201c Jean schlug die Beine \u00fcbereinander. \u201eWir haben \u00fcber Literatur gesprochen\u201c, erl\u00e4uterte Jean den drei Hinzugekommenen, \u201eaber eigentlich ging es ganz allgemein um meine Interessen. Wie sind wir da noch mal drauf gekommen? Ach egal, wir waren zuletzt bei Jules Verne.\u201c\u00a0\u2013 \u201eSag ich doch, du wolltest den Spuren des Romans folgen. In achtzig Tagen um die Welt\u201c, nahm \u00c9laine den Faden wieder auf. \u201eWas? Jean will wieder verreisen?\u201c Julian war sichtlich \u00fcberrascht. \u201eHattest du es nicht aufgegeben?\u201c Nun reagierte Jean deutlich genervt: \u201eSagt mal, habt ihr was an den Ohren? Ich verreise nicht! Aber wenn du mich einl\u00e4dst, besuche ich dich gern mal in der Schweiz!\u201c\u00a0\u2013 \u201eCoole Idee, warum fahren wir nicht mal alle zusammen? Mein Vater hat ein Landhaus in der N\u00e4he von Z\u00fcrich, dort ist Platz f\u00fcr uns alle.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Julian schaute fragend in die Runde. \u201eAlso ich erst mal nicht, die Schweizer sind in letzter Zeit so unfreundlich.\u201c\u00a0\u2013 \u201eTja, Werner, das kommt, weil ihr Deutschen da mittlerweile in Rudeln auf\u00adtretet. Au\u00dferdem m\u00f6gen wir es nicht, wenn man uns den Dialekt verbieten will. Verschtohsch?\u201c\u00a0\u2013 \u201eWer tut denn das? Also ich nicht!\u201c Werner war emp\u00f6rt. Nun tippte sich Julian auf die Brust: \u201eIch wurde auch schon von Deutschen gebeten, ob ich nicht hochdeutsch sprechen k\u00f6nnte.\u201c\u00a0\u2013 \u201eAch so! Also ich glaube, das ist ein Missverst\u00e4ndnis! Dazu musst du wissen, die meisten Deutschen in Deutschland sprechen gar kein Hochdeutsch, sondern den jeweiligen lokalen Dialekt. Manche davon sind mehr und einige weniger gut verst\u00e4ndlich. Es gibt Orte im Norden, wenn du dort in die Dorfkneipe gehst und mit \u00c4lteren redest, verstehst du selbst als Deutscher kein Wort mehr. Wir nennen das Plattdeutsch. Und auch in manch abgelegenen bayerischen Berg\u00add\u00f6rfern kommt man sich oft vor wie ein Ausl\u00e4nder.\u201c Julian lauschte interessiert. Werner erkl\u00e4rte: \u201eHochdeutsch ist ja nichts anderes, als eine von Dialekten bereinigte Sprache, die dazu dient, sich mit Menschen anderer Regionen verst\u00e4ndigen zu k\u00f6nnen. Wenn also ein Deutscher mit einem Schweizer Hochdeutsch spricht, ist das im Grunde ein Ausdruck der H\u00f6flichkeit, denn er m\u00f6chte ja verstanden werden. Und du kannst nun selbst entscheiden, ob du diese H\u00f6flichkeit erwidern willst oder ob du lieber unh\u00f6flich bist.\u201c Werner hatte den Ball geschickt an Julian zur\u00fcckgespielt. Der f\u00fchlte sich von dieser unerwarteten Wendung v\u00f6llig \u00fcberrumpelt und versuchte, das Geh\u00f6rte einzuordnen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u00c9laine kam ihm zuvor. \u201eAlso hier h\u00e4ttest du mit deinem Hochdeutsch niemanden beeindrucken k\u00f6nnen.\u201c Sie war schon wieder schnippisch. \u201eDeswegen spreche ich ja auch Franz\u00f6sisch\u201c, antwortete Werner gutm\u00fctig. Seit er \u00c9laine zur\u00fcckgewiesen hatte, war eine normale Verst\u00e4ndigung mit ihr schwierig geworden. \u201eDas ist auch der einzige Grund, warum du hier \u00fcberhaupt reingekommen bist. Ohne Sophie sowieso nicht, und aufgrund deiner akzentfreien Aussprache habe ich erst gar nicht gemerkt, dass du Deutscher bist.\u201c Jean drohte ihm scherzhaft mit dem Finger. \u201eEigentlich bist du ja auch viel zu alt f\u00fcr uns. Schon \u00fcber drei\u00dfig, meine G\u00fcte!\u201c\u00a0\u2013 \u201eNicht alt\u00a0\u2026 erfahren\u201c, nahm B\u00e9atrice Werner in Schutz. \u201eJungspunde wie ihr haben bei richtigen Frauen doch gar keine Chance!\u201c Sie formte mit der Hand ein Fig\u00fcrchen, dass auf zwei Finger-Beinen \u00fcber die Armlehne des Sessels in Richtung Werners Oberschenkel tippelte. Der klatschte r\u00fccksichtslos mit der Hand drauf, traf aber nur sich selbst, da B\u00e9atrice damit gerechnet und ihre Hand schnell zur\u00fcckgezogen hatte. Dennoch war sie gekr\u00e4nkt. \u201eWas ist denn nun mit dem Essen? Ich habe wirklich Hunger! \u00c9laine?\u201c\u00a0\u2013 \u201eOkay, dann los.\u201c \u00c9laine erhob sich. \u201eIch komme mit!\u201c B\u00e9atrice wusste von den Misst\u00f6nen zwischen Werner und \u00c9laine und hielt nat\u00fcrlich zu ihr. Die beiden Frauen hakten sich unter und stampften in Richtung K\u00fcche. B\u00e9atrice warf noch einen vernichtenden Blick zur\u00fcck zu Werner. Wie zwei Amazonen auf Kriegspfad, schoss es ihm durch den Kopf. Hoffentlich bewaffnen die sich nicht am Messerblock, dann komme ich hier wohl nicht mehr lebend raus.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eEigentlich keine schlechte Idee, so eine Weltreise nach Anleitung. Es w\u00e4re doch sicherlich interessant herauszufinden, wie sich die Welt in all den vielen Jahren ver\u00e4ndert hat.\u201c Und mit Blick auf Jean: \u201eVon wann stammt der Roman?\u201c Der stand auf, \u201eMoment!\u201c Er ging in die Bibliothek und suchte dort einige Minuten lang herum. Dann kehrte er mit dem Buch zum Tisch zur\u00fcck und schlug es ein paarmal gegen die Handfl\u00e4che. Eine kleine Staubwolke explodierte in den Raum hinein und \u00fcberzog die Anwesenden. \u201eUm Himmels Willen, Jean!\u201c L\u00e9on war schlagartig n\u00fcchtern. Er hatte das Meiste abbekommen und hustete. \u201eIch bin allergisch, Mensch!\u201c Seine Augen fingen an zu tr\u00e4nen, es schien ihm ernst zu sein. \u201eKomm mit, du hast sowieso \u2018ne Dusche n\u00f6tig.\u201c Julian zog ihn weg und n\u00f6tigte ihn ins Badezimmer.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die anderen klopften ihre Kleidung ab, Jean pustete den Staub vom Tisch. \u201eDen Rest kann die Putze machen. Bei der Gelegenheit kann sie sich auch gleich mal das B\u00fccherregal vornehmen, der Staub wird wohl noch von vor der Renovierung sein.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er legte das Buch auf den Tisch und bl\u00e4tterte oberfl\u00e4chlich ein paar Seiten durch. \u201eHier steht\u2018s doch, eine Reiseliste.\u201c Er \u00fcberflog die Zeilen, nannte ein paar Eckpunkte: \u201eLondon, Suez, Mont-Cenis\u00a0\u2026 noch nie geh\u00f6rt, wo ist das denn?\u201c\u00a0\u2013 \u201eIn den Alpen\u201c, erkl\u00e4rte Julian. \u201eDa war ich schon mal im Urlaub, sch\u00f6ne Gegend!\u201c Jean schaute wieder auf das Buch: \u201eBrindisi\u00a0\u2026 klingt nach Italien.\u201c Bombay und Kalkutta fasste er mit \u201eIndien\u201c zusammen. \u201eHongkong, Yokohama, San Francisco, New York\u00a0\u2026 und wieder London. Augenblick, das will ich jetzt aber genauer wissen!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Erneut stand er auf und ging hin\u00fcber zur Bibliothek. Diesmal kam er mit einem halb zerfallenen, abgewetzten Buch zur\u00fcck. \u201ePutzgers Historischer Schul-Atlas. Herausgegeben 1900. Auf Deutsch!\u201c Triumphierend wedelte er Werner damit vor der Nase herum.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Keine Staubwolke. Er hatte das Werk mit einem Handfeger vom Gr\u00f6bsten befreit. \u201eWei\u00df der Geier, woher die alte Dame den hatte.\u201c Werner sah wieder das geheime Foto vor sich und konnte nur mit M\u00fche eine Anspielung unterdr\u00fccken. Er lenkte seinen Sarkasmus stattdessen in eine andere Richtung: \u201eVon 1900? Etwas \u00c4lteres konntest du nicht finden? Ein bemaltes Fell aus der H\u00f6hle von Lascaux vielleicht?\u201c Jean griff sich gespielt-irritiert den Roman und schaute nach dem Erscheinungsdatum der Erst\u00adauflage: \u201e1873. Nein, ich denke, das Fell w\u00e4re zu alt.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Schallendes Gel\u00e4chter. Die von Jean zur Schau gestellte Selbstsicherheit war immer wieder beeindruckend. Eine bemerkens\u00adwerte Robustheit der Seele, wie sie nur wenigen Menschen zu eigen ist. Vielleicht aber auch nur eine der Folgen seines Reichtums, der sicherstellte, dass Jean elegant und nahezu unantastbar \u00fcber den Dingen schwebte und sich nicht mit Alltagsproblemen und den schlechten Manieren all der Menschen auseinandersetzen musste, die einem Normalsterblichen den Alltag gr\u00fcndlich vermiesen k\u00f6nnen und mit der Zeit der Seele nur schwer wieder zu behebenden Schaden zuf\u00fcgen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Er schlug den Atlas auf. Palestina. Falsche Karte, sie befanden sich ja in Paris. Die alte Welt, Westlicher Teil. Er \u00f6ffnete die Karte und orientierte sich an den Umrissen der Kontinente. Gallia. Iberia. Merkw\u00fcrdig! Die n\u00e4chste Karte zeigte den Kaukasus, das Kaspische Meer und einen Teil Arabiens. Jean verstand noch immer nicht. Bei der Karte ,Reich Alexander des Gro\u00dfen\u2018 d\u00e4mmerte ihm, was er da in der Hand hielt. Bei ,Entwicklung des r\u00f6mischen Reiches\u2018 war er sich sicher. \u201eVerdammt, das sind ja uralte Karten. Es m\u00fcssen doch auch\u00a0\u2026\u201c Er bl\u00e4tterte weiter, nach Frankreich suchend. Europa im 16. Jahrhundert. \u201eViel zu grob, da erkennt man ja gar nichts.\u201c Tats\u00e4chlich waren die Karten zu klein, eine \u00dcbersicht aller Kontinente fehlte g\u00e4nzlich. Der Atlas behandelte nur regionale geschichtliche Ereignisse vom Altertum bis kurz vor dem Erscheinungsdatum.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jean legte ihn zur Seite und holte seinen Laptop, dessen Moni\u00adtor war sogar gr\u00f6\u00dfer als das Buch. Er rief eine Landkarte im Inter\u00adnet auf und suchte nach dem aktuellen Standort. \u201eNa also, geht doch!\u201c Zufrieden studierte er die Karte und schob sie mit dem Touchpad weiter. \u201eSchaut mal, das muss man doch gar nicht so kompliziert machen. Einfach immer nach Osten, dann kommt man genau hier wieder an. Was folgt denn als erstes\u00a0\u2026 oh je\u00a0\u2026 Deutschland!\u201c Er zog mit Blick auf Werner ein angewidertes Gesicht, doch der l\u00e4chelte am\u00fcsiert und schlug vor: \u201eNimm doch die Schweiz!\u201c\u00a0\u2013 \u201eGute Idee! Also etwas weiter s\u00fcdlich: Schweiz, Liechtenstein, \u00d6ster\u00adreich.\u201c Er schob die Karte nach links. \u201eUngarn! Mhmm\u00a0\u2013 ich liebe Budapest! Und die ungarische Sprache mag ich auch, die klingt richtig angenehm. Ich hab dort mal eine tolle Frau kennengelernt, sie war wirklich eine Sch\u00f6nheit. Dunkle Haare, temperamentvoll und zugleich zur\u00fcckhaltend. Au\u00dferdem lief sie immer barfu\u00df. Leider konnte ich nicht bei ihr landen.\u201c\u00a0\u2013 \u201eLag vielleicht an deinen schmutzigen Schuhen\u201c, \u00e4tzte Michel und erntete daf\u00fcr eine Kopfnuss.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWenn du Ungarisch magst, kann ich dir gern eine CD geben\u201c, bot Julian an, \u201edie hab ich von meinem Vater, und der hat sie von einem ungarischen Gesch\u00e4ftspartner. Omega, eine ungarische Rockband, ist auch im Westen recht bekannt. Echt coole Musik mit ungarischen Texten. Klingt etwas schr\u00e4g, wenn man sie zum ersten Mal h\u00f6rt, aber das legt sich schnell.\u201c Er war aus dem Bad zur\u00fcckgekehrt, wo er L\u00e9on in die Wanne verfrachtet und mit Handt\u00fcchern versorgt hatte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eOkay, h\u00f6r ich mir gern an.\u201c Dann machte Jean weiter mit: \u201eRum\u00e4nien. Und hier, das Schwarze Meer! Was wohl schneller geht, mit dem Boot \u00fcbersetzen oder im Norden durch die Ukraine?\u201c\u00a0\u2013 \u201eZu gef\u00e4hrlich, das ist Krisengebiet\u201c, gab Werner zu bedenken. \u201eAlso \u00fcbers Meer. Georgien. Und was kommt dann? Noch ein Meer! Dahinter kommen die ganzen Dingstans\u00a0\u2013 Kasachstan, Usbekistan und so weiter. China, die Mongolei\u00a0\u2026\u201c\u00a0\u2013 \u201eVielleicht w\u00e4re es doch besser, weiter n\u00f6rdlich zu reisen? Dann musst du nicht so viele Staaten durchqueren und bleibst immer in Russland\u201c, \u00fcberlegte Werner.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eWieso ich? Das hatten wir doch schon gekl\u00e4rt! Wie w\u00e4r\u2018s stattdessen mit dir? Du hast immerhin einen deutschen Pass. Damit kommst du fast \u00fcberall hin, auch ohne Visum. Wie das mit meinem ist, wei\u00df ich gar nicht so genau.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Hier konnte Julian weiterhelfen: Deutschland liege mit 172 visafreien Staaten zwei L\u00e4nder vor Frankreich, der Schweizer Pass sogar noch zwei L\u00e4nder dahinter. \u201eIhr Schweizer d\u00fcrft nur vier L\u00e4nder weniger bereisen als wir? Das ist mir ja v\u00f6llig neu!\u201c Werner war ehrlich erstaunt. \u201eAlso, was ist?\u201c hakte Jean nach, \u201etraust du dich? Sophie l\u00e4sst dich doch eh nicht ran, dann kannste auch reisen!\u201c Breites Grinsen. \u201eW\u2026 wieso denn jetzt ich?\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eSchau mal, als n\u00e4chstes kommt schon Japan, wolltest du da nicht schon immer mal hin?\u201c \u2013\u201eJa eben\u201c, hakte Michel sich unvermittelt ein, \u201ewegen deines Karatekrams hast du doch fr\u00fcher immer davon erz\u00e4hlt. Machst du das eigentlich noch?\u201c Werner verneinte. \u201eDas war noch in Deutschland, und wegen der vielen Verletzungen habe ich es irgendwann aufgegeben. Japan w\u00e4re allerdings schon interessant. Eine wirklich au\u00dfergew\u00f6hnliche Kultur.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Jean schob wieder an der digitalen Karte herum. \u201eDanach kommt erst mal lange nichts, da solltest du gut schwimmen k\u00f6nnen. Und dann\u00a0\u2013 Ladies and Gentlemen\u00a0\u2013 folgt Kalifornien! Hei\u00dfe M\u00e4dels, knappe Bikinis, Sonne, Strand und Drogen\u00adpartys. W\u00e9rn\u00e9r! Endlich wieder Sex!\u201c\u00a0\u2013 \u201eDu bist fast schon genauso schlimm wie B\u00e9atrice\u201c, wehrte Werner ab. \u201eWas machen die beiden eigentlich?\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Leichter Bratenduft drang bis in den Salon vor. Michel erhob sich und lief in die K\u00fcche. Sekunden sp\u00e4ter schaute er durch den T\u00fcr\u00adrahmen zur\u00fcck. \u201eFast fertig, ihr k\u00f6nnt schon kommen!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;\u201eOh, das duftet aber gut. Was genau ist das?\u201c Julian versuchte, durch das Herdfenster etwas zu erkennen, als B\u00e9atrice die Zutaten aufz\u00e4hlte: \u201eSchnitzelpfanne\u00a0\u2013 das Fleisch in Streifen geschnitten, mit Paprika, Zucchini und Pilzen. Dazu eine Sahne-Senf-So\u00dfe.\u201c\u00a0\u2013 \u201eUnd was f\u00fcr Pilze sind da drin?\u201c erkundigte sich Michel besorgt. \u201eKeine Ahnung, hab sie im Wald gesammelt. Sie sind ganz leicht zu unterscheiden: Es gibt giftige und ungiftige. Iss am besten nur die ungiftigen, die giftigen l\u00e4sst du einfach weg.\u201c <\/div>\n<p>Sie essen zusammen und beschlie\u00dfen, zu zweit den Spuren Jules Vernes zu folgen, jedoch nicht exakt auf dessen Route, sondern immer nach Osten. Und wie in Vernes Roman auch schlie\u00dfen sie eine Wette ab \u2013 die Reisenden m\u00fcssen in jedes Land auf ihrem Weg einen Fu\u00df gesetzt haben und in sp\u00e4testens 80 Tagen wieder zur\u00fcck sein.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;W\u00e4hrend des Wochenendes hat Werner gen\u00fcgend Zeit, eine Entscheidung zu treffen und schlie\u00dft sich B\u00e9atrice und Le\u00f3n an. Am folgenden Montag soll die Reise im Club beginnen:<\/p>\n<div style=\"padding:20px; border-style:solid; border-width:1px; border-color:#ccc\">\u201eWerner, komm rein!\u201c Julian hatte die T\u00fcr ge\u00f6ffnet, vom Salon drang lautes Schimpfen. \u201eSalut! Was ist denn los?\u201c Zu den Mitgliedern vom Freitag hatten sich heute noch weitere Personen gesellt, jeder wollte bei dem Ereignis dabei sein. Werner konnte sich nicht erinnern, den Club jemals so voll gesehen zu haben, er kannte auch nicht alle Anwesenden. Es waren nicht einmal gen\u00fcgend St\u00fchle vorhanden, einige standen um die Sitzenden herum, davor hockten zwei Personen auf dem Teppich. L\u00e9on sa\u00df trotzig mit verschr\u00e4nkten Armen und hektisch ger\u00f6tetem Gesicht in einem der Sessel und sah aus wie ein Pavian, der, von L\u00f6wen umzingelt, sich nicht sicher ist, ob er fl\u00fcchten oder angreifen soll. B\u00e9atrice kauerte mit h\u00e4ngenden Schultern und gesenktem Kopf zusammengesunken daneben und wischte sich die Tr\u00e4nen aus dem Gesicht. Mittendrin stand Jean, breitbeinig, leicht vorn\u00fcbergebeugt und die F\u00e4uste in die H\u00fcften gest\u00fctzt wie ein Feldherr, der soeben den Krieg erkl\u00e4rt hat. Dann drehte er sich zu Werner herum: \u201eSie haben es sich anders \u00fcberlegt.\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Von dieser pl\u00f6tzlichen Wendung wurde Werner nun v\u00f6llig \u00fcberrascht. Fragend und mit ausgebreiteten Armen schaute er zu L\u00e9on. \u201eIch\u00a0\u2026 ich\u00a0\u2026 war noch nicht\u00a0\u2026 im Kopf\u00a0\u2026 richtig klar\u00a0\u2026 gestern\u00a0\u2026 \u00e4h, am Freitag\u201c, stammelte er. \u201eUnd du?\u201c B\u00e9atrice blickte kurz zu Werner hoch, hob nur die Schultern, sch\u00fcttelte leicht den Kopf und sackte noch etwas weiter in sich zusammen. \u201eVerdammt noch mal!\u201c Werner war stinksauer. Alle schauten nun zu ihm hin\u00fcber.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Sophie. Die schlechte Stimmung. Japan. Kalifornien. Strand und Sonne. Der Winter stand vor der T\u00fcr, die letzten Oktober\u00adtage waren warm, zumindest hier in Paris. Aber die Sonne bewegte sich bereits deutlich tiefer am Horizont entlang. War das eine gute Idee? Bei sibirischer K\u00e4lte durch Russland? Oder die angrenzenden L\u00e4nder weiter s\u00fcdlich? Dann schaute er zu Jean, mit festem, entschlossenem Blick: \u201eWas f\u00fcr ein Auto?\u201d Der sch\u00f6pfte pl\u00f6tzlich wieder Hoffnung. \u201eDu\u00a0\u2026 willst\u00a0\u2026 trotzdem fahren?\u201c Dann begann er rasch die Vorz\u00fcge des Fahrzeugs aufzuz\u00e4hlen, wie ein Verk\u00e4ufer: \u201eEs ist ein UAZ 469. Russisches Milit\u00e4rfahrzeug, so \u00e4hnlich wie ein Jeep, nur halt aus Sowjetzeiten. Schon drei\u00dfig Jahre alt, l\u00e4uft aber tadellos. Und s\u00e4uft auch hemmungslos. Aber den kann dir da jeder reparieren. Und du kommst damit <i>\u00fcberall<\/i> durch! Der Motor ist umgebaut, erreicht normalerweise nur 110 km\/h, und das auch nicht \u00fcber l\u00e4ngere Zeitr\u00e4ume. Der hier schafft 160 Spitze, du kannst also auf der Autobahn ganz locker 120 fahren. Was sagst du?\u201c Gespannte Stille. \u00c9laine schien besorgt, die Arme halb verschr\u00e4nkt, eine Hand vor dem Mund. Alle hingen an Werners Lippen. \u201eIch mach\u2018s!\u201c<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein gemeinschaftlicher Aufschrei der Erleichterung durchfuhr den Salon. \u201eYeah!\u201c Hocherfreut st\u00fcrmte Jean zu Werner und klopfte ihm kumpelhaft auf die Schulter. \u201eEs sind \u00fcbrigens knapp zwei\u00adeinhalb Millionen Euro im Topf. Da du nur alleine f\u00e4hrst, musst du diese auch nur mit dem Gewinner durch zwei teilen. Das lohnt sich doch richtig, oder? \u2018Ne Weltreise machen und anschlie\u00dfend abkassieren? Daf\u00fcr w\u00fcrde manch anderer t\u00f6ten!\u201c Werner z\u00e4hlte skeptisch die anwesenden Personen durch, aber Jean unterbrach ihn: \u201eEs sind nicht alle hier, die mitmachen.\u201c Und an alle gewandt: \u201eDann lasst uns noch mal zusammen was essen. <i>\u00c9laine\u00a0\u2026<\/i>\u201c<\/p>\n<p> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Wenig sp\u00e4ter standen sie zusammen in der Nebenstra\u00dfe um den dunkelgr\u00fcnen Gel\u00e4ndewagen herum. Jean erkl\u00e4rte noch ein paar Besonderheit des alten Fahrzeugs: \u201eIst schlie\u00dflich kein Golf!\u201c Dabei versuchte er m\u00fchsam, nichts von dem auszulassen, was der H\u00e4ndler ihm eindringlich geraten hatte.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Abschied. H\u00e4ndesch\u00fctteln. Ein paar Umarmungen und K\u00fcsschen. Werner war das stets unangenehm, weil er sich nicht merken konnten, wer wie begr\u00fc\u00dft und verabschiedet werden wollte. Dann warf er seine Tasche auf den R\u00fccksitz und stieg ein. \u201eHey, das sitzt sich ja richtig gut, so weit oben!\u201c Jean \u00fcbergab ihm noch einen dicken Stra\u00dfenatlas: \u201eDer reicht bis Asien. Nur Japan und Amerika sind nicht mehr mit drauf. Da musst du dann selber weitersehen.\u201c Er legte noch einen Taschen\u00adkompass auf den Atlas, \u201eFahr einfach immer nach Osten\u201c, und schaute auf die Uhr: \u201eEs ist jetzt kurz vor zehn. In sp\u00e4testens achtzig Tagen musst du wieder hier sein, bis zehn Uhr. Sonst hast du die Wette verloren.\u201c Augenzwinkern. Die T\u00fcr fiel ins Schloss.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Werner atmete tief durch. Dann startete er den Motor, hupte zweimal kurz und lie\u00df die winkende Gemeinschaft hinter sich. Er bog in die Rue de Rivoli ein, zun\u00e4chst nach Westen, da der Verkehr nur in eine Richtung erlaubt war, dann nach S\u00fcden und schlie\u00dflich auf den Boulevard P\u00e9riph\u00e9rique, der Paris kreisf\u00f6rmig umarmte. <\/div>\n<p>Fortsetzung folgt \u2026<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/dp\/153281268X\/ref=cm_sw_em_r_mt_dp_mp2CxbEXQSCMM\">Erdenend \u2013 Das Ende der Welt &#8212;> <b>jetzt kaufen!<\/b><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun isses also endlich soweit \u2013 mein Buch kann auch in gedruckter Form k\u00e4uflich erworben werden. 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