Wenn Leadgitarrist Rangus auf Augenhöhe direkt durch das Publikum zappelt, dabei fast über meine Füße stolpert und mir als Dankeschön beinahe den Gitarrenhals seiner Gibson um die Ohren haut, dann wird klar, daß man sich inmitten einer Rock-’n‘-Roll-Party befindet, wie sie direkter, härter und lauter nicht sein kann. So dürften sich in etwa die Konzerte des australischen Originals Anfang der Siebziger auch abgespielt haben. Und tatsächlich hauen die Jungs der Berliner AC/DCs Tribute Band dem im viel zu kleinen Saal des Rickenbackers ausgelassen feiernden Publikum die rauen Riffs um die Ohren, daß es nur so kracht. Zwei Stunden lang spielen die Musiker die wichtigsten Hits der australischen Band AC/DC in spektakulärer Qualität, darunter Dirty Deeds Done Dirt Cheap (auf Wunsch des Publikums sogar ein zweites Mal in der Zugabe), Beating Around the Bush, Shot Down In Flames, Rock ’n‘ Roll Damnation, Riff Raff, Hell Ain’t A Bad Place To Be, Back in Black und natürlich das ultraschnelle Whole Lotta Rosie. Nach ein paar Songs fordert die Sommerhitze dann ihren Tribut – Rangus zieht sich aus! Der obligatorische Strip darf auf keinen Fall fehlen, er gehört schon dazu, seit die Australier die Schuluniformen gegen ihre Gitarren eingetauscht haben – bis auf Angus. Auch Rangus ist natürlich stilecht eingekleidet, sogar mit Schulranzen, aber nach seinem Strip fetzt er nun halbnackt mitten durch die Fans, wo er auch die meiste Zeit anzutreffen ist, denn die Minirockbühne bietet kaum genügend Platz für alle fünf Musiker.

Vielleicht sollte ich doch mal eine anständige Kamera mitnehmen,
dem Handy mangelt es eindeutig nicht nur an Weitwinkel.
Nach einer kurzen Pause startet Rangus erneut durch, diesmal – dank kabelloser Technik – auf dem Bartresen stehend, zu einer weiteren Stunde Rockgeschichte, perfekt dargeboten und messerscharf gezupft, während Sänger Achim sich die Seele aus dem Leib schreit, Schlagzeuger Dennis seinen Puls trommelt, Bassist Chris sein stabiles Fundament darunterlegt und der für die gerade glückliche Mutter gewordene Sarangus eingesprungene Rhythmusgitarrist Dominik dem Klangkörper den letzten Feinschliff verpaßt. Letztendlich schafft es nur die unerbittlich vorrückende Zeit, die vielen Zugaben zu beenden, denn das Rickenbackers liegt inmitten von Wohnhäusern, länger als bis Mitternacht sind Konzerte der metallverarbeitenden Zunft nicht erlaubt.
Just in dem Moment, wo ich ein Foto machen will, auf dem die Interaktion der Band mit dem Publikum zu sehen ist, schiebt sich das Publikum dazwischen, um ein Foto von der Band zu machen.
Bandleader Rangus verriet mir in der Pause noch zwei Geheimnisse, die so furchtbar geheim sind, daß sie noch nicht mal auf der bandeigenen Homepage zu finden sind – zwei weitere Konzerttermine in unmittelbarer Reichweite: Am 03. August im Bi Nuu in Berlin (Bi Nuu übrigens der Titel eines Albums der Berliner Band Ideal), und am 27. September auf dem Altstadtfest in Frankfurt/Oder. Das Konzert am 10. August in Kühlungsborn soll übrigens „in größerem Rahmen“ stattfinden. Bleibt nur zu hoffen, daß es dann dort auch eine größere Bühne gibt, dort gehören die Jungs mit ihrer atemberaubenden Performance nämlich hin. Bleibt als Fazit des gestrigen Abends nur noch zu sagen: Mehr Rock geht nicht!
