{"id":480,"date":"2013-11-27T23:34:00","date_gmt":"2013-11-27T22:34:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2013\/11\/27\/liver-als-das-leben\/"},"modified":"2013-11-27T23:34:00","modified_gmt":"2013-11-27T22:34:00","slug":"liver-als-das-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2013\/11\/27\/liver-als-das-leben\/","title":{"rendered":"Liver als das Leben"},"content":{"rendered":"<p>Mitte der Achtziger ging ich mal in eines der volkseigenen Schallplattengesch\u00e4fte, die in ihrem f\u00fcr normalsterbliche DDR-B\u00fcrger zug\u00e4nglichen Kundenbereich auch fast nur Tontr\u00e4ger von volkseigenen Musikern im Angebot hatten. Die aus verschiedenen Gr\u00fcnden begehrteren Produkte des westlichen Auslands gab es n\u00e4mlich nur in den Regalen der hinteren R\u00e4umlichkeiten. Als damals im Handel besch\u00e4ftigter Auszubildender hatte ich pl\u00f6tzlich Beziehungen in alle m\u00f6glichen Branchen und konnte einmal einen Blick in die versteckten Regale werfen, von AC\/DC bis fast zum oberen Ende des Alphabets war alles vorhanden. Mich interessierte aber mehr ein Album der mir unbekannten Band Omega aus Ungarn, ein Livealbum, aufgenommen 1979 im Budapester Kisstadion. Das ungew\u00f6hnlich gl\u00e4nzend folierte Cover und die attraktive Gestaltung lockten mir doch tats\u00e4chlich mein sauer erspartes Taschengeld aus dem Portemonnaie, ohne da\u00df ich auch nur einen einzigen Titel probegeh\u00f6rt h\u00e4tte. Da kann man mal wieder sehen, wie wichtig <a href=\"http:\/\/sunlions-sonnenseiten.blogspot.de\/2013\/06\/verrannt-in-ideologien.html\">gutes Design<\/a> ist!<br \/>Und ich wurde nicht entt\u00e4uscht: Zu Hause angekommen, st\u00f6pselte ich den Monoplattenspieler meiner Eltern mit meinem eigenen Monoplattenspieler zusammen, steckte den linken Kopfh\u00f6rerstecker in den einen und den rechten in den anderen Plattenspieler (DDR-Kopfh\u00f6rer hatten spezielle Stecker) und konnte die Platte pl\u00f6tzlich in ph\u00e4nomenalem Stereo h\u00f6ren. Ph\u00e4nomenal deshalb, weil die Tontechniker bei diesem Livealbum <a href=\"http:\/\/www.babyblaue-seiten.de\/index.php?albumId=1352&amp;content=review\">ganze Arbeit geleistet haben<\/a>. Das Publikum ist n\u00e4mlich nicht nur als menschliche Ger\u00e4uschmasse im Hintergrund zu h\u00f6ren, sondern die Fans sind so fein aufgel\u00f6st, da\u00df man einzelne Rufe und chorbildende Gr\u00fcppchen deutlich heraush\u00f6ren und dem Stereospektrum zuordnen kann. Dazu spielt die Band ihre Songs nahezu in Studioqualit\u00e4t, soda\u00df sich insgesamt eines der besten Livealben ergibt, die je produziert wurden.<br \/>2002 wuselte ich durch die Plattenabteilung bei Saturn und fand dieses Album als Doppel-CD im Regal, allerdings hatte ich es wegen meines am n\u00e4chsten Tages startenden Malediven-Urlaubs sehr eilig, soda\u00df ich beschlo\u00df, die CD nach meinem Urlaub zu kaufen.<br \/>B\u00f6ser Fehler! Ich sollte die CD danach nie wieder zu Gesicht bekommen, die Auflage war nur gering und sofort vergriffen, selbst auf dem Gebrauchtmarkt ist sie nicht zu bekommen, nicht mal f\u00fcr teures Geld. Irgendwann kaufte ich die \u00e4hnlich aussehende CD mit dem Titel \u201eLive at the Kisstadion\u201c, gab etwa 80 Euro daf\u00fcr aus, um dann entt\u00e4uscht festzustellen, da\u00df es sich um das Livekonzert mit dar\u00fcbergelegten, englischsprachigen Studioaufnahmen handelte, nat\u00fcrlich in grauenhafter Qualit\u00e4t. Die CD wanderte sofort wieder f\u00fcr 90 Euro zu Ebay.<br \/>Etwas sp\u00e4ter hatte ich das Warten auf ein Wunder satt und digitalisierte mit hohem Aufwand die Schallplatten, entfernte manuell jedes Knistern und Rauschen, f\u00fcgte die vier Seiten unh\u00f6rbar zu einem durchg\u00e4ngigen Konzert zusammen und mischte den Sound so ab, da\u00df er den wenigen Stellen der CD entsprach, die nicht von den englischsprachigen Gesangseinlagen \u00fcberlagert wurden. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen, die digitalisierte Fassung erinnerte kaum noch an die klanglichen Schw\u00e4chen einer Schallplatte.<br \/>Und heute nun geben ich im iTunes-Store mal aus Neugierde den Suchbegriff Omega ein, und was haben die da? Die digitale, ungarischsprachige Originalfassung von <a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/de\/album\/kisstadion-79-hungaroton-classics\/id628191795\">Kisstadion 79<\/a>! Also wer gute Rockmusik aus den Siebzigern mag, sich von der ungarischen Sprache nicht abschrecken l\u00e4\u00dft und eine gute, laute Stereoanlage sowie tolerante Nachbarn sein eigen nennt, sollte sich dieses hervorragende Livealbum mit seinen langen, melodi\u00f6sen St\u00fccken ruhig mal zu Gem\u00fcte f\u00fchren. Denn liver geht&#8217;s nicht.<\/p>\n<p>  <iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"\/\/www.youtube.com\/embed\/SJ3FbeXnD48\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Ejfeli koncert\/Mitternachtskonzert<\/p>\n<p> Herzersch\u00fctternder Sonnenuntergang hinter dem Kessel,<br \/>wo vor dem Konzert uns zehntausend erwarten.<br \/>Weiter hinten bei den Kulissen<br \/>sch\u00fcttelt ein \u00e4lterer Mann seinen Kopf und schenkt sich noch mal ein.<\/p>\n<p> Zehntausend Herzen trommeln gemeinsam,<br \/>die T\u00f6ne explodieren.<br \/>In der aufleuchtenden Nacht scheint es,<br \/>als ob zehntausend St\u00fchle sich zueinander neigten.<\/p>\n<p> Der Nebelzauber ist aus, nur eins bewegt uns.<br \/>Runter von der B\u00fchne, wieder auf die Erde.<br \/>Der zeitungsbleiche Mond scheint,<br \/>alles ist ausgestorben. Der Abend ist f\u00fcr immer vergangen.<\/p>\n<p> Es leben so viele Menschen auf der Erde,<br \/>so m\u00fcde wie ich ist keiner.<br \/>Ich schau auf ein zerknittertes Foto von uns,<br \/>es liegt auf der Erde. Der Wind hebt es dann sanft empor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte der Achtziger ging ich mal in eines der volkseigenen Schallplattengesch\u00e4fte, die in ihrem f\u00fcr normalsterbliche DDR-B\u00fcrger zug\u00e4nglichen Kundenbereich auch fast nur Tontr\u00e4ger von volkseigenen&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-480","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/480\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=480"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=480"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}