{"id":3703,"date":"2026-08-22T08:27:33","date_gmt":"2026-08-22T08:27:33","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/?p=3703"},"modified":"2026-08-22T08:27:34","modified_gmt":"2026-08-22T08:27:34","slug":"business-tic-tac-toe-wie-kleine-stoerungen-kunden-kosten-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2026\/08\/22\/business-tic-tac-toe-wie-kleine-stoerungen-kunden-kosten-koennen\/","title":{"rendered":"Business-Tic-Tac-Toe: Wie kleine St\u00f6rungen Kunden kosten k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon immer st\u00f6rte mich laute Musik in Restaurants und Gesch\u00e4ften. Mehr als einmal habe ich vor einem Lokal gestanden, die Musik schon von drau\u00dfen geh\u00f6rt, und bin kopfsch\u00fcttelnd weitergegangen. Auch Gesch\u00e4fte habe ich deswegen gar nicht erst betreten. Dabei wunderte ich mich jedes Mal \u00fcber dieselbe Sache: Warum versuchen Unternehmer, potenzielle Interessenten mittels L\u00e4rm zu gewinnen?<br>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Nat\u00fcrlich gibt es Menschen, die laute Musik m\u00f6gen. Aber w\u00fcrde jemand, der gerade etwas essen, eine Jeans kaufen oder sich eine neue Mikrowelle ansehen m\u00f6chte, ein Restaurant oder Gesch\u00e4ft nicht betreten, nur weil dort <strong>keine<\/strong> laute Musik l\u00e4uft? Wohl kaum. Umgekehrt kann die Musik f\u00fcr Menschen, die L\u00e4rm als unangenehm empfinden, sehr wohl ein Grund sein, drau\u00dfen zu bleiben. Darum habe ich versucht, diesen Gedanken auf eine m\u00f6glichst einfache und anschauliche Form herunterzubrechen. Das Ergebnis nenne ich <em>Business-Tic-Tac-Toe<\/em>, weil die kleine Matrix mit ihren Haken und Kreuzen ein wenig an das bekannte Spiel erinnert:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-table\"><table class=\"has-fixed-layout\"><thead><tr><th><strong>Business: Restaurant<\/strong><\/th><th class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Restaurant mit lauter Musik<\/th><th class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">Restaurant ohne laute Musik<\/th><\/tr><\/thead><tbody><tr><td>Interessenten, die laute Musik m\u00f6gen<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\u2713<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\u2713<\/td><\/tr><tr><td>Interessenten, die laute Musik st\u00f6rt<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\u2717<\/td><td class=\"has-text-align-center\" data-align=\"center\">\u2713<\/td><\/tr><\/tbody><\/table><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die entscheidende Frage lautet also: Was gewinnt der Betreiber durch die laute Musik?<br>\n&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ein Mensch, der laute Musik mag und gerade etwas essen m\u00f6chte, wird normalerweise nicht auf ein Restaurant verzichten, nur weil dort keine laute Musik l\u00e4uft. Sein eigentliches Bed\u00fcrfnis ist schlie\u00dflich nicht, Musik zu h\u00f6ren, sondern etwas zu essen. F\u00fcr einen Menschen, der laute Musik als st\u00f6rend empfindet, kann dieselbe Musik dagegen durchaus ein Grund sein, das Restaurant nicht zu betreten oder es schnell wieder zu verlassen. Der Betreiber gewinnt mit der Musik also m\u00f6glicherweise keinen Kunden hinzu \u2013 verliert dadurch aber einen anderen. Genau diese Asymmetrie soll Business-Tic-Tac-Toe sichtbar machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das eigentliche Kundenbed\u00fcrfnis<\/strong><br>Das Prinzip l\u00e4sst sich leicht auf andere Gesch\u00e4fte \u00fcbertragen. Wer eine neue Jeans kaufen m\u00f6chte, sucht zun\u00e4chst eine passende Jeans. Wer einen Fernseher ben\u00f6tigt, sucht einen Fernseher. Wer Lebensmittel braucht, m\u00f6chte Lebensmittel kaufen. Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Atmosph\u00e4re, Musik, Einrichtung oder andere Begleitumst\u00e4nde das Einkaufserlebnis ange\u00adnehmer machen. Aber sie sind normalerweise nicht der eigentliche Grund f\u00fcr den Besuch.<br> &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;Das gilt \u00fcbrigens auch f\u00fcr andere Einfl\u00fcsse wie starke Ger\u00fcche, etwa durch intensive Parf\u00fcms, grelles oder unangenehmes Licht, aufdringliches Personal, unn\u00f6tig komplizierte Abl\u00e4ufe oder andere vermeidbare St\u00f6rer. Daraus l\u00e4sst sich ein einfacher Grundsatz ableiten:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Je weniger eine Eigenschaft zur Erf\u00fcllung des eigentlichen Kundenbed\u00fcrfnisses beitr\u00e4gt, desto weniger sollte sie potenzielle Interessenten ausschlie\u00dfen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber gilt das immer?<\/strong><br>Nein. Business-Tic-Tac-Toe soll keine unumst\u00f6\u00dfliche betriebswirtschaftliche Regel sein. Ein einfaches Gegenbeispiel ist ein Nachtclub. Dort ist laute Musik keine Begleiterscheinung, sondern wesentlicher Bestandteil des Angebots. Wer einen Nachtclub besucht, tut dies m\u00f6glicherweise gerade wegen der Musik, der Lautst\u00e4rke und der dadurch entstehenden Atmosph\u00e4re. Auch ein Restaurant kann sich bewusst als Erlebnisgastronomie positionieren und mit einer bestimmten Musik eine klar definierte Zielgruppe ansprechen. Dann kann die Musik selbst Teil des Produkts, der Dienstleistung beziehungsweise der Positionierung sein. In solchen F\u00e4llen stimmt eines der H\u00e4kchen im Business-Tic-Tac-Toe nicht mehr: Ein Teil der Interessenten k\u00f6nnte das Gesch\u00e4ft gerade deshalb besuchen, <em>weil<\/em> der vermeintliche \u201eSt\u00f6rer\u201c vorhanden ist. Und damit ver\u00e4ndert sich die Rechnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Entscheidend ist die Asymmetrie<\/strong><br>Business-Tic-Tac-Toe behauptet deshalb nicht \u2013 laute Musik ist schlecht f\u00fcrs Gesch\u00e4ft. Die eigentliche Frage lautet: Gewinne ich durch diese Ma\u00dfnahme Kunden, die ohne sie nicht gekommen w\u00e4ren \u2013 und verliere ich dadurch andere, die ansonsten gekommen w\u00e4ren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine Heuristik, kein Naturgesetz<\/strong><br>Ob ein Restaurant mit leiser Musik tats\u00e4chlich mehr Umsatz erzielt als dasselbe Restaurant mit lauter Musik, l\u00e4sst sich aus einer solchen Matrix nat\u00fcrlich nicht beweisen. Daf\u00fcr w\u00e4ren empirische Untersuchungen notwendig. Business-Tic-Tac-Toe ist deshalb keine wissenschaftliche Formel, sondern eine einfache gesch\u00e4ftliche Heuristik. Sie soll Unternehmer dazu bringen, vermeintlich selbstverst\u00e4ndliche Entscheidungen einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten: Aus der Sicht des potentiellen Interessenten. Denn neue Kunden zu gewinnen ist auch ohne St\u00f6rer bereits schwierig genug. Man muss sie nicht zus\u00e4tzlich durch Dinge verprellen, die f\u00fcr das eigentliche Gesch\u00e4ft \u00fcberhaupt nicht notwendig sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schon immer st\u00f6rte mich laute Musik in Restaurants und Gesch\u00e4ften. 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