{"id":694,"date":"2012-02-11T20:50:00","date_gmt":"2012-02-11T19:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/sunlion.de\/wordpress\/2012\/02\/11\/absolut-echt\/"},"modified":"2012-02-11T20:50:00","modified_gmt":"2012-02-11T19:50:00","slug":"absolut-echt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/2012\/02\/11\/absolut-echt\/","title":{"rendered":"Absolut echt!"},"content":{"rendered":"<p>Die ersten musikalischen Kl\u00e4nge, an die ich mich erinnern kann, stammen von dem Lied <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tdLwbdfINnU\">\u201eSchlafe, mein Prinzchen\u201c<\/a>, das urspr\u00fcnglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben, tats\u00e4chlich jedoch von Bernhard Flies komponiert wurde und aufgrund der <a href=\"http:\/\/www.volksliederarchiv.de\/text559.html\">schl\u00fcpfrigen Zeile<\/a> \u201enur aus der Zofe Gemach h\u00f6rt man ein schmachtendes \u201eAch\u201c. Was f\u00fcr ein \u201eAch\u201c mag das sein? Schlafe, mein Prinzchen, schlaf ein.\u201c nach heutigen Ma\u00dfst\u00e4ben schon das Potential birgt, das unschuldige Kind nachhaltig zu traumatisieren*.<br \/>Aus den Siebzigern sind mir dann Erinnerungsfetzen von <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=3FsVeMz1F5c\">ABBA<\/a> und der Band Dawn mit <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=c3ouKAhxZbQ\">\u201eTie A Yellow Ribbon &#8218;Round The Ole Oak Tree\u201c<\/a> h\u00e4ngengeblieben, einer amerikanischen Gruppe, die au\u00dfer mir vermutlich kein Schwein kennt. Mir ist heute noch r\u00e4tselhaft, wie diese aus dem kapitalistischen Ausland stammende Musik in das <a href=\"http:\/\/www.radiomuseum.org\/r\/stern_roch_stradivari_ii.html\">DDR-R\u00f6hrenradio<\/a> meiner Eltern gelangen konnte. Aber auch aus der ostdeutschen Musikszene ist gelegentlich was h\u00e4ngengeblieben, beispielsweise Mucks <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6GIXfxEZcqk\">\u201eIsabelle, komm setz Dich auf mein B\u00e4renfell\u201c<\/a>, was mit der schmutzigen Phantasie eines verdorbenen Erwachsenen auch schon recht zweideutig ist.<br \/>Musikalisch so richtig aufgewacht bin ich dann aber erst in den Achzigern, wenngleich sich der erste Kontakt noch etwas schwierig gestaltete: Ein Mitsch\u00fcler hatte \u00fcber Beziehungen das in der DDR nur unter dem Ladentisch erh\u00e4ltliche AC\/DC-Album \u201eHighway To Hell\u201c ergattert und spielte mir die einzelnen Titel kurz an, bis ich \u201eweiter\u201c sagte. Hinter den magischen vier Buchstaben mit dem Blitz dazwischen mu\u00dfte sich doch irgendein faszinierendes Geheimnis verbergen, ansonsten h\u00e4tte man sie damals nicht in jede Schulbank eingeritzt. Der letzte Titel <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=I6TzeuxwO7A\">\u201eNight Prowler\u201c<\/a> auf Seite Zwei erweckte dann immerhin gen\u00fcgend Interesse, um sich die M\u00fche zu machen, ihn mittels eines an den Lautsprecher gelehnten Mikrofons auf Kassette zu bannen. Aber die Initialz\u00fcndung gab es erst sp\u00e4ter auf einer Klassenfahrt nach Brandenburg: Auf dem Zeltplatz trieben sich Jungs aus den benachbarten D\u00f6rfern herum, vermutlich um unsere coolen Stadtm\u00e4dels kennenzulernen, was uns aber nicht weiter st\u00f6rte, denn einerseits interessierten wir uns damals noch nicht so sehr f\u00fcr M\u00e4dels und andererseits waren die Ger\u00e4usche, die aus den mitgebrachten Kassettenrekordern der Dorfjugend an unsere Ohren drangen, tausendmal interessanter. Es handelte sich um die AC\/DC-Alben aus den Siebzigern. Diese raue, kratzige, schmutzige Stimme, die s\u00e4mtlichen Klischees \u00fcber \u00e4sthetischen Gesang widersprach, gepaart mit einer erdigen, schleppenden, harten und verzerrten Musik hatte eine Wirkung, als w\u00fcrde einem direkt vor der Nase ein echt abgefahrenes UFO aus den Weiten des Weltraumes in einem spektakul\u00e4ren Ballett seine spinned\u00fcrren, rostigen Landebeine ausklappen. Die Stimme des S\u00e4ngers <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=5TUGYpM8Gww\">Bon Scott<\/a> klang wie ein rasselnder, klappernder Motor, so alt, kaputt und fremdartig und dennoch so \u00fcberaus sexy. Ich interessierte mich sp\u00e4ter auch noch f\u00fcr andere Heavy-Metal-Bands, aber das hielt nicht lange, denn ich durchschaute schnell das affige M\u00e4nnlichkeitsgehabe mit all seiner theatralischen Symbolik wie Totenk\u00f6pfen, Leder und Bergen von Nieten.<br \/>AC\/DC hingegen waren anders. Auch wenn sie ihre B\u00fchnenkarriere unter dem pfauenhaften S\u00e4nger Dave Evans zun\u00e4chst mit <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cyMmVBHTPhw\">albernen Kost\u00fcmen<\/a> begannen, fanden sie mit Bon Scott doch schnell zur\u00fcck zum Kern der Sache \u2013 der Musik. So, wie sie auch auf die Stra\u00dfe gingen, in Jeans und Turnschuhen, so standen sie auch auf der B\u00fchne. Sie waren \u2026 echt \u2026 und sind es bis heute geblieben. <br \/>Sp\u00e4ter tourte ich dann als Roady und Techniker mit einer rollenden Diskothek durch&#8217;s Land, was meinen Musikgeschmack erheblich erweiterte. Heute h\u00f6re ich fast alles, von Rock und Pop bis hin zur Klassik. Manches ist vergangen und vieles geblieben. Aber mit AC\/DC-Songs kann man mich noch immer hinter der computergesteuerten Gasetagenheizung hervorlocken.<br \/>Wer einen Wettstreit der besten deutschen AC\/DC-Coverbands erleben und die guten alten Songs aus den Siebzigern noch mal h\u00f6ren m\u00f6chte, hat am kommenden Samstag, dem 18. Februar dazu die Gelegenheit. Im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei findet wieder das allj\u00e4hrliche <a href=\"http:\/\/kulturbrauerei-berlin.de\/de\/programm\/tribiute-acdc\/?date=Samstag,%2018.02.2012,%2020:30%20-%20Sonntag,%2019.02.2012,%2001:00\">\u201eTribute to AC\/DC\u201c<\/a> statt. Die letzten Jahre hat sich das immer gelohnt, auch wenn nicht jede Band an das Original heranreicht. Vor zwei Jahren kamen Back in Black (oder Back to Black?) aus Th\u00fcringen und borgten sich Achim, den ehemaligen S\u00e4nger der Berliner Band <a href=\"http:\/\/high-voltage.tv\/index.html\">High Voltage<\/a> aus. Die Band spielte millimetergenau die alten St\u00fccke nach, und Achim hatte als einer der wenigen auftretenden S\u00e4nger die passende Stimme: wie ein rasselnder, klappernder Motor. Alt, kaputt, fremdartig und dennoch so \u00fcberaus sexy.<\/p>\n<p>* Wenn eine automatische Rechtschreibkorrektur aus \u201etraumatisieren\u201c \u201etraumatischeren\u201c macht, sollte sie vielleicht doch noch mal zur Schule gehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die ersten musikalischen Kl\u00e4nge, an die ich mich erinnern kann, stammen von dem Lied \u201eSchlafe, mein Prinzchen\u201c, das urspr\u00fcnglich Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben, tats\u00e4chlich jedoch&hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-694","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/694","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=694"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/694\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=694"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=694"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sunlion.de\/blog\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=694"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}