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Tägliche Begegnungen

Vorhin mal wieder in der Straßenbahn, auf dem Weg nach Hause: Eine Frau zwischen 50 und 60, mit langen ergrauten und vom Schnitt her eher naturbelassenen Haaren, erdfarbener Kleidung und mit vegetarischen Methoden ausgemerkelter Statur … oder auf gut Deutsch – ’ne 68er Ökotussi – steigt ein und fängt sofort an, auffallend laut zu telefonieren. Und es machte auf mich nicht den Eindruck als sei sie schwerhörig, viel mehr wollte sie wohl, daß alle hören, was sie zu sagen hat.
Das drehte sich im Wesentlichen um die Antipapstdemo, bei der sie mit anderen gegen den Papst und die rückständige Haltung der katholischen Kirche in vielen aktuellen gesellschaftlichen Fragen demonstrierte. Zum Beispiel die völlig verkorksten Ansichten zur Homosexualität.
Und während ich noch überlege, ob ich ihr wegen des lauten Telefonierens in der Öffentlichkeit böse sein oder wegen ihres Engagements zum Wohle der Gesellschaft großzügig über ihr frefelhaftes Kommunikationsgebaren hinwegsehen sollte, reißt sie doch glatt mit dem Arsch wieder ein, was sie soeben noch mit Worten behutsam aufgebaut hatte: „Die Demo geht ja jetzt noch weiter aber ich wollte doch heute noch zum Yoga“.
Aha! Yoga also!
Verkackt!!!

5 Kommentare

  1. Anonym

    Man könnte das auch anders sehen: Sie war da und hat zumindest zeitweise etwas beigetragen. Du hingegen redest nur. Vielleicht würde Dir ein bisschen Yoga gar nicht schaden. Da kommt man nämlich mal auf andere Gedanken.
    Gruß
    Peter

  2. Sunlion

    Naja, also das ist ja nun nicht ganz korrekt: Ich rede nicht nur, ich schreibe auch! Zum Beispiel hier in diesem Blog. Immer in der Hoffnung, das es doch jemand liest und sich Gedanken darüber macht, abseits der öffentlichen Darstellung der Geschehnisse in den Medien. Na schön, da hab ich also mal 'ne Demo verpaßt … aber ich habe auch einen passenden Entschuldigungszettel – ich mußte arbeiten!
    Andererseits: Ist es nicht der Zweck von Yoga, auf KEINE Gedanken zu kommen?

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