Über zwanzig Jahre ist das nun schon wieder her, und es kommt mir vor, als wäre es erst letzte Woche gewesen: 1993 pilgerte ich ins Kino Alhambra in Westberlin, um mir Jurassic Park, den Urvater aller erwähnenswerten Dinofilme anzuschauen, denn die alten Schinken mit in Stop-Motion-Technik bewegten Knetfiguren kann man eigentlich nicht mitzählen. Regisseur Steven Spielberg löste mit diesem Meisterwerk eine Dinomanie ohne Gleichen aus und beeindruckte mit nie zuvor gesehenen, computeranimierten Sauriern, die dem damaligen Publikum die Kinnlade herunterklappen ließen und den Schweiß auf die Stirn trieben. Das angsterfüllte Plärren der viel zu kleinen Kinder, die trotz der Altersbeschränkung auf zwölf Jahre mit in den Film geschmuggelt wurden, hallt noch heute in meinen Ohren.
Ein paar Jahre später legte Teil zwei noch eine Schippe drauf, es gab mehr Tiere und spektakulärere Szenen zu sehen. Der dritte im Bunde nervte dann ein wenig durch seine hysterisch im Wald herumkreischenden Darsteller, war aber auch durchaus spannend und sehenswert.
Der neue Film verfährt nach bekanntem Muster: Firma will Menschen beglücken, Bösewicht will Profit machen und nicht auf den warnenden Warner hören. Wie auch in den Teilen davor geht das natürlich schief und die Dinos fressen sich durch das menschliche Buffet. Wäre es nur das, hätte ich mir den Weg ins Kino vermutlich gespart, denn nichts ist weniger aufregend, als der Aufguß vom Aufguß vom Aufguß vom Aufguß. Diesmal jedoch kommt noch eine weitere Attraktion hinzu – die dritte Dimension. Wenn die Dinos also schon mal in 3D über die Leinwand stampfen, dann kann man sich das ruhig noch ein viertes Mal antun.
Einigen Szenen sieht man den Computer deutlich an, ulkige Größenverhältnisse, merkwürdig verwaschende Kreaturen, die als Herde über eine Graslandschaft rennen oder im Wald neben einem Fluß herumstehen und die in Booten umherfahrenden Menschen beobachten. Auch die wie Fledermäuse umherflatternden Flugsaurier hätten etwas mehr Realismus vertragen, denn ein flugfähiges Tier mit solcher Spannweite dürfte sich in Wirklichkeit erheblich langsamer bewegen. Dazu ein Hubschrauber, der so klein aussieht, als wären er nur ein Spielzeug. Ganz besonders doof: Ein paar abgerichtete Velociraptoren, die zusammen mit Menschen auf die Jagd gehen, erscheinen nicht besonders glaubwürdig. Auch merkt man, das Steven Spielberg als Coproduzent anscheinend ein paar Tips gegeben hat, denn zunächst sieht man von den Tieren recht wenig, ein von ihm erfundener Kniff, um die Spannung zu steigern, den er bereits in „Der weiße Hai“ erfolgreich anwandte, weil die Haiattrappe ständig defekt war und er deshalb eine Notlösung finden mußte.
Aber für all das entschädigen die wirklich wichtigen Szenen, etwa wenn der neuerschaffene Hybrid-Dino oder die Raptoren durchs Bild laufen. Auch der Showdown am Ende, wenn der furchteinflößende T-Rex losgelassen wird und aus seinem dunklen Verlies auftaucht, während das verletzliche, kleine Menschlein direkt davorsteht. Solche Szenen treiben einem sofort das Adrenalin ins Blut, vermutlich ein uralter Reflex aus der Zeit, als sich die Menschen noch nicht an der Spitze der Nahrungskette befanden und als leicht zu fangender, etwas grätiger Zwischensnack auf der Speisekarte der Saurier standen.
Nie zuvor sahen Dinosaurier so echt, so lebendig, so furchteinflößend und gleichzeitig so faszinierend aus. Wer ein schwaches Herz hat, sollte sich den Film daher besser nicht in 3D anschauen.
