Ich weiß auch nicht, soll ich jetzt nochmal was über James Bond schreiben? Hab gerade mal meinen Blog durchgenudelt und festgestellt, daß die letzte Bondkritik auch schon wieder fast auf den Tag genau drei Jahre her ist. Meine Güte, wie die Zeit vergeht!
Keine Ahnung, woran es liegt, entweder reißen mich die Filme in letzter Zeit einfach nicht mehr so vom Hocker, weil man irgendwann Verfolgungsjagden, Schießereien und Schlägereien aus wirklich jeder erdenklichen Perspektive schon mal gesehen hat, oder die Filme neuerdings nur noch lieblos heruntergekurbelt werden, oder weil ich schlicht und ergreifen einfach mal schon ein ganzen Stück weit hinterm Jordan und damit nicht die passende Zielgruppe bin.
Sagen wir mal so: Während ich Adeles Bond-Song erst scheiße fand und nach dem Anschauen der gelungenen Titelsequenz in meine Top-10 der besten Filmtitel aufnahm, fand ich Sam Smiths neuen Bond-Song auch nach dem Anschauen noch scheiße, was er selbst aber angeblich wohl auch so sieht.
Einige der humorvollen Sprüche waren hingegen wirklich witzig. Etwa als Q Bond seine neue Uhr überreicht und der fragt: „Kann die irgendwas? – „Ja, sie zeigt die Zeit an.“ Und die ohne sichtbare Schnitte gedrehte, fünf Minuten lange Anfangssequenz war auch sehr nett. Danach sind ein Haufen Leute tot oder obdachlos oder beides, wofür sich Mister Bond wie üblich rechtfertigen muß und wie immer erstmal außer Dienst gestellt wird. Woran er sich auch diesmal selbstverständlich nicht hält und munter weiter durch die Gegend marodiert. Dann vernascht er eine trauernde Witwe, Miss Geldpfennig hingegen kriegta auch diesmal wieder nicht rum, oder sie ihn, wer weiß das schon. Anschließend dringt er in eine Veranstaltung der größten Verbrecherorganisation der Welt ein, und zwar einfach so, und nachdem er entdeckt wurde, flieht er wieder, auch einfach so. Also echt, Leute, da ist ja die Kaufhalle umme Ecke besser bewacht!
Zwischendurch zieht sich der Film immer mal wieder etwas hin, unterbrochen von ein wenig Äktschn, bis Bond endlich die handelsübliche Hauptdarstellerin triff, die sich wie üblich erst etwas ziert, sich dann aber doch flachlegen läßt. Danach wieder laaange Zeit nix von Bedeutung, bis sich die beiden in die Höhle des Bösewichtdarstellers wagen, was ich deshalb so despektierlich formuliere, weil der milchgesichtige Christoph Waltz als Bösewicht einfach nur eine lächerliche Witzfigur abgibt, und zwar in jedem Film, den ich bisher mit ihm gesehen habe. Ehrlich, da fürchte ich mich mehr, wenn Mutti ruft, ich soll mal in die Küche kommen! Keine Ahnung, was Hollywood in dem Mann sieht, aber die Hauptrolle in der Roy-Black-Story, wo ich als Komparse mitwirken „durfte“, paßte irgendwie besser zu ihm.
Schließlich kommt unser Roy Black auf die brilliante Idee, dem armen James ein paar Löcher ins Gehirn zu bohren, um so eine Funktion nach der anderen auszuknipsen, aber wie das so bei Bösewichten ist, sie sind ein kleines bißchen doof, und so vergißt Roy leider, Bonds Betthäschen ordentlich festzubinden, was die natürlich hemmungs- und rücksichtslos ausnutzt und Bond aus seiner mißlichen Lage befreit. Daraufhin begann ich zu sinnieren, wie Herr Black es denn bei derlei unprofessioneller Planung überhaupt geschafft hat, sich an die Spitze der globalen Verbrecherelite zu kriminalisieren, weshalb ich mich urplötzlich mit der Tatsache konfrontiert sah, daß ich wegen meiner Grübelei die mittlerweile wieder langweilig gewordene Handlung nicht mehr mitbekommen hatte und desorientiert durchs digitale Zelluloid mäanderte.
Und so rupfte ich die Reißleine, zupfte die Notbremse, warf Ballast ab und ritt zu meinen Ahnen. Oder auf gut Deutsch – ich verließt totmüde das Kino. Soll’n ’se doch alle ohne mich vor sich hinsterben …
