Boschi ist tot. Naja, nicht richtig tot. Aber schwer verletzt. So schwer, dass der Techniker davon abriet, ihn noch mal wiederbeleben zu wollen.
Siebzehn Jahre lang hat Boschi tapfer das für mich erledigt, was ich nicht mehr tun wollte. Auch mal nachts, während ich schlief. Meine Mutter quälte mich immer damit, als ich noch halbwüchsig und von ihr abhängig war. Während sie das Geschirr per Hand abwusch, musste ich es abtrocknen und dabei Russisch-Vokabeln üben. Konjugieren, deklinieren, und das bei einer Sprache, die sechs Fälle kennt! Kein Wunder, dass ich Abwaschen nicht mochte. Dennoch kaufte ich mir von meinem ersten Westgeld zunächst meine Traum-Hifi-Anlage, die ich auch heute noch besitze und verehre. Boschi kam erst später hinzu, als ich die wöchentlich bedenklich anwachsenden Geschirrstapel leid war.
Dabei war Boschi recht simpel gestrickt: Ein- und Ausschalter sowie ein Drehknopf, mit dem man eines von vier Programmen auswählen konnte. Mehr gab es nicht. Und das reichte auch vollkommen aus, um den Geschirrstapel vollautomatisch in den Zustand absoluter Reinheit rückzuführen. Man glaubt gar nicht, dass anschließend nur das simple Ausräumen des Spülers noch nerven konnte!
Nun ist er also weg. Zwei nette polnische Lieferfahrer nahmen ihn mit, als sie den neuen brachten. Vielleicht nehmen sie sich seiner ja an und finden einen Weg, die defekte Umwälzpumpe doch noch kostengünstig zu ersetzen und ihm so eine zweite Chance zu bescheren.
Der neue Geschirrspüler zeigt mir nun überdeutlich, wie lange siebzehn Jahre sein können, denn es hat sich viel verändert. Statt Schalter und Drehknopf protzt er mit 14 Tasten, einer Menge Lämpchen und einem tollen Display mit Zeitanzeige und vielen Extrasymbolen. Außerdem kann ich ihn über mein Handy steuern. Wenn ich will.
Leider macht das alles die Bedienung nicht einfacher. Somit ist dieser Geschirrspüler das erste Küchengerät, für dessen Bedienung ich eine Anleitung lesen muss, die ich aber selbst nach mehrfachem Lesen nicht gleich verstanden habe, und wovon ich das meiste mir wohl auch nicht werde merken können. So wird von den ganzen tollen Features vermutlich nur das Eco-Programm zum Einsatz kommen, das ist nämlich voreingestellt, wenn ich den Einschalter betätige. Da muss ich nur noch auf Start tippen, dann läuft die Sache. Eigentlich wollte ich doch einfach nur Geschirr abwaschen. Wobei die Betonung auf „einfach“ liegt.
Schade. Ich habe vergessen, von Boschi noch ein Abschiedsfoto zu machen, zur Erinnerung an siebzehn gemeinsame Jahre, in denen er mir „einfach“ das Leben etwas erleichtert hat. Siebzehn Jahre. Vergangen wie im Flug. Ob der neue auch so lange durchhält? Ich bin mir nicht sicher, wenn ich ihm so in sein Terminatorgesicht schaue.


Pingback:Schachmatt für Schoko – Sunlions Sonnenseiten