Die Nachrichtensendungen des heutigen Abends jammern, heulen und schimpfen im Panikmodus, angesichts des Ergebnisses der britischen Abstimmung über den Austritt aus der EU. Erneut werden die mutmaßlichen Folgen in schwärzesten Farben beschrieben, die Arbeitslosigkeit, die Wirtschaft, die Börse … das übliche Blabla, mit dem bereits vor der Abstimmung ordentlich Stimmung gemacht wurde. Die auf der Straße interviewten Personen jammern mit den Medien im Gleichklang, erstaunlich, dass sowohl bei Pro 7, RTL als auch in der Heute-Sendung des ZDF kaum ein Gegenkandidat zu Wort kam. So macht man Stimmung! Lediglich in den Sondersendungen durften sich ein paar wenige Brexiter äußern. Ansonsten musste der Zuschauer sich Dummheiten anhören, wie die von der blondierten, kaum volljährigen Tussi: „Es waren überwiegend Ältere, die für den Brexit gestimmt haben, und später, wenn es die vielleicht schon gar nicht mehr gibt, dann müssen wir mit den Folgen leben!“ Ach ja, richtig – Ältere sind ja schon altersdement und sollten gar nicht mehr wählen dürfen! Tja, Tussi, aber jetzt schalte mal kurz Dein Gehirn ein, wenn Du eins hast, und denk nach: Warum wohl haben gerade Ältere dafür gestimmt? Vielleicht, weil sie Großbritannien noch aus der Zeit vor der EU kennen und wissen, dass es damals besser war und die Insel auch nach einem Austritt nicht untergehen wird?
Ganz besonders bezeichnend fand ich jedoch eine Stellungnahme der EU über die anstehenden Austrittsverhandlungen: Großbritannien werde keinen Sonderstatus erhalten, gegenüber anderen Nicht-EU-Staaten. Man werde die Verhandlungen mit harten Bandagen führen, schon um mögliche Nachahmer abzuschrecken!
Nein, das war kein Witz! Das haben die wirklich gesagt! Erstaunlich, wie unbekümmert die Vertreter der Europäischen Union eingestehen, dass Druck, Zwang und Angst zulässige Bestandteile des politischen Instrumentariums sind!
Doch wenn die Gemüter sich irgendwann beruhigt haben und die Entscheidungen wieder von den rational handelnden Global Playern getroffen werden, also den Großkonzernen und Banken, dann wird man mit Sicherheit schnell wieder individuelle Regelungen für die Beziehungen mit Großbritannien finden, schließlich wäre es ja schade, wenn die Umsätze unter dem Austritt leiden. Es wird Sonderregelungen geben für grenzüberschreitend Werktätige, für Steuern, Finanzen, Zölle, und natürlich für Reisende. 1995 gab es die EU schließlich auch noch nicht, und trotzdem habe ich auf meiner Reise nach London keine fünf Minuten an der Grenze warten müssen. Die Kontrolle selbst verlief unkompliziert wie anderswo auch, etwa an der polnischen oder tschechischen Grenze. Oder bei der Fahrt nach Österreich. Der Schweiz. Frankreich …
