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Aktueller Zustandsbericht der deutsch-britischen Beziehungen

Ich musste gerade zu einer Messe nach Friedrichshafen …, ich hatte zwar ’ne fiese Erkältung mit hohem Fieber, garstigem Husten und dicken Augen, aber ich musste trotzdem hin, denn Messen pflegen nicht auf Rekonvaleszenten zu warten.
     Hin- und Rückflug, jeweils mit Umsteigen und gebucht bei Lufthansa, gestalteten sich so: Erster Streckenabschnitt, von Berlin nach Frankfurt – 25 Minuten Verspätung, zweiter Abschnitt nach Friedrichshafen – 30 Minuten Verspätung.
     Beim Rückflug legte Lufthansa – „Europas erste Fünf-Sterne Airline“ – so nennen sie sich selbst, inklusive fehlendem Koppel-Divis hinter „Sterne“, noch mal kräftig nach: Beide Flüge gestrichen. Keine Information über das Wieso und Warum, was geht das auch den Kunden an? Sie buchte die Flüge einfach um und fertig!
     Der erste Abschnitt führte nun über Düsseldorf, bedient von British Airways in einer brummeligen alten Schnurre, einer Dornier 328, mehr Liebhaberstück als Flugzeug und mit höchstens 30 Sitzen ausgestattet. Die deutsche Stewardess mit Traumberuf seit über 30 Jahren was sooo nice und very british, ein picture book template für perfekten Service und makellose Freundlichkeit: „Möchten Sie noch etwas Tea, Sir? … darf ich noch mal nachschenken? … ist das Wetter nicht wundervoll?“ Hätte sie mir noch ein buntes Häkelkissen gereicht – ich wäre sofort in der letzten Sitzreihe eingezogen.
     „Möchten Sie wirklich nichts von den ungenutzten Speisen mitnehmen?“ Und ich Idiot habe das dankend abgelehnt! Denn die Weiterreise verlief bretthart, knüppeldick und kernig deutsch: Fast pünktlich dabei, die Türen zu schließen, entdeckte Germanwings (ein deutsches Tochterunternehmen mit englischem Namen von … tadaa – Lufthansa!) ein paar Kerosintropfen an Teilen der Tragfläche, wo keine Kerosintropfen hätten sein sollen. Der flaumbärtige Pilot, bewaffnet mit giftgrün leuchtendem Ostfriesennerz (heutzutage ein gefährlich diskriminierender und nur noch als Satire zu entschuldigender Begriff) und gelb leuchtender Taschenlampe sah nicht begeistert aus, als er nach einem persönlichen Check der Tragfläche wieder das Flugzeug betrat: „Es tut uns wirklich leid, dass es uns leid tut, weil es uns wirklich, wirklich leid … entschuldigen wir uns vielmals … vielmals … entschuldigen … uns leid …“
     Gestrandet in Düsseldorf. Das grausame Schicksal vieler Ruhrpöttler, nun geteilt von mir, einem waschechten Hauptstädtler! Keine weiteren Maschinen nach Berlin an diesem Abend. Erst am nächsten Morgen. Keine freien Hotelzimmer in der Stadt, aufgrund einer Messe.
     „Dschörmänwinks“ organisierte immerhin blitzschnell drei Busse, welche die Acht-Stunden-Strecke in nur sechs Stunden schafften. Allerdings ersetzt dies nicht mein kuschelig warmes Bett, denn dieses hat einerseits keine schlecht ausgewuchteten Räder, welche den Bus heftig und mit hoher Frequenz durchschüttelten und dem Busbesitzer in nicht allzu ferner Zukunft teure Lagerschäden verursachen werden, und andererseits kommen in meinem Schlafzimmer nicht eine Handvoll Leute nachts um halb drei plötzlich auf die Idee, lustige Partys zu feiern, angeleitet von einer jungen Pseudo-Latino-Barbie im Leopardendress, mit Selbstwertdefiziten und extrem nerviger Stimme, was als Beschreibung keineswegs übertrieben, heutzutage jedoch auch schon als hochgradig rassistisch und völkerverachtend einzustufen ist.
     An welcher Stelle fing es eigentlich an, schiefzugehen, mit all den guten Namen wie Deutsche Bundesbahn, Deutsche Lufthansa, Deutsche Telekom und Deutsche Bundespost? War das vor oder nachdem uns die Politiker erzählten, wie gut doch die Privatisierung für uns alle werden würde?
     Wo nur ist dieses Land inzwischen … Achtung, Wortspiel – gelandet? Allein schon, dass ich auf solche Wortspiele hinweisen muss, stimmt mich traurig. Noch trauriger stimmt mich, dass derartige Alltagsbeschreibungen inzwischen ganz normal sind.