Gestern kam mir in einer Seitenstraße ein Motorrad vom Typ „Fettes Teil“ entgegen, und als wir aneinander vorbeifuhren, fing der schwitzende, dicke, alte Mann plötzlich an, mich zu beschimpfen. Aber das ist verständlich: Bei herrlichstem Sommerwetter – ich mit T-Shirt, kurzen Hosen und Sandalen bei offenem Fenster in meinem luftigen Golfilein, und er eingepackt in eine dicke schwarze Lederbekleidung, auf dem Kopf einen schweren Helm, auf einem glühenden Stahlklotz sitzend. Das kann einem schon mal den Verstand zerkochen. Und das Ganze nennt sich dann „Freiheit“!
Also ich könnt’s nicht!
Armer Irrer
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Berliner Begegnung
Ist nach mehr als vier Wochen der Unmut vom warmen Sommerwind weggeblasen? Fein! Mir hat die kleine Geschichte gut gefallen, bestätigt sie doch etliche eigene Erfahrungen.
Dass die lautstark kommunizierte Übellaunigkeit des alten Sackes auf seinem Spießerbike mit dem Wetter zu tun gehabt haben könnte, ist doch nur eine Vermutung, oder? Vielleicht war ihm der im Begegnungsverkehr eingeräumte Platz zu wenig, vielleicht hatte er ein ganz anderes Problem. Egal! Prototypisch erscheint mir das Verhaltensmuster, einen wildfremden Menschen ohne Begründung und Vorwarnung anzugehen und anzupöbeln.
Ich erlaube mir, auch eine Vermutung anzustellen:
Der konnte nicht anders, der ist es nicht anders von sich und Seinesgleichen gewohnt. Unfreundlichkeit ist der zweite Vorname des indigenen Berliners. Seine latente Grundaggressivität, seine Pampigkeit und Nervigkeit, die Neigung alles auszusprechen, auch wenn man es nicht hören will oder der Anstand es verbietet sind in Deutschland einmalig. Das öffentliche Verlieren der Contenance aus nichtigem Anlass ist dem Berliner nicht peinlich sondern gilt als Folklore, Anmotzen als die gängige Umgangsform, selbst wenn das Gegenüber darum bittet, einen Gegenstand für sein Geld zu erhalten (in der Bäckerei spätestens nach dem Aussprechen des B-Wortes).
Freundliche Menschen, und ich bin geneigt Dich dazu zu rechnen, scheinen dort ein echtes Minderheitenproblem zu haben.
Obwohl der Anteil meiner bisher privat oder dienstlich in Berlin zugebrachten Lebenszeit sich in einem Promillebereich bewegt, der auf den Alkoholanteil im Blut bezogen, das Autofahren noch erlauben dürfte, bin ich dort von mehr erwachsenen Menschen blöde von der Seite angequatscht, angepöbelt und beschimpft worden, als in der übrigen Zeit und in der übrigen Welt zusammen. Verwandte, bekloppte Lehrer und genervte Nachbarn in der Kinder- und Jugendzeit sowie das durch die Bank verhaltensgestörte befehlshabende Gekröse beim „Ehrendienst“ nehme ich jetzt mal aus. Das ist kein Vorurteil, sondern persönliche Statistik. Und nein, die halte ich nicht für repräsentativ!
Wenn es mich heute einmal nach Berlin verschlägt, was zum Glück selten genug vorkommt, lasse ich grundsätzlich und unabhängig vom Wetter alle Scheiben oben und alle Verriegelungsknöpfchen unten. Ist der schützende Kokon ein wenig gelüftet – ein geöffnetes Fahrzeugfenster genügt – dringt auch schon der original Berliner Unflat herein. Das Auto wird nur an der Zieladresse verlassen. Öffentlicher Nahverkehr geht gar nicht. Dafür waren die Erlebnisse in der Vergangenheit zu unangenehm. Der Tiefpunkt war eine Krawalloma in der putzigen Woltersdorfer Straßenbahn gegen Ende der 90ger, deren Ego es offenbar gutgetan hat, mich minutenlang aufs Übelste anzukeifen. Auf die Frage was sie von mir wolle und was denn Ihr Problem sei, gab sie jedenfalls keine zusammenhängende, geschweige denn sinnstiftende Antwort. Ich vermute, beim Aussteigen ging es ihr nicht fix genug. Das geht dann als Berliner Original mit Herz und Schnauze durch, oder?
Um es nicht ganz so negativ enden zu lassen: der Savignyplatz und seine weitere Umgebung sind ganz okay. Die dort ansässigen Geschäfte und die eher migrantisch geprägte Gastronomie sind zwar keine Sonderangebote, aber bin ich immer freundlich und höflich behandelt und nicht mit „Seehnse nich det ick arbeite; sie hamdoch selba Oogen im Kopp, wa?“ abgefertigt worden. Auf andere Stadtteile trifft das leider nicht zu (die Berliner Bezeichnung „Kiez“ verkneife ich mir mal; dort wo ich herkomme bezeichnet das ein durch Straßenprostitution geprägtes Viertel).
Ob sich das nun Freiheit oder Frechheit, Doofheit, landsmannschaftliche Befindlichkeit oder was auch immer nennen darf: geschenkt! Ich brauche es nicht!
Ey Alta, wat fällt'n Dir ein, hier einfach so anonym im mein' Blog rumßuposten, wiewatoda? (der grammatikalische Fauxpas von „im“ bis „mein“ ist aufgrund von derdiedas kiezjefärbten Dialektes vollsten beabsichtigt!)
Aba Scherz beiseite: Neulich, wa – icke schwimme im mein Lieblingssee im Norden von dit Berlin herum (Lieblingssee, weil dit da 'ne janz jeheime Stelle jibt, wo man mibbm Auto direkt an dit Wassa ranfahren kann und imma'n Parkplatz kricht), da kommt mir so'n komischet Plastikteil entjejen. Ick mir dit gleech jenaua anjekiekt, dit sah aus, wie so'n Haltegriff mit Schnur vom einem Kindadrachen. Icke also die Schnur, die tief nach unten ins Wassa jing, uffjewickelt, da blökt mir doch so'n Fettsack vom Ufa an, ick solle doch jefälligst seine Bojen in Ruhe lassen, und wat ick da eijentlich ßu suchen habe. Blöde Idee, weil – ick mich gleech ditselbe frachte und dit Plastikteil, dessen Schnur ick mittlaweile komplett uffjewickelt hatte, einfach rücklings üba meene Schulta warf. Dies hatte nun ßur Folge, dit der dicke Mann ins Wasser und die 150 Meta ßur Boje hinschwimmen mußte, um die Schnur wieda abßuwickeln, damit 'se nich' abtreibt.
Tja, so is dit. Hätte lieb und nett gefragt, hätt ick die Schnur wieda runtajelassen. Woher soll ick denn wissen, das dit 'ne Boje is und keen Plastikmüll.
Na gut, dann eben zur besseren Unterscheidung vom ganzen Rest: Herr A.
Und ja, genau die Sorte meine ich. Zum Beispiel ein öffentliches (?) Gewässer mit seinem Kram verunzieren, sich nicht vorstellen, dafür gleich den kommunikativen Geländegang einlegen und meinen, einen Anspruch auf Informationen über das Tun und Lassen des Gegenüber zu haben. Das sind mir die Richtigen. So der Typ Blockwart oder Hausbuchführer.
Gibt es davon wirklich so viele? Bin ich zu empfindlich? Treffe ich die zufällig? Oder ziehe ich die an?
Weißt Du, was der größte Fehler guter Menschen ist? Verständnis!
Die Bösen können sich nur darum so ungehindert in der Welt austoben, weil die Guten ihnen alles durchgehen lassen.