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Auto? Mobil!

Nachdem ich aufgrund ungünstig gelegener „Lokäischens“ und rückwärtigen Totalschadens leider keinen einzigen Konzerttermin der besten AC/DC-Kopie der Welt wahrnehmen konnte, hatte ich mich Anfang Juni nun doch endlich dazu entschlossen, mir jenes sagenumwobene Stück Papier zuzulegen, das zu DDR-Zeiten noch 60 Ostmark kostete, für das man heutzutage locker 1800 Euro hinblättern muß (das sind etwa 25.200 Ostmark), und für das manche Menschen bereit sind, zu töten.
Die Rede ist vom Führerschein, und da in meiner engeren Familie sich jahrzehntelang keiner dazu durchringen konnte, mal endlich einen anzuschaffen, habe ich nun das schwere Los übernommen, die Familienehre zu retten. Unter’m Strich wohl eher eine Milchmädchenrechnung, denn für die gesamten Kosten, die man für Pappe, Auto, Versicherung und Reparaturen aufwenden muß, kann man vermutlich 1000 Jahre lang am Stück Taxi fahren. Doch die Abhängigkeit von Bus, Bahn und Mitfahrzentrale wolle ich endlich durchbrechen, und jetzt, gut zwei Monate später, erscheint mir das Vorhaben doch leichter, als befürchtet. Manche Fragen in der theoretischen Vorbereitung sind mitunter etwas unlogisch oder widersprüchlich, und wenn man absolut keine Ahnung von Autos hat, so wie ich, kann man technische Zusammenhänge auch nicht immer gut durchschauen. Da hilft eben nur Lernen!
Aber in der Fahrpraxis mache ich mich jedes Mal besser, das Auto fährt fast von alleine und dem Fahrlehrer neben mir stehen zunehmend weniger Schweißperlen und Sorgenfalten auf der Stirn. Spätestens nachdem ich eine plötzliche Notbremsung meisterhaft absolvierte, hat er wohl etwas mehr Zutrauen in mein Können gefaßt: Minutenlang dackelte ein kleiner, weißer Fiat von einem bekannten Sozialdienst hinter mir her, während ich mit hastigen 33 Kilometern pro Stunde durch eine fünfziger Strecke eilte, um mich dann auf der eher schmalen und leicht ansteigenden Pankower Damerowstraße zu überholen. Und ich freue mich noch darüber, den fiesen kleinen Drängler endlich los zu sein, sage das auch mit einem einsekündigen Seitenblick zu meinem Fahrlehrer, als der miese kleine Köter plötzlich mit rotleuchtenden Augen vor mir steht, um nach links abzubiegen. Ein kräftiger Tritt auf das Eisen in der Mitte brachten den Yeti dann einen halben Meter hinter dem amtlichen Kennzeichen der gemeinen Drängelbremse zum Stehen. Also wenn er sowieso abbremsen muß, um anschließend abzubiegen, hätte er die 200 Meter auch noch ohne zu überholen ausgehalten. Und überhaupt – wieviel Verrückte es dort draußen gibt! Wenn ich mit 49 auf einer fünfziger Strecke unterwegs bin und mit gefühlten 180 km/h und merkwürdig ruckeligen Lenkbewegungen überholt werde, wird mir schon ein wenig mulmig!

Jedenfalls rückt die Frage nach dem richtigen Auto nun langsam in nähere Reichweite, und nach intensiver Beratung durch die Internetcommunity soll es nun doch ein Neuwagen werden, sponsored by Mum. Erstaunlicherweise sind für einen, durch seinen Beruf als Grafiker und Fotograf im Sehen geschulten Ästheten wie mich die Möglichkeiten recht stark eingeschränkt, denn die meisten aktuellen Autos sind häßlich! Unharmonische Linien, merkwürdige Knicke und Falze in Karosserie und Lampen, es ist wirklich zum Jammern. Gelegentlich habe ich den Eindruck, daß Autos umso häßlicher werden, je billiger sie sind. Ein Schalk, wer den Herstellern hier Böses unterstellt! Und die richtig geilen Schlitten sind zwar als Gebrauchtwagen schon günstig zu bekommen, dafür dürfte man aber spätestens bei Fälligwerden der Versicherungsprämie und den unaufhaltsam näherkommenden Ersatzteilkosten ins finale Koma fallen.
Richtig sexy und noch halbwegs erschwinglich könnte aber der kommende Golf 7 werden. Das Design spricht mich wirklich sehr an, und als Zweitürer hat er auch die richtige Alltagsgröße. VW hat anscheinend sogar verschiedene alternative Antriebskonzepte in der Schublade, wobei zu befürchten ist, daß ein elektrischer Golf nicht bezahlbar ist, denn für die grob geschätzt 10.000 Euro mehr, die er im Vergleich zu einem Benziner in der Anschaffung teurer sein dürfte, kann man schon einige tausend Kilometer auf herkömmliche Art zurücklegen. Und die passende Steckdose hat der Parkplatz vor meinem Haus leider auch nicht. Interessant finde ich die Idee, von vier Zylindern zeitweilig zwei abzuschalten, wenn sie nicht benötigt werden, um Benzin zu sparen. Allerdings hatte ich diese Idee als autotechnischer Laie bereits vor über zehn Jahren, wenngleich in etwas abweichender Form, nämlich mit abwechselnd arbeitenden Zylindern, um den Verschleiß gleichmäßiger zu verteilen.
Ich persönlich bin jedoch eher ein bekennender Fan der Kernenergie und hoffe noch immer auf die in den sechziger Jahren propagierten Fahrzeuge mit eigenem Kernreaktor. Soweit ich mich erinnern kann, stammt diese Erfindung von dem japanischen Professor Fukushima, eine Idee, die ihn weltweit mit einem Knall berühmt gemacht hat.

Dieser Beitrag wurde nicht gesponsort von VW. Die Chance solltet Ihr Euch allerdings nicht entgehen lassen! Wie wär’s mit einem gesponsorten Golf 7? Ich verspreche auch hoch und heilig, daß ich ihn hier seligsprechen werde!