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Winter nicht strandkompatibel

Weihnachten ist dieses Jahr üppig ausgefallen: Die Weihnachtsmum hat mir ein Auto geschenkt. Oder besser gesagt, einen Gutschein dafür. Vielen Dank, Mum, sehr nett von Dir! Dafür werde ich auch immer fein die schweren Einkäufe für Dich mitbringen, damit Du nicht mehr so viel schleppen mußt.
Im Grunde ist die Idee, sich einen Neuwagen kaufen zu wollen, ziemlich bescheuert, betrachtet man mal unvoreingenommen die Anschaffungs- und Folgekosten, wie Steuern, Benzin, Reparaturen und so weiter. Dafür könnte man grob geschätzt 1000 Jahre lang ununterbrochen Taxi fahren. Andererseits benötigt man auch keinen Fernseher mit einem einsfuffzich breiten Bildschirm, denn der Mist, mit dem die Sender so dieses Land beschmutzen, wird dadurch nicht viel ansehnlicher. Deswegen betrachte ich den Neuwagenkauf auch mehr als persönliche Eurorettungsaktion im Familienkreis, denn so, wie sich die Bankenkrise in Europa derzeit entwickelt, wird es wohl früher oder später zum Zusammenbruch des Euro kommen. Und wenn der Staat eine Währungsreform durchführt, wird wohl so manches Konto auf der Strecke bleiben. Außerdem lebt man nur einmal, ein bißchen Luxus muß auch mal sein. Interessant im Zusammenhang mit allen möglichen Krisen und Unglücken finde ich übrigens, daß es nach dem großen Knall fast immer heißt: „stärker als befürchtet“ oder „schlimmer als bisher angenommen“, und zwar sowohl beim Klimawandel als auch bei finanziellen Problemen.
Zwei Tage vor Silvester habe ich mir zum Fahren üben mal ein Auto gemietet und bin damit nach Freest gefahren, einem kleinen Fischerdorf an der Peenemündung, also nicht weit entfernt von der Ostsee. Dort verbrachte ich während meiner Kindheit regelmäßig die Sommerferien mit meiner Familie. Gemessen an meinen Erwartungen und meinen dreißig Jahre alten, romantisch verklärten Erinnerungen waren die Veränderungen im Ort „schlimmer als befürchtet“. Also nicht, daß der Ort nun verfallen und verrottet wäre, so ist das nicht gemeint. Aber manchmal sind Dinge, die sich zum Positiven verändern auch mit einem Verlust behaftet. So kann ich zum Beispiel einem kleinen sandigen Feldweg, der von der Hauptstraße des Dorfes an einer Siedlung vorbei zum Strand führt, nicht mehr viel abgewinnen, sobald er gepflastert ist. Und die vormals daneben verlaufende Weite einer unbewirtschafteten Wiese, flankiert von Obstbäumen, ist nun der bedrückenden Enge von Häusern und Grundstücken gewichen, alle hübsch aufgereiht und makellos zurechtgestutzt, wie in einem Baumarkt-Katalog.

Am Ende des Weges gab es früher zwei Höfe, beide hatten Hühnerställe, Federn wurden vom Wind durch die Gegend geweht und der Gestank war im Sommer unerträglich. Heute sind die Ställe verschwunden, die Eier gibt es im Supermarkt, die Hühner ebenfalls. Auch das Gackern ist verstummt, kein Laut ist mehr zu hören, das ganze Dorf wirkt wie ausgestorben.
Kurz dahinter gab es früher eine schmale Gasse zum Strand, hindurch zwischen Schilfrohren und mückenverseuchten Schlammlöchern. Heute ist das Areal zugewachsen, die Natur hat es sich zurückerobert und gleich noch ein Stück des Strandes mit dazugenommen. Das, was davon übrig ist, sieht heute so aus:

Auch bei dem Rettungsturm ist wohl nichts mehr zu retten.
Andererseits ist Freest wohl immer noch ein florierendes Fischerdorf, in dem frisch gefangene Fische geräuchert und verkauft werden, im Hafen liegen die Kutter, wie schon vor 30 Jahren:

Vielleicht sollte man einen Ort wie Freest nur einfach nicht im Winter besuchen, wenn man ihn bisher nur im Sommer kannte. So ein Strand muß schließlich ordentlich gepflegt und eingeölt sein, damit er gefällt. Also werde ich im Sommer noch einmal vorbeischauen, das dafür benötigte Auto ist bis dahin hoffentlich vorhanden, ansonsten nehme ich den hier:

Sportliche Seitenlufteinlässe (in Verbindung mit dem Paket Countrydrive), Driver-Protect-Chain, Sonderfarbe Oceanblue, Felgen in Wagenfarbe lackiert und Kofferraum mit edlem Echtholzlook, dafür zahlt man beim Golf schon 1.952 € Aufpreis (danke an Willi Tanner für diese perfekte, detaillierte Analyse).
Ach siehste – fast vergessen: Ihr Autohäuser Ihr, das ist jetzt Eure Chance! Wie man so liest, geht es Euch nicht so gut, weil keiner mehr Autos kauft. Also ich kaufe eins, Golf 7 Highline in hellblau. Angebote an sunny.burnett(ät)live.de. Aber unter 20 Prozent läuft gar nix, nich‘? Nich‘?
Kein bißchen!
Nix!