Menü Schließen

Bewerbung in Zeiten des Fachkräftemangels

Liebe Unternehmen,

die Jobbörsen quellen inzwischen über, mit Stellenangeboten in fast jeder Branche. Der medizinische Bereich jammert und wehklagt wegen Überarbeitung auf Grund akuten Personalmangels, noch schlimmer sind die Zustände in der Informationstechnologie. Im schicken Berliner Stadtteil Mitte stehen abends die Talentsucher an den Ausgängen von IT-Firmen und versuchen, Administratoren und Entwickler abzuwerben. Auch die Kreativbranche boomt, überall werden Grafiker und Marketingfachleute gesucht. Die Seitenanzahl mit Angeboten in diversen Jobbörsen ist zeitweise drastisch angewachsen, und die Bewerberzahl in den letzten zehn Jahren von rund 120 auf unter zehn pro Stelle eingebrochen, wobei man davon ausgehen muss, dass etwa neunzig Prozent aller Bewerber aus unterschiedlichen Gründen ungeeignet sind.
     Deswegen, liebe Unternehmen, ist es keine besonders schlaue Idee, per E-Mail eintrudelnde Bewerbungen auf das hauseigene Onlinebewerbungsportal zu verweisen, denn das mühsame Eintragen eines umfangreichen Lebenslaufes dauert erfahrungsgemäß bis zu 45 Minuten, insbesondere bei erfahrenen Bewerbern, die schon ein paar Jahrzehnte Berufserfahrung angesammelt haben. In derselben Zeit kann ein Bewerber nämlich auch zwanzig, dreißig Bewerbungen an andere Unternehmen versenden, die E-Mails akzeptieren.
     Ganz besonders dämlich ist es jedoch, die wenigen aussichtsreichen Personen, die nach dem Aussieben aller eingegangenen Bewerbungen übriggeblieben sind, bei persönlichen Gesprächen mit überflüssigen Psychospielchen zu verprellen. Was für eine Antwort erwartet Ihr eigentlich auf die Frage nach den drei schlechtesten Eigenschaften? Ich habe ein massives Alkoholproblem? In meinem Keller sind unter einer verborgenen Klappe 100 Jungfrauen eingesperrt? Nachts streife ich über Friedhöfe und werde zum Werwolf? Ehrlich, Leute, könnt Ihr Euch das heutzutage noch leisten?
     Ach, und noch was: Man duzt keine fremden Personen in geschäftlichem Kontext. Das ist unhöflich, distanzlos und unprofessionell.
     Glücklicherweise gibt es auch noch Firmen, die all das nicht nötig haben. Und die werden auch in Zukunft noch gute Mitarbeiter finden. Zum Beispiel mich!
     Ätsch-bätsch!

Mit hämischen Grüßen
(Nicht) Euer Sunlion