Und noch eine Bemerkung zur grundlegenden Funktionsweise von Versicherungen, weil die CDU-Sozial-„Experten“ Carsten Linnemann und Peter Tauber schon wieder dabei sind, eine alte Sau durchs Dorf zu treiben: Eine Versicherung dient dazu, im Notfall finanzielle Hilfe zu leisten. Man schließt einen Vertrag ab, zahlt einen bestimmten Betrag ein, und im Falle eines Falles bekommt man Geld. Selbst dann, wenn der Schadensfall bereits eintritt, wenn der Versicherungsnehmer noch gar keine Zahlungen geleistet hat. Also wenn die Wohnung schon beim Einzug abbrennt, der Nachbar sein Augenlicht verliert, weil er beim Umzug geholfen hat und ihm unbeabsichtigt ein Klavier auf den Kopf fällt, oder ein Baby lange vor dem normalen Entbindungstermin geboren wird und als Frühchen nun der kostspieligen Kunst von Medizinern anheim gelegt wird. Das nur mal so als Beispiel für all diejenigen, die meinen, daß viele Hartz-4-Empfänger noch nie in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.
Und nun noch ein Beispiel für den „Normalfall“: Ein in der Krankenversicherung Versicherter hat einen schweren Unfall und benötigt mehrere tausende Euro teure Operationen und Rehabilitationsmaßnahmen. Und eines Tages stehen plötzlich die anderen Versicherten in der Tür seines 4-Bett-Zimmers und verlangen vorwurfsvoll von ihm, daß er nun schon viel mehr gekostet, als er jemals eingezahlt hat, und daß er nun mal langsam aufstehen und arbeiten müßte, notfalls auch in anderen Orten, außerhalb seiner Heimat, auch zu niedrigeren Löhnen und unter schlechteren Bedingungen. Da würden die meisten von uns wohl ziemlich erstaunt aus der Wäsche gucken!
Hartz 4 ist eine Versicherung. Die Zusammenlegung von Arbeits- und Sozialversicherung. Und sie steht bedürftigen Menschen zu, ohne Wenn und Aber. Und ohne Gegenleistung. Und ja – bestimmt gibt es auch Mißbrauch von Sozialleistungen, dagegen muß man vorgehen. Aber wenn man den Spitzensteuersatz immer weiter senkt, die Reichensteuer abschafft, die Lizenz zum Gelddrucken in Form von staatlichen Energieversorgern privatisiert und den Kommunen damit eine wichtige Einnahmequelle nimmt, und wenn man gegen jegliche Regeln des Marktes verstößt und korrupte und geldgeile Banker mit Steuermilliarden rettet, dann darf man sich nicht wundern, wenn am Ende kein Geld mehr im Topf ist. Und schon gar nicht darf man das dann an den Schwächsten der Gesellschaft auslassen, die am wenigsten dafür können.
Vielleicht sollte die Regierung etwas dafür tun, daß der Pflegeberuf attraktiver wird. Denn Bezahlung und Arbeitsbedingungen sind in der Branche katastrophal. Den Unterschied bemerken die Betroffenen Pfleger und Krankenschwestern spätestens dann, wenn sie mal in der Schweiz gearbeitet haben, in dem Land wo angeblich noch immer Milch und Honig fließt.
Und auch die Pflegebedürftigen können nur Eines noch weniger gebrauchen, als schlechtgelaunte Pfleger: für diesen Beruf nicht qualifizierte Hartz-4-Empfänger.
