1979 gelang dem mittlerweile berühmten Regisseur Ridley Scott ein filmisches Meisterwerk, das Maßstäbe setzte und Vorbild für viele weitere Nachahmer wurde. Der Film „Alien“ war so klaustrophobisch und gruselig, daß viele Kinobesucher mit schlotternden Knien und flatternden Nerven den Saal verließen und dessen namentliche Erwähnung auf dem Schulhof bereits ein flaues Gefühl in der Magengrube hinterließ, ohne daß man ihn gesehen hatte. Alien!
Derzeit läuft in den Kinos der Film Prometheus, der die Vorgeschichte der Alien-Saga erzählt und in dessen letzter Szene die Alienkreatur dann auch tatsächlich erstmals auftaucht.
Bis dahin muß man jedoch zwei Stunden lang den größten Schwachsinn erdulden, der jemals durch das Glas der Linse in den dunklen Kasten der Kamera geschickt wurde: In einem futuristischen Raumschiff erwacht nach langer Reise die Crew aus dem Kälteschlaf. Bei der folgenden Lagebesprechung erfahren die Mitglieder zum ersten Mal, um was es bei der Reise eigentlich geht, nämlich die Suche nach den (lächerlich schlecht animierten) Göttern, beziehungsweise den „Konstrukteuren“. Und ich frage mich unwillkürlich, wie dann wohl das Einstellungsgespräch abgelaufen ist: „Wir fliegen drei Jahre im Weltraum herum, aber ich darf Ihnen leider nicht sagen, wieso“? Bemerkenswert sind auch die Weltraumanzüge der Crew – es gibt keine! Jeder hat das an, was er zuletzt auf der Erde trug, bevor er in der Kneipe sein Bier bezahlte und zum Weltraumhafen trampte.
Anscheinend wurden für das Team auch nicht die besten der Besten der Besten ausgesucht, die perfekt miteinander harmonieren und eine professionell agierende, sich ergänzende Einheit bilden, nein-nein – es handelt sich natürlich um egoistische, aggressive, unkollegiale, extrem leichtsinnige, zu unüberlegten Handlungen neigende und vereinzelt auch recht ungepflegt wirkende Individuen. Also halt Menschen wie du und ich, wie man sie eben auf jeder normalen Weltraummission findet.
Kaum ist das Raumschiff gelandet, wird erst mal behutsam und nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen die Umgebung abgetastet, nach Lebenszeichen gesucht und vorsichtig ein Schritt nach dem ander…
Ach Quatsch, Klappe auf und raus in die Wüste, wozu mit Sicherheitsmaßnahmen aufhalten? Eine Waffe mitnehmen, zur Sicherheit? Aber nicht doch, das ist ja schließlich eine wissenschaftliche Erkundungsmission!
Was ist das? Oh, eine Höhle! Nein, wir warten nicht erst die Ergebnisse ab, was sich darin verbergen könnte, wir laufen möglichst schnell, möglichst tief hinein und nehmen am besten gleich noch die Helme ab, weil der Computer sagt, die Luft ist rein. Hey, hallo – wir haben hier einen Alienkopf gefunden, den nehmen wir gleich mal mit. Zurück im Raumschiff wird dieser dann sofort untersucht, natürlich ohne Sicherheitsschleusen, ohne durch Glas abgetrennten Untersuchungsraum, wozu auch? Wir sind ja nur auf einem völlig fremden Planeten!
Zwei Crewmitglieder, die sich in der Höhle von der Truppe entfernten, weil sie es plötzlich mit der Angst zu tun bekamen (siehe an, in dieser diffusen Situation hörten sie auf ihren Instinkt!), stehen plötzlich zwei schlangenartigen Wesen gegenüber, aber anstatt sich still zu verhalten und sich zurückzuziehen, tun sie was? Genau: Wie man es auch auf der Erde machen würde, wenn man sich einer unbekannten Schlange gegenübersieht, nähern sie sich den Wesen und strecken ihnen auch noch die Hand entgegen. Schön blöd, wer da nicht zubeißt!
Und so kommt es, wie es kommen muß, die Protagonisten verabschieden sich nach und nach aus der … nennen wir es der Einfachheit halber mal „Handlung“. Recht so, wer sich so haarsträubend dämlich verhält, der soll bitteschön auch aus dem Genpool verschwinden.
Vom Planeten ist übrigens nicht viel zu sehen. Anstatt diese tolle Chance zu nutzen und atemberaubende Welten zu zeigen, verlegt Ridley Scott die Handlung überwiegend in die Höhle und das Raumschiff. Und statt knisternder Spannung gibt es nur überflüssiges Gelabere. Deshalb darf sich der Film nun zu den zehn schlechtesten Filmen zählen, die meine Breitleinwand-Augen je ertragen mußten.
