Neben vielen anderen kleinen Aufgaben bin ich in dem Unternehmen, welches mich anzustellen sich durchringen konnte, auch für die Vorauswahl der Bewerber zuständig. Nicht, dass ich Leute aussieben dürfte, weil mir deren Nase nicht passt, nein, ich muss nur prüfen, ob bestimmte Schlüsselwörter in der Bewerbung auftauchen, damit es überhaupt sinnvoll ist, sie nach oben durchzureichen. Ihr würdet nicht glauben, was da so alles reinkommt. Manche Bewerber haben durchaus aussichtsreiche Eigenschaften, vergessen jedoch, ihre Kontaktdaten anzugeben.
Als ich noch zur Schule ging, war das Bewerten von Leistungen einfach. Es gab fünf Noten, von 1 bis 5, also von sehr gut bis beschissen. Das verstand jeder, und das konnte man sich auch merken. Heute läuft das irgendwie anders. Das Zeugnis einer mir vorliegenden Bewerbung enthält Ziffern wie 07, 10, 11 oder 09. Was sie bedeuten, steht nicht dabei. Wenn bei Mathematik also steht: 09, ist das dann gut oder schlecht? Neun auf einer Skala von zehn? Oder hundert? Oder tausend? Oder ist neun extrem schlecht und eine eins, wie früher, ausgezeichnet?
Da am Ende irgendwie alles zusammengerechnet wird, scheint es sich um Punkte zu handeln, und dennoch steht die Frage im Raum, sind 09 Punkte in Mathematik gut oder schlecht, denn es steht nicht daneben, wie viel man denn maximal erreichen kann. Bei maximal möglichen 20 Punkten wären 09 also unterdurchschnittlich.
Am Ende gibt es verschiedene Punktsummen und eine Gesamtpunktzahl. 490 Punkte von höchstens 900 Punkten sind verständlich, es handelt sich offenbar um einen mittelguten Wert, der dennoch keine Rückschlüsse über die Qualifikation in den einzelnen Fächern zulässt.
Meeensch, Leute, wer soll da noch durchblicken?
Dafür gibt’s von mir ’ne glatte 5!
Setzen!
