Es ist aber auch ein Kreuz: Da habe ich mich endlich losgesagt von Google und Apples iCloud, habe es geschafft, meine Termine, Kontakte und Browser-Lesezeichen in meine eigene Cloud zu verschieben, und nun scheitert das perfekte Glück ausgerechnet an so etwas Simplem wie Notizen! Es gibt derzeit keine Notizen-App für Windows, die vernünftig funktioniert, von Otto-Normalanwender bedienbar ist und mit Nextcloud kommuniziert. Es gibt tolle Apps wie Evernote, die sind aber nicht nextcloudkompatibel. Es gibt kompatible Apps wie Joplin, die funktionieren aber nicht richtig. Oder sie sind kompatibel, funktionieren, sind aber nicht benutzerfreundlich. Ich habe mir nun schon geschätzte schnölfzichtausend App-Beschreibungen durchgelesen, und davon brüsten sich grob über’n Daumen gepeilte 99,9 Prozent damit, Markdown zu benutzen.
Für Otto-Normalanwender wie mich als Erklärung: Markdown ist eine Methode, den eingegebenen Text zu formatieren. Aber nicht, wie bei Word gewohnt, mit Auswählen der Schriftart, Größe und Klicken auf F und K für Fett und kursiv – nein, man muss irgendwelche Tags davorsetzen, zum Beispiel die Raute um eine große # Überschrift zu erzeugen, oder zwei Sternchen davor und dahinter, um eine kleinere ** Überschrift ** zu generieren.
Informatiker lieben Markdown! Sie kommen überhaupt nicht auf die Idee, dass Otto-Normalanwender mit Markdown nichts anfangen können. Meine 87-jährige Mutter möchte vielleicht auch mal von Zettelwirtschaft auf topmoderne digitale Notizen umsteigen und diese, auf dem Laptop getippt, automatisch mit dem Handy synchronisieren. Soll sie deswegen nun extra noch Markdown lernen?
Es war äußerst schwer, das den Informatikern in meinem Unternehmen begreiflich zu machen. Es ist, als würden sie morgens von einem anderen Stern kommen und abends, nach Feierabend, in einer anderen Welt leben.
