Vor 20 Jahren, nach dem Zusammenbruch der DDR, stürzten sich die westlichen Massenmedien wie die Geier auf die Reste des untergegangenen Staates und trampelten auf den qualmenden Ruinen herum, indem sie den Zerfall minutiös beschrieben, so als hätten sie’s schon immer gewußt. Auch das Gesundheitswesen bekam seinen Teil ab, völlig marode und kaputt, sei es gewesen.
Zeit für eine kurze Bestandsaufnahme: Mit schmerzendem Rücken, Gehbeschwerden und beginnender Taubheit im rechten Bein quälte ich mich heute morgen zu einem Orthopäden, den ich vor etwa zehn Jahren zuletzt aufsuchte, und der mir aufgrund seiner Freundlichkeit und Kompetenz im Gedächtnis geblieben ist. Heute jedoch empfing mich eine sauertöpfisch dreinschauende Sprechstundenhilfe, die nicht mal einen Hauch von Freundlichkeit oder den Anflug eines Lächelns erkennen lies. Mies gelaunt erklärte sie mir, daß Doktor G. bereits vor über acht Jahren seine Lizenz für Kassenpatienten zurückgegeben habe. Oder anders formuliert – er behandelt nur noch Privatpatienten. Mies gelaunt erklärte ich ihr, daß Doktor G. ja dann schon über acht Jahre Zeit gehabt hätte, diesen Umstand auf seiner Webseite und in den vielen Internetbranchenbüchern zu kommunizieren. So humpelte ich also mit meinem schmerzenden Rücken und dem sich zunehmend tauber anfühlenden Bein zu der von ihr genannten Alternative, nicht allzu weit weg und dennoch etwa zwei Kilometer entfernt von jeglichem öffentlichen Nahverkehr. Das dortige Ärztehaus gab sich sofort und ungeniert als Zufluchtsort für Kassenpatienten zu erkennen – der Fahrstuhl war defekt und der lange Flur in der dritten Etage gänzlich unbeleuchtet. Nur mit Hilfe meines Mobiltelefons konnte ich das Eingangsschild ausreichend lesbar beleuchten. Die Sprechstundenhilfe, ein ebenso freundliches wie bizarres Wesen aus einer anderen Dimension mit einem hinreißend häßlichen, bunten Gestrüpp auf dem Kopf, ließ mich wissen, daß diese Woche leider keine Termine verfügbar seien. Und ich solle mich an meinen Hausarzt oder eine Notfallklinik wenden.
Nun sitze ich also hier beim Hausarzt, mußte ein zweites Mal zehn Euro Praxisgebühr bezahlen, weil die zehn Tage alte Quittung eines anderen Arztes nicht ausreicht, nein-nein – es muß ja unbedingt eine Überweisung mit dabei sein! Von einem fachfremden Facharzt zum Hausarzt! Was für ein Schwachsinn!
Nachdem der Arzt mich untersucht, einen eingeklemmten Ischiasnerv diagnostiziert und außerdem beschlossen hat, mich aus Mitleid umgehend einzuschläfern, lasse ich, während meine Augenlieder, verursacht durch das finale Narkosegas, immer schwerer werden, meine Erfahrungen mit dem DDR-Gesundheitswesen Revue passieren. Und ich sage es wirklich nur ungern, aber: Es war nicht alles schlecht!


Wenn Du mal wieder einen guten Orthopäden brauchst (und die Röntgenaufnahmen sehen wohl selbst für den Laien danach aus):
http://www.docortho.de, direkt am S-Bhf Friedrichstraße.
Kann ich nur wärmstens empfehlen. Auch ohne Termin, mit einer annehmbaren Wartezeit, kommt man als Schmerzpatient dran, da dort ständig sechs bis acht Ärzte arbeiten.
Gute Besserung! Gruß Anke
Super, gute Adressen wandern immer sofort in mein super-mega-ultra-hypermodern-digitales Adreßbuch. Aber in diesem Fall hätte sie mir wohl nicht viel genützt, da die Friedrichstraße von zu Hause aus weit weg ist und jeder Schritt furchtbar schmerzt, als würde jemand mit einem gruselig scharfkantigen Schraubenzieher in meinem Hüftgelenk herumbohren. Aber der nächste Fall kommt bestimmt, dann klopfe ich dort mal an.
Dennoch – danke, Anke! =o)
…
(Anke S.?)
***Neueste Meldung der BLÖD-Zeitung***
Anke S. aus B. an der S. wurde heute im Wartezimmer Ihres Stamm-Orthopäden in der Friedrichstraße gesehen… Warum?… Sie ist gestolpert… Worüber? .. über den langen Bart, der (seit gefühlten 28 Jahren nur noch semi-lustigen)Redewendung: Danke, Anke!… Sie befindet sich auf dem Weg der Besserung. Wir danken dem großartigen Orthopäden Dr. Oliver M.! ;o)))))
Hoffe dem Rücken, der Hüfte und dem gesamten Rest meiner alten Jugenliebe geht´s wieder besser?
Das Wort „Jugendliebe“ ist ja äußerst schmeichelhaft, kann aber das davorstehende, böse, böse Wort „alt“ auch nicht wiedergutmachen, ein Wort, das neben Frauen über 30 auch von schmerbäuchigen, faltigen, alten Säcken wie mir nicht gern gehört wird. Aber ich betreibe Wortklauberei, des Pudels Kern ist doch der aktuelle Status meines Rückens: Es geht ihm schlechter als neulich noch, weswegen der Onkel Doktor mich heute auch sofort notschlachten lies und die sakralen Überreste anschließend unter größten Sicherheitsmaßnahmen heimlich an eine illegale Sondermülldeponie in Sizilien verschiffte, wo mein geschundener Rücken samt Hüfte und restlicher Jugendliebe bis ans Ende aller Tage als Geist umhergeistern wird. Und das ist ja bekannlich auch nicht mehr lange hin, gelle?