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Wenn das Schiff wieder in See sticht

Die meisten Künstler sind mir sympathisch. Besonders mit Musikern kam ich schon immer gut zurecht. Mein ehemaliger Klavierlehrer, einer der nettesten Menschen dieses und auch jedes anderen Planeten, hat heute geheiratet. Und auch seine Frau – eine ausgesprochen nette und bezaubernd schöne Frau mag ich sehr. Sie sah hinreißend aus in ihrem Brautkleid, einem langen, leicht gerafften, weißen Kleid mit einer korsettartigen Weste darüber, die mit goldenen, ineinander verschlungenen Mustern bestickt war und in der Sonne ein wenig wie Gold schimmerte. Derart geschmückt sah diese schlanke, hochgewachsene Frau aus, wie eine Märchenfee.
Unter den vielen Gästen waren auch noch weitere Musiker, unter anderem zwei Saxophonisten, ein Chellist, mit dem ich mich auch stets sehr gut unterhalten kann, und noch ein Pianist, der bereits durch seine Ausstrahlung aus der Masse hervorsticht und selbst schwierige Werke wie die Revolutionsetüde von Chopin meisterhaft beherrscht und auf der heutigen Party mit angenehmer Hintergrundmusik die Gäste unterhielt. Bekanntlich spielte Chopin ja zu seiner Zeit bereits höhere Töchter schwach, und auch unserem Pianisten konnten die weiblichen Besucher heute nicht widerstehen. Eine schnatterhafte, junge Dame hielt dem Blick in seine blauen Augen dann tatsächlich nicht lange Stand und tauschte bereits nach kurzer Zeit mit dem Meister die Telefonnummern aus.
So erlebte ich endlich mal wieder einen angenehmen Tag mit interessanten Menschen, und als ich mich schließlich auf den Heimweg machte, spielte die Jukebox meines Golfilinchens zum Abschied einen guten alten Titel von Karat, sodaß ich mir vorkam, wie ein Seemann, der Abschied feierte und seine geliebte Familie verläßt, um wieder in See zu stechen. Zurück in eine kalte, graue und stürmische See …


Karat – Auf den Meeren 1979 – MyVideo