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Unsinkbar

Als Regisseur James Cameron 1997 seinen Film Titanic ins Kino brachte, war ich sehr skeptisch, insbesondere, weil mein damaliger Studienkollege Gerd nicht ganz zu unrecht meinte: „Ich kann Dir sagen, wie der Film endet … das Schiff geht unter!“ Nun hatte ich aber damals schon die schlechte Erfahrung mit Camerons Film Abyss gemacht – ich habe ihn absichtlich im Kino verpaßt und mich beim Anschauen der Videokassette dann sehr geärgert, weil der Film in jeder Hinsicht beeindruckend und sehenswert ist. Hinzu kam noch der unsägliche Trailer, der in seiner Kürze und der Szenenauswahl den Film zu einer schnulzigen Liebesgeschichte komprimiert, die dem Film aber in keiner Weise gerecht wird. Trotzdem entschloß ich mich zu einem Kinobesuch und wurde mit einem der spektakulärsten Filme der Filmgeschichte belohnt. Allein im Kino habe ich ihn bisher achtmal gesehen, und unzählige Male im Fernsehen.
Nun ist er also wieder da, in 3D, oder besser gesagt, in Pseudo-3D, denn der Film wurde nachträglich in die dritte Dimension erhoben, „2.8D“ wie Cameron es bescheiden selbst nennt. Deswegen hatte ich auch jetzt wieder Bedenken, schon angesichts des hohen Preises von 12,50 Euro, bei dem ich mich frage, ob die Kassiererin überhaupt die Brille abgezogen hat, die ich von Avatar mitgebracht hatte. Besonders intensive dreidimensionale Effekte versprach ich mir vor allem von den computergenerierten Außenaufnahmen des Schiffes, die ja in digitaler Form vorliegen und problemlos neu berechnet werden können. Aber die Innenaufnahmen? Die Schauspieler? Wird das dann aussehen, wie flache Pappkameraden, die man einfach voreinander herschiebt, so wie man es von alten Filmen aus den Anfängen des 3D-Films kennt?
Mitnichten! Gerade die Innenaufnahmen sind es, die den Betrachter regelrecht vom Kinohocker hauen und in den Film hineinziehen! Die Räume erreichen eine schier unglaubliche Plastizität, die Personen sehen absolut real aus und bewegen sich natürlich im dreidimensionalen Raum, an den Tischen hat jedes Glas, jede Vase ihren präzise zugewiesenen Platz. Besonders gewinnen Massenszenen oder Szenen in den Räumen der 1. Klasse, wo Spiegel an der Wand das ganzen Vorhaben noch deutlich verkompliziert haben dürften, an Realismus.
Der unerwartete Hinterhalt lauert just an einer anderen Stelle: 2010 war ich als Komparse in Babelsberg beim Dreh von Roland Emmerichs „Anonymous“ zugegen. Befindet man sich selbst in der Szenerie, so wirkt das Ganze, wie eine Theateraufführung. Erst die fehlende dritte Dimension und das Spiel der Kamera mit Tiefenschärfe oder -unschärfe erzeugen dann den Eindruck eines Kinofilms. Bei Titanic 3D funktioniert dieser Effekt genau umgekehrt – die Schauspieler verlieren durch die Plastizität erstaunlicherweise an Realismus und sehen mit ihren geschminkten Gesichtern und Kostümen aus wie, nun ja, eben wie Bühnenschauspieler. Allerdings auf einer erschreckend realistischen Bühne!
Beispielsweise, wenn Rose nach Hilfe sucht, um den an die Rohre gefesselten Jack zu befreien. Wenn das Wasser kurz unter der Decke steht, werden die Räume beklemmend eng, man fängt unwillkürlich an, die Luft anzuhalten. Auch der Blick in die langen engen Gänge oder die gigantischen Schiffsmaschinen, von denen in der neuen Version sogar mehr zu sehen ist, weil Cameron dem Film zusätzliche Szenen spendierte. Beeindruckend auch die Szene, als Rose am Heck des Schiffes steht, um ins Wasser zu springen, während tief unter ihr das schwarze kalte Wasser vorbeizieht und weit über ihr die Sterne funkeln.
Meine Befürchtungen waren unbegründet. Entweder haben die 3D-Experten einen ganz tollen neuen Trick im Ärmel oder der ursprüngliche Film wurde in weiser Voraussicht heimlich in 3D gedreht. Wer Titanic mag und sich noch nicht daran sattgesehen hat, wird auch in der dreidimensionalen Version voll auf seine Kosten kommen. Somit bleibt nur noch festzustellen – dieser Film ist wirklich unsinkbar!
Hochinteressant sind übrigens auch die Fotos rund um das Thema Titanic, die The Boston Globe anläßlich des 100. Jahrestages der Katastrophe veröffentlicht hat.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort vom Kino, dessen Namen ich hier deswegen auch nicht nenne. Und das bei 12,50 Euro! Das sind 25 DM! Oder 175 Ostmark!!! Habt Ihr ’se noch alle, Ihr Halunken? Meine bisher teuerste Kinokarte!!!

2 Kommentare

  1. der Reinhart

    Was für Mädchen- Hobbys hast Du sonst noch so, außer "Titanic" gucken? Parfum-Flakons sammeln und
    Pony reiten? …ach nee, ich will es lieber gar nicht wissen…

Die Kommentare sind geschlossen.