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Alle Jahre wieder

Wieder mal hacken derzeit verschiedene Akteure, darunter auch die FDP, auf Sozialhilfeempfängern herum. Es sei zu viel, man müsse die Zuwendungen kürzen. Also im Grunde dasselbe, was alle paar Jahre wieder durch Deutschland schwappt.
     Ich empfehle jedem, der auch diese Meinung vertritt, mal persönlich zu überprüfen, wie viel Geld er im Ernstfall bekommen würde, und ob er damit über die Runden käme. Ich selbst war bereits betroffen und kann versichern, am Monatsende wird es wirklich knapp. Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich aufgrund des Fachkräftemangels zwar zugunsten der Arbeitnehmerseite gebessert, aber dennoch bleiben eine Menge Gründe, warum ein Mensch nicht mehr so funktioniert, wie „der Markt“ es erwartet oder warum manche Bewerber keinen Job mehr finden. Allein schon das Alter kann trotz aller Bemühungen gegen Diskriminierung zu Absagen führen, wenn denn die Personalabteilungen überhaupt noch antworten.
     Statt sich immer und immer wieder an den Ärmsten des Landes abzuarbeiten, empfehle ich, stattdessen mal darüber nachzudenken, ob die Zahlung von Sozialhilfe nicht das kleinere Übel ist, angesichts der menschenunwürdigen Zustände in anderen Ländern wie etwa den USA, wo inzwischen die Straßenränder ganzer Stadtviertel von Obdachlosencamps gesäumt sind. Eine Gesellschaft, die es toleriert, dass wenige Menschen unfassbare Reichtümer anhäufen dürfen, sollte auch bereit sein, die Hilfsbedürftigkeit von Menschen zu ertragen, die in ihrem Leben nicht so viel Glück hatten.