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Fit wie ein Germina-Turnschuh

Ein Taschenrechner ist heutzutage nichts Besonderes. Jeder hat sowas in seinem Handy. Und im Ein-Euro-Laden gibt es die Minicomputer für 99 Cents zu kaufen. Made in China. Aber als ich noch zur Schule ging, das war kurz nach dem Aussterben der Saurier, war ein Taschenrechner ein heißbegehrtes, elektronisches Wunderwerk, für das man sich alle zehn Finger abgeschnitten hätte, denn die benötigte man ja dann ohnehin nicht mehr zum Zählen, und die Tasten des Rechners kann man auch mit der Nasenspitze tippen.
Ich selbst habe noch in der Schule die Bedienung eines Rechenstabes erlernt, und wenn man nicht unbedingt drei Nachkommastellen benötigte, waren die Dinger auch erstaunlich genau. Aber sie waren so furchtbar uncool! Taschenrechner waren da irgendwie anders, sie hatten damals noch leuchtende LED-Anzeigen und knackende Tasten, Annett – die hübsche Tochter einer Arbeitskollegin meiner Mutter – hatte so ein Teil, mit einem externen Netzteil, um nicht ständig die teuren 9-Volt-Batterien kaufen zu müssen. Allein schon dafür hätte ich sie geheiratet!
Und irgendwann, als es fast schon zu spät war, weil meine Schulzeit sich dem Ende neigte, bekam auch ich einen Taschenrechner, hergestellt in Fernen Osten, allerdings nicht in China, die rechneten damals noch mit Abakussen.
Gestern nun habe ich bei einem Bekannten eine echte Rarität entdeckt, den ersten offiziellen Schultaschenrechner der DDR, der damals subventioniert und gegen behördliche Genehmigung zum Preis von etwa 120 Ostmark an die lernende Bevölkerung verkauft wurde. An sich nichts Weltbewegendes, außer vielleicht, daß bei diesem Gerät noch nie die Batterie gewechselt wurde und er nach über 25 Jahren noch immer funktioniert. Wenn man den tollen Geheimtrick, der sich dahinter verbirgt, damals doch nur für die Erhaltung der sozialistischen Gesellschaft entdeckt hätte – so manche unangenehme Erfahrung wäre uns heute vielleicht erspart geblieben.
Und manch positive sicher auch.