Soeben stand eine Frau vor meiner Wohnungstür, etwa Mitte 30 und mit magentafarbenen Haaren. Sie wollte wissen, ob ich an DSL-Produkten der Deutschen Telekom interessiert sei. Ich mußte ihr leider mitteilen, daß ich schon mal Telekom-Kunde war und diese mich als langjährigen Kunden aufgrund von Unfähigkeit verloren hat. Und das kam so:
Vor fast genau sechs Jahren wollte ich kein DSL. Ich wollte nur meinen Null-Acht-Fünfzehn-Telefonanschluß ummelden, ich war nämlich umgezogen. Vom ersten in den fünften Stock. Im selben Haus. Von unten nach oben.
Leider gab es auf der Webseite der Telekom eine Ummeldeseite, auf der es keinen Null-Acht-Fünfzehn-Telefonanschluß zur Auswahl gab. Stattdessen aber jede Menge tolle DSL-Angebote: „T-DSL XXL: Tagsüber für 0,815 Cents telefonieren, dafür am Wochenende kostenlos, aber nur zu fünf Freunden.“ „T-DSL Sunshine: 4711 Telefonnummern zum Mitnehmen, aber nur wenn die Sonne scheint, sollte es regnen, bleibt man besser Zuhause.“ „T-DSL 2000 Deluxe: Montags zum Einheitspreis von 10 bis 12.30 Uhr, Dienstags dann das Doppelte aber nur mit Mutti, Vati kann Mittwochs umsonst telefonieren, dafür muß er aber rüberkommen …“
Eventuelle Ungenauigkeiten in den Produktbeschreibungen bitte ich zu entschuldigen, schließlich sind seitdem schon eine Menge Bytes die Telefonleitung hinuntergeflossen. Auf jeden Fall gab es in der Liste gefühlte 20 Angebote, eines komplizierter als das andere, und keines davon meinen Bedürfnissen entsprechend. Dabei lernt heute schon jeder Verkäufer: „Biete dem Kunden ein Produkt, und er wird sich nach weiteren umschauen. Biete ihm zwei Produkte, und er wird sich wahrscheinlich für eines von beiden entscheiden. Biete dem Kunden drei Produkte, und er hat genügend Wahlmöglichkeiten. Biete dem Kunden mehr als vier Produkte und er wird verwirrt das Geschäft verlassen, ohne zu kaufen.“
Dazu noch die unergründlichen Unternehmenssparten Telekom, T-Online, T-Home …
Wer also hat bei der Telekom zum Thema Marketing das Sagen? Schon beim optischen Auftritt habe ich ernsthafte Bedenken. Ich meine … Magenta? Ein Blick in die Statistik hätte dem verantwortlichen Art Director gezeigt, daß sie eine der unbeliebtesten Farben ist. Und das bei einem Unternehmen, welches aus der Deutschen Bundespost hervorgegangen ist, eine Behörde, die zu den unbeliebtesten der Welt gezählt haben dürfte, und die in den letzen Jahren Millionen von Kunden verloren hat, allein im Jahr 2010 waren es über zwei Millionen.
Anfangs hatte ich noch den Verdacht, der kürzlich von uns gegangene Designguru Professor Kurt Weidemann könnte seine Finger im Spiel gehabt und der Telekom absichtlich ein abstoßendes Design verpaßt haben, um sich für seine schlechten Erfahrungen mit dem Unternehmen zu rächen, die ja irgendwie jeder mal in seinem Leben gemacht hat. Und Weidemann war für seine despektierliche Art bekannt, es hätte also gepaßt.
Aber er war’s nicht. Und somit werden wir wohl nie mehr ergründen, wer für das Debakel der Telekom verantwortlich ist. Aber das müssen wir auch nicht.

Das T-Symbol auf dem Bürogebäude hinter meinem Haus ist schon lange abmontiert, die Frau mit den magentafarbenen Haaren hat das Haus längst verlassen, vermutlich hat sie keine Beute gemacht. Und ich werde mich jetzt entspannt zurücklehnen, in die kuscheligen Arme von Alice und noch ein paar von meinen E-Mails lesen.
Dieser Beitrag wurde nicht gesponsored von Alice.
Und schon gar nicht von der Telekom.

War das nicht an der Prenzlauer Promenade in Berlin? meine mich noch an das Bild (vielleicht nicht genau dieses, aber ein ähnliches)zu erinnern… muss so um Weihnachten herum, vor drei oder vier Jahren gewesen sein, oder?
Ich werde doch den, diesen Blog observierenden, Geheimdiensten nicht verraten, von welchem Dach aus in der Berliner Prenzlauer Promenade man meine Wohnung sehen kann.
Upps, jetzt hab ich's doch verraten.
Ach, was soll's …