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Einsachtzig tief

Manchmal denke ich, die bei Google haben zu viele bunte Bonbons genascht. Zum Beispiel wenn ich feststelle, daß die Pankower Achtermannstraße, in der mein Elternhaus steht, bei Google Maps jahrelang „Zur Grabenschlucht“ hieß, obwohl es eine Straße mit der Bezeichnung in ganz Berlin nicht gab. Deshalb schrieb ich an die verantwortliche Stelle eine klärende E-Mail, was dazu führte, daß nach nur einem halben Jahr (an dieser Stelle bitte alle mal genervt die Augen verdrehen – ja, genau so, danke!) die östliche Hälfte der Straße den korrekten Namen erhielt, während der Rest noch immer „Zur Grabenschlucht“ hieß. Es gibt dort weit und breit weder Gräben noch Schluchten, erstaunlich, wie sich so ein Fehler einschleichen kann. Mittlerweile haben sie’s aber wohl geschnallt und den Fehler korrigiert.
Fast scheiterte meine heutige Radtour an demselben Problem, denn die Neuenhagener Chaussee hieß auf der von mir ausgedruckten Google-Maps-Webseite fälschlicherweise Hönower Chaussee, was ebenfalls höchst verwunderlich ist, denn die Hönower Chaussee gibt es auf der Karte gleich nebenan ein zweites Mal. Vielleicht sollten die Programmierer doch lieber mal die Bonbonsorte wechseln.
Nach 26 Kilometern, einigen Umwegen und meinem, auf einem nutzlosen Gelsattel wundgesessenen Hintern kam ich dann im tiefsten Osten beim Grundstück eines ehemaligen Mitschülers an, den ich seit zehn Jahren nicht mehr gesehen habe, und der sich auch gleich hartnäckig weigerte, mich zu erkennen. Bei meinem Namen klickerte dann aber wohl doch irgendwas bei ihm, und so saßen wir dann gemütlich in seinem Garten und stellten fest, daß er sich ein neues Hobby zugelegt hat. Seit einigen Jahren taucht er nämlich und hat auch alle möglichen Tauchscheine, Urkunden und Bewilligungen bis hin zum Divemaster, der wohl so etwas wie der schwarze Gürtel im Tauchsport ist. Während ich in jungen Jahren mein wohlverdientes Geld mit voller Wucht für Elektronik und Uhren aus dem Fenster warf, hat mein ehemaliger Mitschüler lieber mit vereinten Kräften von Bruder und Eltern ein Haus aus dem Boden gestampft, das nicht nur größer und schöner als das der Nachbarn ist, sondern sogar einen kleinen Swimmingpool im Garten besitzt. So kam ich also heute in den Genuß, das erste Mal im Leben zu tauchen. So richtig echt mit Anzug und Luftflaschen.

Bis heute habe ich gelegentlich in einigen der weiter hinten befindlichen Gehirnregionen darüber nachgedacht, ob ich nicht auch mal einen Tauchschein machen sollte; doch nun kann ich diese Frage wohl endlich als hinfällig betrachten. Es ist schon sehr gewöhnungsbedürftig, gegen einen Lungenautomaten anzuatmen, der die lebensnotwendige Luft nur widerwillig mit leichter Verzögerung abgibt. Und beim Ausatmen blubbern einem die Luftblasen derart laut um die Ohren, daß die Taucherbrille wackelt! Somit wird sich dieser Sport nun doch nicht in meine persönliche Top 10 der beliebtesten Zeitvertreibe einreihen. Aber interessant war’s trotzdem da unten, einsachtzig tief im Wasser.