{"id":298,"date":"2015-04-24T21:41:00","date_gmt":"2015-04-24T19:41:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2015\/04\/24\/klar-wie-kristall\/"},"modified":"2015-04-24T21:41:00","modified_gmt":"2015-04-24T19:41:00","slug":"klar-wie-kristall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2015\/04\/24\/klar-wie-kristall\/","title":{"rendered":"Klar wie Kristall"},"content":{"rendered":"<p>In letzter Zeit h\u00e4ufen sich schon wieder die Diskussionen dar\u00fcber, was eigentlich besser klingt, Schallplatte oder CD. Die Berliner Zeitung beispielsweise feierte k\u00fcrzlich <a href=\"http:\/\/www.berliner-zeitung.de\/berlin\/record-store-day-berlin-feiert-heute-das-comeback-der-schallplatte,10809148,30450766.html\">das Comeback der Schallplatte<\/a>. Und im Hifi-Forum schlagen sich die jeweiligen J\u00fcnger schon seit Jahren <a href=\"http:\/\/www.hifi-forum.de\/viewthread-289-30.html\">gegenseitig die K\u00f6pfe ein.<\/a><br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;W\u00e4hrend sich hier auf meinem Plattenspieler eine Ausgabe von Ariolas Super-20-Hit-Sensation von 1984 dreht, die nebenbei bemerkt v\u00f6llig untersteuert ist, weil es nun mal nicht so einfach ist, zehn Musiktitel von durchschnittlich vier Minuten L\u00e4nge auf eine Seite zu pressen, die eigentlich nur f\u00fcr 25 Minuten gedacht ist, und darum die Gesamtlautst\u00e4rke abgesenkt werden mu\u00df, damit die Ampitude der Rillenauslenkung geringer ist, mehr Rillen nebeneinanderpassen und somit das Rauschen des Vinyls deutlicher h\u00f6rbar wird, erinnere ich mich an die guten alten Zeiten der Siebziger und Achtzigerjahre, als Vinyl neben bespielten Kassetten und Radiosendern die einzige Quelle f\u00fcr Musik war. Bereits damals \u00e4rgerte ich mich \u00fcber jedes Knistern und Knacken. Beim \u00dcberspielen auf Kassette hatte ich st\u00e4ndig die Hand am Aussteuerungsregler, um die Titel am Ende schnell ausblenden zu k\u00f6nnen, bevor das Knistern der Leerrillen die Aufnahme versaut. Zusammen mit DJ Eddy legte ich die Hits der Achtziger im Treffpunkt Buchholz und vielen anderen Jugendclubs und Privatveranstaltungen der ostdeutschen Repubik auf. Die Vorsichtsma\u00dfnahmen um zu verhindern, da\u00df sich die Vibrationen der tanzw\u00fctigen Gesellschaft auf die Plattenspieler \u00fcbertrugen, m\u00fcssen aus heutiger Sicht und angesichts des bekannterma\u00dfen ersch\u00fctterungs&shy;unempfindlichen MP3-Formats \u00e4u\u00dferst bizarr anmuten: Zwei furchtbar dicke Schaumstoffunterlagen unter den Spielern und gelegentlich bei gewissen, ber\u00fcchtigten Musikst\u00fccken aus dem kapitalistischen Ausland einen Bodyguard vor der \u201eBr\u00fccke\u201c, um die pogenden, herumfliegenden Punks vorsorglich aufzufangen, bevor sie auf dem Tonarm aufschlagen.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Die Erl\u00f6sung \u00fcberkam mich etwa 1988 im An- und Verkaufgesch\u00e4ft am Rosenthaler Platz, wo ich zu der Zeit in der Technikabteilung arbeitete, als uns ein Kunde einen uralten Siemens-CD-Player verkaufte. Er hatte nur eine einzige CD von der Band <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=TnfHdZrmMAw\">Imagination<\/a> und mangels Devisen keinen weiteren Nachschub an digitalen Tontr\u00e4gern in Aussicht. Ich erinnere mich noch heute, nach fast drei\u00dfig Jahren, genau an diesen kristallklaren, messerscharfen, ultradynamischen, absolut rausch- und knisterfreien Klang, der von dieser alienartig anmutenden, verchromten Zauberscheibe erzeugt wurde. Wer dieses Ereignis nie erleben durfte, wird wohl niemals begreifen, warum Vinyl nichts weiter ist, als ein uralter D\u00e4mon aus einer l\u00e4ngst vergangenen Welt. So etwa wie ein Faxger\u00e4t aus den Siebzigern.<br \/>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Es bleibt abschlie\u00dfend nur noch festzustellen, da\u00df die eingangs erw\u00e4hnte Frage auch eigentlich nicht richtig gestellt ist, denn was besser klingt, CD oder Schallplatte, ist nat\u00fcrlich eine Frage des pers\u00f6nlichen Geschmacks. Der eine mag rot, der andere gr\u00fcn, dar\u00fcber kann man sich nicht streiten, und selbst dann m\u00fc\u00dfte es eher hei\u00dfen, welchen Klang man als besser <i>empfindet<\/i>. Nein, die eigentliche Frage m\u00fc\u00dfte eigentlich korrekt lauten \u2013 welcher von beiden Tontr\u00e4gern klingt gar nicht! Damit ist nicht gemeint, da\u00df sich Tonmeister, Masteringspezialisten und Produzenten auch gern mal <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Loudness_war\">technische Schnitzer erlauben<\/a>, sowohl bei Vinyl als auch CD. Es ging n\u00e4mlich in der gesamten Geschichte der Musikaufzeichnung, von der Wachswalze bis zur digitalen Computerdatei nie um den Tontr\u00e4ger an sich, sondern ausschlie\u00dflich darum, die Kl\u00e4nge von der B\u00fchne oder aus dem Studio ins heimische Wohnzimmer zu transportieren. Die ersten Versuche Leonardo da Vincis \u2013 Dose auf, Musik rein und Deckel drauf, brachten leider nicht die gew\u00fcnschten Ergebnisse, soda\u00df man sp\u00e4ter andere Verfahren entwickeln mu\u00dfte. Und von all denen ist die digitale Speicherung nun mal die beste Methode, denn nur sie ist die einzige, bei der die verwendeten Tontr\u00e4ger selbst nicht zu h\u00f6ren sind. Gar nicht. Null. Nix. Denn sie sind nicht digital verschl\u00fcsselt, also k\u00f6nnen sie auch nicht entschl\u00fcsselt werden. Und das ist der entscheidende Punkt. Nur die Musik ist zu h\u00f6ren. Und genau die wollen wir doch, oder?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In letzter Zeit h\u00e4ufen sich schon wieder die Diskussionen dar\u00fcber, was eigentlich besser klingt, Schallplatte oder CD. 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