Gegenüber meines Bürofensters sitzt seit Jahren eine Katze am Fensterbrett und starrt mit stoischer Ruhe in den Hof. Während ich mich durch E-Mails, Meetings und To-dos kämpfe, scheint sie eine vollkommen andere Art von Arbeitsalltag zu haben: Nichts tun. Gar nichts. Sie schafft das mit einer Professionalität, die an transzendentale Entrückung grenzt.
Ich frage mich manchmal, ob ihr langweilig ist. Schließlich sind ihre Menschen vermutlich irgendwo im Büro, retten Budgets, bearbeiten Tabellen oder führen sehr wichtige Gespräche über Druckerprobleme. Und sie? Sie sitzt da, Tag für Tag, ohne Aufgaben, ohne Hobbys, ohne Aussicht auf eine tote Maus. Auf dem Land würde sie ihren Menschen wenigstens zwischendurch ein paar halblebendige oder halbtote Geschenke anschleppen. Aber hier in der Stadt? Fehlanzeige. Kein Jagderfolg, kein Abenteuer, nicht mal ein anständig gerupfter Vogel, der unvorsichtig genug war, ihr in die Quere zu kommen.
Das Traurigste ist jedoch: Katzen können keinen Computer bedienen. Klar, sie haben Pfoten, aber die sind denkbar ungeeignet für Tastaturen. Menschen mit Katzen können das bestätigen, wenn ihr Stubentiger während eines wichtigen Chats schon mal über die Tasten gelaufen ist. Doch ohne Tastatur kein Internet. Und ohne Internet – kein Katzen-Content. Weder lustige Videos noch dramatische „Katze gegen Gurke“-Clips. Versetzen wir uns in ihre Lage: Teil einer samtpfötigen Spezies zu sein, aber keinen Zugang zu den eigenen Memes zu haben. Echt traurig!
Also sitzt sie da, schaut in den Hof, philosophiert vermutlich über die großen Fragen des Lebens: Warum zum Teufel haben meine Menschen einen Job? Warum ist in meinem Napf nicht 24/7 Party? Und warum kann ich nicht googeln, was der Nachbarkater in seiner Freizeit macht?
Vielleicht schaue ich später noch mal rüber. Nicht, weil sich etwas ändern würde – sondern weil uns eine Gemeinsamkeit verbindet: Die Hoffnung, dass der Tag doch noch etwas Action liefert, die blogtauglich ist.
