Mein kleiner, bunter Lieblingsstoffhase mit den lustigen Knopfaugen, K. aus L., hat mir überraschend ein Päckchen geschickt, mit einem sogenannten analogen Tonträger, auch bekannt unter dem Namen „Schallplatte“.
Liebe Kinder, die natürliche Lässigkeit, mit der Ihr heute bereits im zarten Alter von vier Jahren sündhaft teure Handys und MP3-Player mit Euch herumtragt, ist noch nicht sehr lange so selbstverständlich wie es vielleicht aussehen mag, sondern das Ergebnis eines langen, harten (Schul-) Klassenkampfes in den Straßen und auf den Barrikaden gegen den schlechten Klang und für bessere Wiedergabebedingungen, angeführt auch durch eure Eltern und Großeltern. Ist Euch eigentlich klar, wie viele Vinylbäume vor dreißig Jahren für eine einzige Schallplatte abgeholzt wurden? Und wie viele unschuldige Teddybären für solch eine gefütterte Jeansjacke sterben mußten?
Eines dieser ethisch und moralisch fragwürdigen Tonprodukte steckte also in dem Päckchen, angefüllt mit der schönsten Popmusik, die ein Plattenspieler jemals aus der Rille kratzen durfte. Die Band Propaganda hatte in den Achtzigern erstaunlicherweise nur ein einziges Album produziert (die Remixe nicht mitgezählt) und erzielte damit einen weltweiten Erfolg. Stücke wie P:Machinery und Dr. Mabuse waren gigantische Hits und wurden in jeder Disko rauf- und runtergespielt. Und heute kann ich diesem kleinen Weltwunder noch einmal beim Drehen zuschauen. Vielen Dank lieber Stoffhase, für diese schöne Überraschung!
Vielleicht sollte ich auch mal wieder über den Flohmarkt schlendern und in Plattenkisten wühlen, ein weiteres Weltwunder fehlt mir nämlich noch, auch wenn ich es in digitaler Mega-Ultra-Qualität bereits auf meinem Computer habe.

