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Unkraut vergeht nicht

Lieber Bürgermeister,

ich hab Dir heute eine E-Mail geschrieben, da das Erscheinungsbild meiner Wohngegend in den letzten Jahren heftig gelitten hat. Überall nur noch Unkraut, wo früher mal mehr oder weniger gut gepflegte Rasenflächen waren. In den letzten Jahren kümmerte sich jedoch niemand mehr um deren Instandhaltung, und wenn doch, dann wurde nur noch hastig „Rasen gemäht“, inklusive Unkraut. Doch Unkraut vergeht nicht durch mähen, man muß es entfernen. Durch die immer größer werdenden Abstände zwischen den Pflegeterminen kann sich das Unkraut nun wunderbar ausbreiten, denn es wächst schnell und verbreitet seinen Samen in der Gegend, sodaß es mit der Zeit immer schwieriger wird, es in den Griff zu kriegen.
Außerdem leidet die Gegend unter dem sich immer weiter verschlechternden Zustand der defekten Gehwege. In meiner Straße beispielsweise gibt es teilweise große Bereiche, in denen gar keine Platten mehr verlegt sind. An vielen Stellen fehlen einzelne Platten, sind beschädigt oder ragen aus der Fläche heraus, was die Unfallgefahr erhöht, insbesondere, da hier viele ältere Menschen wohnen (mich selbst zähle ich natürlich nicht mit dazu!). Der ungepflasterte Bereich verwandelt sich bei Regen übrigens in eine unpassierbare Sumpflandschaft. Und auf dem gleich daneben befindlichen, öffentlichen Parkplatz entsteht bei starkem Regen eine Seenplatte, da die Gullis anscheinend seit Jahrzehnten nicht mehr gereinigt wurden.
Also, lieber Bürgermeister, vielleicht kümmerste Dich ja freundlicherweise mal darum. Wir wollen doch schließlich die vielen Touristen, die uns hier besuchen, nicht wieder verlieren, nich‘? Stimmt’s? Oder?

Herzlichst!
Dein Sunlion Sonniglöw‘

3 Kommentare

  1. Herr A.

    The people keep the city clean

    Ihrem Geburtsort am Highway Nr. 19 hat Tina Turner vor 40 Jahren einen Welthit gewidmet, der dort nicht jedem gefallen haben dürfte. Denn sie lässt sich übel darüber aus, dass Nutbush/Tennessee an Öde und Spießigkeit kaum zu übertreffen ist. Alles scheint dort verboten zu sein, was unter dem Verdacht steht, jemand könnte Spaß daran haben. Und überhaupt wären sie dort mit dem Einsperren schnell bei der Hand, da sollte man sich gut überlegen, was man tut oder besser lässt. Pökelfleisch und Sirup ist alles, was es im Knast gäbe, lässt uns Tina wissen, und Freigang auf Kaution ist nicht. So weit, so schlecht. Um endlich auf den beklagten Zustand im skandinavischen Teil von Pankow zu kommen bleibt aber eine Textzeile über Nutbush hängen: the people keep the city clean. THE PEOPLE, nicht der Major, der Sheriff, die Verwaltung der State- oder Federal-Highways oder sonstwer!

    Der Satz ist interpretierbar: Halten die guten Leute von Nutbush tatsächlich ihr Städtchen sauber von Unrat, Abfall und Gestrüppe. Oder mobben sie verdächtige und unamerikanische, vielleicht sogar – shocking – linke Gestalten aus dem Ort? Wie das geht, war im Kino am Beispiel des freundlichen Sheriffs Teasle bei seiner ersten Begegnung mit John Rambo zu betrachten: „Komm Kumpel, ich fahre dich ein Stück, damit du dich hier nicht so lange aufhalten musst.“

    Ich vermute, beides ist gemeint. Der Zustand vor 40 Jahren ist leider nicht mehr nachvollziehbar. Google Maps zeigt heute eine weitläufige Streusiedlung ohne erkennbares Zentrum, dafür mit viel Landwirtschaft. Nur der besagte Highway Nr. 19 ist mit Street View teilweise abfahrbar. Aber es stimmt zumindest für diesen begrenzten Einblick: alles am Straßenrand ist raspelkurz gemäht, nichts wuchert, nichts liegt rum.

    So ist es halt bei den Amis auf dem flachen Land, könnte der Einwand lauten, vielleicht wohnen gerade dort die Schwaben der Staaten und halten Kehrwoche. Werfen wir daher einen Blick aufs andere Extrem und begeben uns in die übelste No-go-area, die Kalifornien zu bieten hat.

    Los Angeles South Central ist jener Stadtteil von L.A., der notorisch für kriminelle Straßengangs, Drogenumschlag und eine absurd hohe Verbrechensrate bekannt ist. Doch selbst da sehen die Straßenecken, die Parks und Spielplätze besser aus als in Pankow. Viel besser! Ich stelle mir gerade einen Homie aus South Central vor, der sich virtuell nach Pankow verirrt. Bloody shit, wird dem entfahren, das sieht ja abgefuckt aus. Was für Assis müssen da wohnen? Das kennt er von zu Hause nicht!

  2. Herr A.

    Und weiter geht´s:

    Denn wenn der Ami mäht, aufräumt oder gärtnert, dann macht er das Stück Straße vor seinem Anwesen mit. Oder lässt es mitmachen, wenn er sich Personal leisten kann. Das ist Ehrensache. Nach dem Bürgermeister ruft er jedenfalls aus solch nichtigem Anlass nicht!

    Und die Landstraßen? Dafür gibt es das Adopt-a-highway-Programm: wer der Öffentlichkeit etwas Gutes tun will, „adoptiert“ eine oder zwei Meilen Landstraße und kümmert sich darum.

    Das sind dann Mitglieder der örtlichen Handelskammer, die Waltons, die Leute von der Shiloh Ranch, ein Stammtisch, eine Jagdgesellschaft oder im großen alten Süden schon mal die Clansmen der lokalen Kapuzen-Dependance. Nachzulesen ist das auf einem Straßenschild, auf dem sich die Adoptiveltern verewigen dürfen. Die Landstraßen sind gespickt mit solchen Schildern!

    Die Adoptiveltern sammeln dann mehrmals im Jahr Chipstüten, Getränkebecher und abgefallene Autoteile ein, schneiden zugewachsene Schilder frei, melden Straßenschäden und bepflanzen, so vorhanden, die Verkehrsinseln. Wo nichts rumliegt, wird auch weniger weggeworfen. Wo nichts wuchert, mäht es sich leichter.

    Übertragen auf Pankow: wenn sich in jedem der hübschen Bauhausblöcke nur zwei Parteien, ein Stammtisch, eine Gartensparte oder wer immer finden würde, die ehrenamtlich die Pflege von 10 oder 20 Meter Straßenrand und Gehweg übernehmen würden, müsste niemand nach dem Bürgermeister rufen. Ist das abwegig? Für den dort heimischen Menschenschlag, bei dem das Niemandsland vor der eigenen, äh…angemieteten Schwelle beginnt, offenbar sehr. Einen Gehweg für lau reinigen, über den dann andere laufen? Unter den Augen der Öffentlichkeit niedere Dienste verrichten? Da sei Gott vor, sofern man überhaupt an den glaubt! Statt dessen soll der Wowibär aus seinem von Länderfinanzausgleich angefütterten Etat was lockermachen und regelmäßig so einen Trupp Leuchtjacken losschicken, die den öffentlichen Raum als Zeichen emsigen kommunalen Wirkens dekorieren und das Straßengrün hübsch in Form halten, damit es die Pankower schön nett haben.

    Über die amerikanische Außen- und Sicherheitspolitik, über deren Paranoia und Weltpolizistengehabe, gibt es sicherlich viel zu schmähen.

    Schau ich auf das Volk, würde ich mich, zumal als Auswärtiger, selbst in L.A. South Central wohler fühlen, als in dem sich schon früher als Hauptstadt bezeichnenden Teil von Berlin. Vielleicht sogar im öden Nutbush, sofern die in den letzten 40 Jahren ein bisschen lockerer geworden sind. Und nicht nur, weil es dort nicht wuchert.

  3. Sunlion

    Subotnik bei den Amis? Unglaublich! Das wußte Buschi, mein ehemaliger Staatsbürgerkundelehrer, nicht aus Amiland zu berichten.
    Aus der guten, alten DDR hingegen kenne ich das schon und hab auch immer fleißig mitgemacht. Heute hingegen bin ich der Ansicht, daß ich genügend Steuern und Abgaben bezahle, dann soll sich die Behörde, die dafür zuständig ist, auch verdammt noch mal darum kümmern. Wir können gern den Subotnik wieder einführen, aber dann will ich auch meine Straßenreinigungs- und Grünanlagenpflege-Gebühren zurückhaben.

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