Ja, ich gebe es zu, hinterm Zweifamilienhaus, in welchem ich jetzt die ganze obere Etage bewohne, plätschert ein Swimmingpool vor sich hin. Aber bevor Ihr jetzt auf falsche Gedanken kommt, ich sei plötzlich reich geworden oder so, dementiere ich entsprechende Gerüchte energisch und teile offiziell mit: Ich bin immer noch ’ne arme Sau. Ich hatte nur Glück im Unglück eines anderen. Ein ehemaliger Mitschüler und langjähriger Freund starb Ende 2022 nach längerer Krankheit. Er hatte zusammen mit seinen Eltern und dem älteren Bruder das Haus gebaut, inklusive Swimmingpool und Garage, größtenteils in Eigenleistung. Nach seinem Ableben wollte die Familie die nun leerstehende obere Etage vermieten, aber natürlich nicht an irgendeinen Unbekannten. So kam ich ins Spiel. Man kann ja nicht immer nur Pech im Leben haben.
Nachdem ich nun schon zum dritten Mal im Pool umhergeplätschert bin, stellte ich Überlegungen bezüglich der Sinnhaftigkeit von Swimmingpools an. Sie kommen mir vor wie Cabrios. Jeder träumt vom Auto ohne Dach, aber wenn man es erst mal hat, stellt man schnell fest, dass es nicht mehr ist als ein rollendes Klischee. Offen nutzen kann man es nur im Sommer, bei schönem Wetter, und dann auch nur bis etwa 50 km/h, sonst reißt einem der Fahrtwind das Toupet vom Schädel. Steht man an der roten Ampel, muss man sich vorbeugend nach Carjackern umschauen, und nach spätestens zwanzig Minuten in der mörderischen Sommersonne wünscht man sich ein anständiges Dach und die Klimaanlage zurück. Nach der Fahrt heißt es erst mal schrubben! Die toten Insekten, die überall auf dem Rücksitz kleben, müssen wieder weg, bevor ihre Alien-DNA erbsgroße Löcher ins gute Leder geätzt hat.
Mit Swimmingpools ist das auch nicht viel anders. Jeden Tag mit dem Käscher das Viehzeug und umherfliegenden Blütenblätter herausfischen. PH-Wert kontrollieren. Chlor nachkippen. Passt man nur einen Tag nicht auf, hat man am nächsten Morgen die grüne Algensuppe im Wasser. Und die bekommt man dann nicht mehr so einfach raus.
Die Außentemperatur sollte mindestens 30°C betragen, am besten eine Woche lang, sonst ist das Wasser viel zu kalt. Ist es dann ausnahmsweise mal ausreichend warm, hat man keine Zeit zum Planschen oder eingeschleppte Krokodile nagen einem die Badehose weg. Am Jahresende muss das ganze Wasser wieder raus, der Pool gründlich gereinigt werden. Im Frühjahr noch mal reinigen und mit Wasser auffüllen. 50.000 Liter, die über die Wasseruhr laufen, sind auch nicht gerade billig.
Da fragt man sich am Ende schon: Lohnt sich der ganze Aufwand eigentlich? Für fünf mal badengehen im Jahr?
Aber manchmal … ist es eben doch ganz nett:
