Ich sitze gerade an der Gestaltung einer Broschüre und quäle mich mal wieder durch abertausende von nutzlosen Stockfotos. Dabei handelt es sich nicht um Fotos, auf denen Stöcke abgebildet sind, sondern um Fotos, die nicht extra beim Fotografen beauftragt wurden, sondern nach Themen geordnet bereits bei Online-Fotoanbietern fix und fertig „in stock“ – also auf Lager – vorrätig sind.
Und genau dieses „fix und fertig“ macht mich jedesmal auf’s Neue fix und fertig, denn die produzierenden Fotografen sitzen anscheinend daheim in ihrem Kämmerlein und versuchen sich als großartige Künstler, indem sie die Bilder perfekt bis auf die letzte Hautpore vorbereiten und glattbügeln, bis es nicht mehr den kleinsten Makel zu bemäkeln gibt. In gewisser Weise kann ich das in meiner Eigenschaft als Gelegenheitsprofifotograf (was nicht mehr bedeutet, als daß ich nicht nur privat knipse, sondern hin und wieder auch beruflich schnappschieße, in mal mehr und mal weniger guter Qualität) durchaus nachvollziehen und begrüße es da, wo es mir beim Nachbearbeiten den Aufwand reduziert. Aber als Gestalter raufe ich mir regelmäßig die Haare, denn ich kann nur in den seltensten Fällen etwas mit fertig beschnittenen Fotos anfangen.
Um ein Bild in ein Broschüre zu integrieren, benötige ich flexible Ränder, sowohl zur Seite hin, als auch nach oben und unten, allein schon um das Bild registerhaltig mit dem danebenstehenden Text zu arrangieren. Manchmal benötige ich Fotos im Hoch- und manchmal im Querformat. Das funktioniert aber nur, wenn um das Motiv herum möglichst viel „Fleisch“ ist, also Hintergrund, den ich dann im Layoutprogramm beliebig weit aufmachen oder zuziehen kann, indem ich den Objektrahmen vergrößere oder verkleinere. Oft scheitert die Verwendung eines spektakulär gut gelungenen Fotos einfach daran, daß ich es nicht in mein Layout einarbeiten kann. Gelegentlich gelingt es mir dann, wie bei untenstehendem Beispiel, mit Hilfe des Bildbearbeitungsprogrammes drumherum noch Hintergrund zu generieren, indem ich den vorhandenen Hintergrund mehrfach kopiere und so um das Motiv herum positioniere, daß es nicht auffällt. Ich klebe also das wieder an, was die Fotografen übereifrig weggeschnitten haben. Aber das klappt halt nicht immer. Deswegen, liebe Profifotografen: Gebt uns mehr Fleisch! Bitte nicht immer die Fotos so eng beschneiden, das können wir Grafiker auch selbst! Nur hinterher etwas drankleben … das wird schwierig!

Fotos: Fotolia
