Nachfolgender Text ist für alle glücklichen Besitzer eines Denon-DP-47f-Plattenspielers, die wie ich ein Problem mit dem plötzlich festhängenden Tonarm haben. Allen anderen Lesern empfehle ich meine weniger techniklastigen Beiträge.
Schon seit längerer Zeit bekümmerte mich der Umstand, dass der Tonarm dieses erstklassigen Denon-Vollautomaten nicht mehr vollautomatisch die gewünschten Platten abspielen wollte. Er hing in seiner Halterung fest und benötigte stets einen kleinen Stups, um sich in Bewegung zu setzen. Sämtliche Recherchen im Internet führten ins Leere, und so blieb das Problem bestehen. Plattenhören nur mit Stups. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Anleitung für die Behebung des Problems anbieten.

Heute, einen Tag vor Weihnachten, hatte ich endlich mal Zeit, mich wieder damit zu befassen und bastelte am Denon herum, was nicht ungefährlich ist, weil es sich um ein Meisterwerk … ach, fast schon ein Wunderwerk japanischer Ingenieurskunst handelt, ein Gerät aus der Hochzeit der Hifi-Industrie der Achtzigerjahre: Ein Plattenspieler mit quarzverriegelter Geschwindigkeit und servogesteuertem Tonarm.
Man muss sich das so vorstellen: Herkömmliche Tonarme bestehen im Wesentlichen aus einem langen Rohr, welches über Achsen und Lager beweglich mit dem Gehäuse verbunden ist. Beim Denon ist der Tonarm mit Sensoren gespickt und motorisch gesteuert. Die technisch beste Art, Schallplatten abzutasten. Hat die Platte einen Höhen- und/oder Seitenschlag durch Verformung und/oder dezentriertes Mittelloch, registrieren die Sensoren die Bewegung des Tonarms, berechnen die Bewegung für die nächste Plattenumdrehung voraus und synchronisieren die Tonarmbewegung mit dem Plattenschlag. Der Arm hat also stets die perfekte Auflagekraft, was man auch hören kann. Meine verzogene „Wish you where here“ von Pink Floyd leiert auf herkömmlichen Plattenspielern ganz erbärmlich, denn durch einen kräftigen Höhenschlag bei Titel 1 wird aus der Synthiefläche von „Shine on your crazy Diamond“ eine Leierkastenorgel, weil die Nadel am Höhenschlag stark eingedrückt wird. Der Denon hingegen spielt die Stelle sauber ab, kein Leiern, stattdessen perfekte Musik!
Wegen all dieser komplizierten Technik ist es daher aber auch schwierig und gefährlich, das Gerät zu öffnen und mal eben den Tonarm auszubauen. Eine falsche Schraube gelöst, ein falsches Kabel zu sehr gedehnt oder abgerissen, schon hat man ein Problem, dass sich mangels Ersatzteilen und auch Fachleuten nicht mehr lösen lässt.

Die Strategie ist also, möglichst wenig zu verändern und auseinanderzunehmen. Mit diesem Vorsatz schraubte ich heute den unteren Deckel ab und versuchte mehr oder weniger gut, das innenliegende Kugellager des Tonarms mit Wattestäbchen und WD40 zu reinigen und anschließend zu ölen. Leider brachte dies keine Besserung, der Tonarm hing noch immer fest.
Also schraubte ich alles wieder zusammen und versuchte mit selbstgebasteltem Werkzeug (eine Kreditkarte mit angetackertem Stoff und WD40) das obere Kugellager zu reinigen, was wegen des niedrigen Spalts zwischen Tonarm und Gehäuse fast unmöglich ist. Lediglich das Ölen des Lagers klappte irgendwie mit einem flachen Uhrmacherschraubenzieher. Doch auch das brachte keine Besserung.

Um das Öl besser zu verteilen, schwenkte ich den Arm hin und her, unbeabsichtigt auch hoch und runter. Dabei fiel mir ein knarzendes Geräusch im Bereich des Tonarmlagers auf. Es kam aus dem „Nebenlager“ der Tonarmführung. Diese besteht aus einer Führung (wie ein Kugelschreiber) und einem darin beweglich gelagerten Stift (wie eine Kugelschreibermine). Dieser Stift ist in der Führung gefedert aufgehängt, ragt unten heraus und hat am Ende eine Gummikugel, die auf einer halbkreisförmigen Fläche auf dem Gehäuse gleitet. Ich habe den Stift auf nachfolgendem Foto rot markiert:

Wenn mechanische Teile knarzen, sollte man gut zuhören und es nicht einfach ignorieren, dann wollen sie einem etwas Wichtiges mitteilen, sie betteln dann nämlich lauthals um Schmierung! Also ließ ich von oben einen Tropfen Feinmechanikeröl auf den Stift fallen, drückte in mehrmals hoch und runter … und siehe da – das Knarzen war verschwunden! Der anschließende Test zeigte auch sofort, dass der Tonarm nicht mehr festhing, sondern sich wieder ganz normal bewegte.
Nach kurzem Durchdenken ist mir nun auch klar, was genau das Problem gewesen ist: Wenn der Stift sich nicht frei in der Führung bewegen kann, dann kann er im laufenden Betrieb nicht leicht genug in die Führung hineingleiten, er leistet also Widerstand, was sich in erhöhtem Druck der Gummikugel auf die halbkreisförmige Lauffläche bemerkbar macht, was wiederum den Tonarm in seiner Seitwärtsbewegung hemmt. Oder anders formuliert: Der Tonarm läuft mit angezogener Handbremse.
Somit würde ich erst mal davon ausgehen, dass das Problem damit gelöst ist. Wenn der Arm sich in ein paar Monaten noch immer frei bewegen kann, wird es das wohl gewesen sein!
Vielen Dank noch mal an @Lucky_8473 aus dem Hifi-Forum für das Richten meiner Aufmerksamkeit auf die seitliche Tonarmführung, sonst wäre ich wohl nicht so schnell drauf gekommen!

