Wenn Samstagnachmittag über den Schwarzweißfernseher meiner Eltern die Flimmerstunde mit Prof. Flimmrich flimmerte, und zufällig mal wieder die russischen Märchenfilme mit der Hexe Baba Jaga und ihrem sich auf einem Hühnerbein drehenden Hexenhäuschen liefen, dann empfand ich etwa Zehnjähriger das schon als ziemlich gruselig. Wie gruselig muß dann ein nicht mal fünfjähriges Kleinkind einen perfekt animierten, dreidimensionalen Tiger empfinden, der hinter Mogli, dem minderjährigen Haupthelden des gerade angelaufenen Kinofilms „The Jungle Book“ hinterherjagt?
Anscheinend ziemlich gruselig, denn die Kleinkinder um mich herum verfielen bei den etwas heftigeren Szenen jedesmal in hektisches Angstgeplapper, das auch durch gutes Zureden der begleitenden Eltern nicht einzudämmen war.
Das Buch las ich übrigens auch schon in frühestem Kindesalter, und ich fand es sehr spannend, wortgewaltig und bildhaft, also ganz so, wie ein gutes Buch sein sollte. Allerdings habe ich sowohl den Verlauf der Geschichte als auch die eher verhaltende „Äktschn“ etwas anders in Erinnerung, als sie sich heute im Film präsentierte. Sagen wir mal, gegen den Film ist das Buch eher ein Laumann. Es kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf, einfach weil es ständig etwas zu entdecken gibt. Und überhaupt, die Tiere: Perfekt animiert und vollständig verschmolzen mit der realistisch wirkenden Umgebung, so daß es unmöglich ist, zu sagen, was davon noch real gefilmt und was im Computer entstanden ist. Etwa in der Szene, wo Mogli auf dem Bär sitzend den Fluß entlangschwimmt. Während man im Film „Titanic“ die am Schiffsrumpf entlangplätschernden Wellen noch eindeutig als computeranimiert zu identifizieren vermochte, so bewegt sich der flauschige Bär völlig natürlich im klaren Wasser, mit nassem Pelz, Lichtreflexionen und Piapapo. Dazu noch ein paar lustige Sprüche („das ist keine Dschungelregel, das ist Propaganda!“) und ein „heißes“ Finale, schon hat man einen unterhaltsamen Familienfilm. Vorausgesetzt, man läßt die Kinder zu Hause.
Unbedingt bis zum Schluß ansehen sollte man sich auch den Abspann, dort durften sich die 3D-Animateure nämlich nochmal so richtig schön kreativ austoben!
