Einen interessanten Überblick über den maroden Zustand der Deutschen Bahn und die Gründe dafür gab es heute Abend auf Tagesschau 24. Kommentiert wurde das Ganze vom ehemaligen Chef der Schweizer Bahn, deren Zustand erwartungsgemäß das totale Gegenteil von dem der Deutschen Bahn ist. Und zur Sprache kam auch das verwirrende Tarifsystem, was mich sofort an eine Fahrt von Bad Kreuznach nach Frankfurt erinnerte, bei der ich fast meinen Zug verpaßt hätte, weil der Fahrkartenautomat mir partout keine Fahrkarten verkaufen wollte. Grund dafür war, daß man nicht einfach, wie man vielleicht vermuten könnte, seinen gewünschten Zielort eingibt und dann den geforderten Preis bezahlt, was technisch zwar möglich und auch so vorgesehen war, nur daß man eben ausgerechnet Frankfurt neben tausend anderen Orten nicht auswählen konnte – oh nein – man muß schon vorher den richtigen lokalen Bahnbetreiber auswählen. Ich frage mich nur, woher man als ortsunkundiger Reisender wissen soll, welcher Betreiber für welche Zielorte zuständig ist. Und wenn der Reisende dann noch aus dem Ausland kommt und kaum Deutsch versteht, dürfte die Auswahl nahezu unmöglich sein. Was dann dazu führt, daß man im Zug ein überteuertes Ticket und vielleicht sogar Strafe zahlen muß.
Aber mit etwas Glück könnte es jedoch sogar sein, daß man gar nichts bezahlen muß, so wie bei meiner ersten Fahrt nach Bad Kreuznach. Von dort mußte ich nämlich noch weiter nach Sprendlingen, einem kleinen Ort, etwa zehn Kilometer entfernt. Ich erreichte Bad Kreuznach ausgerechnet an einem Sonntag, der Bahnhofsschalter war schon geschlossen und der Fahrkartenautomat beschädigt und außer Betrieb. Auf meinen entsprechenden Hinweis an die Fahrerin der kleinen, völlig leeren Lokalbahn lautete die ruppige Antwort nur: „Is‘ mir doch scheißegal!“

