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Dreifach gestreiftes Hörnchen

Lieber Adi Dassler,

wenn früher, zu DDR-Zeiten, die anderen Mitschüler mit blauem Pelikano-Füllfederhalter, Tikky-Spezial-Feinbleistiften sowie in coolen Levis-Jeans und Adidas-Turnschuhen zur Schule kamen, verursachten Sie damit bei mir ungewollt einen unstillbar glühenden Neid auf all die tollen Dinge aus dem Westen, die ich mir nicht leisten konnte, weil meine Westverwandtschaft nun mal irre geizig oder vielleicht auch einfach nur so irre war, zu glauben, der Sozialismus sei tatsächlich die Krone der gesellschaftlichen Entwicklung, und uns, den sowjetzonalen Ostverwandten werde es schon gut gehen.
     Sicher – hungern und frieren mussten wir nicht. Aber kratzige Heiko-Füllfederhalter, Boxer-Jeans und Germina-Turnschuhe machten nun mal nicht glücklich, daher war ich heilfroh, als die D-Mark kam, und somit das bunte Reich der Westwaren auf Erden Einzug hielt. Fortan mutierte ich zum Streifenhörnchen und trug nur noch die schnieken drei Streifen der Weltmarke Adidas an den müffelnden Ostmauken.
     Doch nun, über dreißig Jahre später, lieber Adi, würdest Du wohl im Grabe rotieren, wenn Du wüsstest, was die Aktiengesellschaft, deren vorwiegendes Interesse wohl nur noch dem Profit gilt, aus Deiner Schuhmacherbude gemacht hat. Kürzlich wechselte die deutsche Fußballnationalmannschaft den Sponsor und trägt fortan die amerikanische Marke mit dem „Swoosh“, wie sie sich selbst bezeichnet. Aber warum? Lag’s vielleicht an der schlechten Qualität?
     Ich hatte sie alle: Samba, Gazelle, Grand Prix, Campus, Chile 62, aber in den letzten Jahren bin ich irgendwie bei LA Trainer hängengeblieben, die Schuhe mit den drei bunten Stöpseln in der Sohle. Die waren mir schon als Ostjungspund aufgefallen, wenn die westlichen Jungspundhorden einen Tagesausflug nach Ostberlin unternahmen und mit ihren bunten Westturnschuhen das trist-graue Stadtbild verschönerten.
     LA Trainer gibt es immer noch. Doch leider hat die Qualität enorm nachgelassen. Oder fingen vor über dreißig Jahren die Schuhe auch schon nach zwei bis drei Monaten an, sich aufzulösen? Irgendwem bei Adidas muss doch mal auffallen, dass der Stoff, der für Obermaterial und Innenfutter benutzt wird, nicht robust genug und damit für Schuhe ungeeignet ist. Dabei trage ich sie maximal zwei Stunden am Tag, nämlich auf dem Hin- und Rückweg. Im Büro und zu Hause natürlich nicht, da trage ich Latschen. Sie befinden sich in einem Monat also maximal 60 Stunden an den Füßen, da sollte man doch annehmen, dass sie ewig halten, findest Du nicht? Ich meine, wie würden die Dinger erst aussehen, wenn ich sie den ganzen Tag malträtierte?
     Auch die Sohlen sind übrigens ein Witz und nach wenigen Monaten schon so stark abgenutzt, dass nur der Gang zum Schuster oder zur Mülltonne bleibt, was übrigens erstaunlich ist, denn Sohlenmaterialien sind seit langem gut erforscht. Man weiß genau, welches Material welche Eigenschaften hat und mehr oder weniger gut haltbar ist. Die ersten Untersuchungen diesbezüglich gehen übrigens bereits auf die Nazis zurück. Im Konzentrationslager Buchenwald ließ man ausgemerkelte Häftlinge wochenlang einen kreisförmigen Hindernisparcours absolvieren, bestückt mit unterschiedlichen Materialien wie Pflastersteinen, Schotter, Sand usw., um herauszufinden, welche Materialien für Wehrmachtsstiefel am geeignetsten sind.
     Wenn Schuhe also heutzutage noch stark verschleißen, so ist das entweder Dummheit oder übersteigertes Profitstreben, im Sinnen von – wenn die Schuhe nicht lange halten, müssen die Kunden eher wieder neue kaufen. Und da hört für mich der Spaß auf! Die LA Trainer sind so teuer, dass sie auf jeden Fall länger halten sollten, als von Ostern bis Pfingsten.
     Also, lieber Adi, ich weiß, Du warst Schuhmacher aus Leidenschaft, drum ruf doch bitte mal beim Vorstand an und rücke die Dinge wieder gerade. Qualität ist nämlich wichtig, sonst kaufen die Kunden irgendwann andere Marken, und dann verliert Adidas nicht nur die deutsche Fußballnationalmannschaft.
     Die schlechtesten und gleichzeitig teuersten Schuhe meines sportlichen Daseins auf Erden kamen übrigens von Nike. Dort fielen schon nach wenigen Monaten angeklebte Teile der Sohle ab. Außerdem bekamen Sie Löcher im Obermaterial und die Schnürsenkel rissen. So was hatte ich bis dahin noch nie erlebt.
     Die besten Schuhe kamen von Asics. Mit denen treibe ich seit acht Jahren Sport im Fitnessstudio, zweimal die Woche, und sie werden dabei hart rangenommen. Inzwischen zeigt sich beim Innenfutter an der Ferse eine harmlose leichte Aufhellung. Eigentlich kaum erwähnenswert.
     Vielleicht suche ich mir demnächst doch mal eine neue Lieblingsturnschuhmarke.

Sei dreifach gegrüßt!
Dein Sunlion

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