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James „drei Sterne“ Bond

Als 1994 Luc Besson seinem Freund Jean Reno ein großes Geschenk machte und ihm mit dem Killer Leon, der sich in ein kleines Mädchen verliebt, die Rolle seines Lebens auf den Leib schrieb, schuf er den in meinen Augen perfekten Film: Langsam und schnell, lustig und traurig, sensibel und knallhart, dazu großartige Filmmusik, die sich in die Seele gräbt, und grandiose Bilder, die sich in die Netzhaut einbrennen. Der Abspann war noch nicht ganz zu Ende, da stand ich schon wieder an der Kinokasse und kaufte eine zweite Karte für die nächste Vorstellung. An diesen Film erinnere ich mich gern, wenn ich versuche, neu gesehene Filme einzuordnen. Wohin nun also mit Skyfall, dem aktuellen James-Bond-Film?
Schlecht ist er nicht, aber der beste Film der Reihe, wie ihn einige Kritiken beschreiben, ist er auch nicht. Was ihm am meisten fehlt, ist die „große Story“. Der Bösewicht, der die Weltherrschaft an sich reißen will oder mit Atombomben um sich wirft. Nein, es ist diesmal nur ein enttäuschter Xavier Bardem, der sich an M rächen will, weil diese ihn an die Gegenseite verfüttert hat. Als Bösewicht jedoch nicht böse genug, mehr eine Karrikatur, fast eine Comicfigur, zu nett, zu lustig und zu schwul, niemand, vor dem man sich fürchten würde.
Daniel Craig hingegen sieht erschreckend alt aus; während ich ihm bei seinen anderen Filmen die Rolle abgenommen habe, schien er mir diesmal irgendwie etwas neben der Spur. Vielleicht liegt das daran, daß Skyfall insgesamt wieder mehr Humor, besonders in Form von Selbstironie mitbringt, sich nicht so ernst nimmt, wie zu Zeiten Roger Moores. Beispielsweise wenn der neue Q, gespielt von Ben Whishaw, aber leider zu nerdig und damit unglaubwürdig kostümiert, James Bond seine neuen Spielzeuge überreicht: Eine Walther PPK mit Fingerabdrucksensor und einen Sender, der dem MI6 die Positionsdaten Bonds übermittelt. Auf dessen Verwunderung angesichts dieser übersichtlichen Auswahl antwortet Q nur: „Was haben Sie erwartet, explodierende Kugelschreiber? Bringen Sie bitte alles wieder heil zurück“.
Ansonsten gibt es eine Menge Action, Verfolgungsjagden (die man anderswo aber auch schon gesehen hat), einen alten Aston Martin aus früheren Bond-Filmen, der diesen allerdings nicht heil überlebt, tolle Bilder (besonders von den schottischen Highlands), einen beeindruckenden, albtraumhaften Vorspann, eine unglaubwürdige Miss Moneypenny (unglaubwürdig, weil eine solche Powerfrau nur schwer als Büromaus vorstellbar ist) sowie eine wieder mal völlig überflüssige zwanzigminütige Pause.
Ich hätte Skyfall gern meinen Segen gegeben. Ich wartete verzweifelt auf die eine Szene. Zum 50. Jahrestag der Serie hätte ich als Produzent alles Geld der Welt für diese Szene gegeben! Egal, wieviel sie kostet, egal wie kurz oder wie unwichtig die Szene gewesen wäre. Es wäre die eine, die größte, die beste Szene des Films geworden und vielleicht die letzte Chance, diese Szene überhaupt zu ermöglichen! Und fast schon dachte ich, es wäre soweit: In den schottischen Highlands (Schottisch! Schottland!!!), als Bond und M ein altes Haus betreten, taucht er plötzlich aus der Dunkelheit auf. Ganz langsam, erst die Beine, dann der Lauf der Schrotflinte, die Hände, der Oberkörper und als letztes … nein – nicht das Gesicht von Sean Connery.
Verpatzt! Vertan!! Verschenkt!!! Hätten Sie ihm zu Ehren doch wenigsten eine kleine Szene eingebaut, Sean Connery mit einem Rollator, der am völlig zerstörten Aston Martin vorbeikommt und murmelt: „Das wäre mir nicht passiert“! Die Massen hätten getobt vor Freude! Und ich hätte dem Film fünf von fünf Sternen gegeben. So reicht es leider nur für drei.
Deshalb lautet mein Fazit: Einmal würde ich mir den Film ansehen. Zweimal nicht. Und „Leon – der Profi“ habe ich im Kino zehnmal gesehen!