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Endlich weg!

Wilhelm ist weg! Einer der rätselhaftesten und auf nicht gerade angenehme Weise verrücktesten Kollegen, die mir in meinem Arbeitsleben so begegnet sind, wurde gestern entlassen. Endlich. Es war nicht mehr auszuhalten! Nicht nur aggressive Menschen, die herumbrüllen und Dinge durch die Gegend schmeißen, können ein Problem sein, auch passiv aggressive, die ständig Widerstand leisten, in dem sie sich einfach nicht bewegen, immer wieder mühevoll angeschoben werden müssen, um kurz darauf doch nur wieder zum Stillstand zu kommen, die den vorgegebenen Weg unerwartet verlassen oder gar an den Anfang zurücktrudeln.
     Mit welch bizarren Marotten Wilhelm seine Kollegen zu nerven pflegte, hatte ich in einem anderen Beitrag bereits beschrieben. Selbst bei über 30°C rannte er draußen mit Jacke herum und kam völlig verschwitzt im Büro an. Auf meine Frage, warum er denn die Jacke nicht ausziehe, antwortete er: „Damit man die Schweißflecken auf dem T-Shirt nicht so sieht“, und ließ sich auf Teufel komm raus nicht davon überzeugen, dass ohne die Jacke vielleicht gar keine Schweißflecken entstehen würden.
     Nachdem die Zusammenarbeit nun immer schwieriger wurde, hatte wohl neben der Abteilungs- auch die Geschäftsleitung eingesehen, dass es so nicht weitergehen kann. Man stelle sich vor: Ein Mitarbeiter brütet zweieinhalb Jahre (ja – nicht Tage, Wochen oder Monate, sondern Jahre!) über einer Aufgabe, die jeder andere in spätestens zwei Wochen erledigt hätte. Und niemand weiß, wie weit er damit bereits ist. Auf Nachfragen erhält man die nichtssagende Antwort – das dauert noch. Blöd, dass man erst in der Retrospektive erkennt, wie sehr das Ganze schiefgelaufen ist, denn während man sich auf dem Weg befindet, besteht immer noch die vage Hoffnung, das Ziel könnte morgen oder übermorgen endlich erreicht werden.
     Nun hätte jeder halbwegs intelligente, kommunikative Mensch die Sache garantiert anders angepackt. Er hätte gesagt – sorry, Chef, aber damit kenne ich mich nicht aus. Oder: Naja, ist nicht mein Fachgebiet, aber ich arbeite mich mal rein und gebe in ’nem Monat Rückmeldung. Und er hätte sich gemeldet, sobald absehbar gewesen wäre, dass die Aufgabe nicht in akzeptabler Zeit zu erledigen ist.
     Nicht so Wilhelm. Er übernahm die Aufgabe kommentarlos, ohne Warnung oder Hinweise auf möglicherweise mangelnde Kompetenzen, bastelte zweieinhalb Jahre daran herum, verweigerte jede Auskunft über den aktuellen Stand und die geschätzte Restdauer. Nebenher stapelten sich weitere Aufgaben. Er verweigerte stur jegliche Gesprächs- und Hilfsangebote, ließ Fristen verstreichen, ignorierte Detailabsprachen und Handlungsanweisungen und sabotierte gelegentlich Maßnahmen anderer Kollegen, was erst nach schriftlicher Ermahnung abgestellt wurde. Wie ein störrischer Esel. Unbelehrbar, unkontrollierbar, nicht steuerbar. Bis gestern.
     Nun ist er also weg, und das Büro damit deutlich weniger stressig, ohne die ständig aufgerissenen oder geschlossenen Fenster. Ich bin sehr erleichtert. Ein Problem weniger. Eins von vielen.