Wenn man bis vor kurzem sagte: „der Typ ist ein Alternativer“, dann zündete in meinem Kopf der Vorurteilsprojektor und schleuderte sein Bild von einem langhaarigen, müsli- und tofuknabbernden Strickpulloverträger an die stirnseitige Leinwand, was nicht negativ gemeint ist, da solche Menschen in der Regel entspannte Zeitgenossen sind.
Nun gibt es da aber eine neue Partei, die Alternative für Deutschland, also ein politischer Zusammenschluß von Alternativen, die vom Erscheinungsbild her eher einen konservativen Stil bevorzugen, was den Kopfprojektor schon mal bedrohlich flackern läßt. Vom politischen Gegner auch als konservativ, vor allem aber als populistisch beschrieben, hat die neue Partei nun endlich ihr Wahlprogramm veröffentlicht, welches mit seinem Inhalt dafür sorgt, daß die Projektorlampe erfreut grell aufleuchtet und alle Sicherungen hektisch herausspringen läßt. Nun soll man Parteien ja bekanntlich nicht am Statut messen, sondern an ihren Taten, denn wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Aber die souveräne Präsentation der Standpunkte und die immer panischer und schriller werdenden Angriffe der anderen Parteien deuten darauf hin, daß die neue Partei eine tatsächliche Alternative zum jahrzehntelangen bundesrepublikanischen Einheitsparteienbrei sein könnte, und wenn auch nur, um den großen „Volks“-Parteien endlich mal einen Warnschuß vor den Bug zu setzen.
