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Überraschung!

Kürzlich durfte ich, beruflich bedingt und vom Chef finanziert, mit dem ICE von Nürnberg nach Berlin reisen, mit reserviertem Sitzplatz und selbstverständlich 1. Klasse. Im Abteil stellte ich fest, dass mein Platz Nr. 61 bereits von einer jungen Frau okkupiert worden war. Sie erzählte irgendwas von falsch ausgeschildert, und sie hätte die 62, den Platz gegenüber, und wenn ich denn wollte, würde sie auch tauschen, was ihr aber, deutlich anzumerken, nicht so recht gewesen wäre.
     Nun wollte ich nicht päpstlicher sein als der Papst und gewährte ihr großzügig die weitere Nutzung meines Platzes, während ich mich mit ihrem zufrieden gab, auch wenn das bedeutete, mit dem Rücken in Fahrtrichtung sitzen zu müssen. Dachte ich jedenfalls. Und sie auch, denn sie befand sich ja bereits im Zug und war mit dem Gesicht in Fahrtrichtung gereist. Was sie nicht wusste und ich auch nicht, war, dass der Zug den Nürnberger Bahnhof in Gegenrichtung verlassen würde.
     Der kurze, nur eine halbe Sekunde lange Ausdruck von Wut und Enttäuschung in ihrem Gesicht, dieser winzige Kontrollverlust, angesichts dieser Erkenntnis, um gleich darauf wieder in gespielte Gleichgültigkeit zu verfallen, war für mich unbezahlbar.