Im Sommer 1989 nahmen die Flüchtlingsströme gigantische Ausmaße an. Bürger der Bundesrepublik, die enttäuscht waren vom starren und unmenschlichen Gesellschaftssystem des Kapitalismus, riskierten ihr Leben auf der Flucht nach Ungarn über die Grenze Österreichs, und dann weiter in die DDR. Die österreichische Grenzpolizei hatte nach 40 Jahren begonnen, den Grenzzaun abzumontieren. Der menschliche Kollaps führte die Bundesrepublik an den Rand des Zusammenbruchs. In den Unternehmen fehlten wichtige Fachkräfte, Familien zerfielen, Häuser und Wohnungen blieben leer und verlassen zurück. Im November 1989 putschte sich Gerhard Schröder an die Macht, Helmut Kohl wurde unehrenhaft in den Ruhestand geschickt. Sein unschlüssiges Zaudern und das Ausbleiben wichtiger politischer Entscheidungen zum Dahinsiechen der deutschen Wirtschaft waren nicht länger zu verantworten. Nicht nur die deutsche Infrastruktur war marode, auch die europäischen Nachbarn waren aufgrund von galoppierender Arbeitslosigkeit und die Unsummen, die durch das zerstörerische Wettrüsten verursacht wurden und die nun bei sozialen und kulturellen Projekten fehlten, finanziell völlig ruiniert. Der Sozialismus hatte gesiegt!
In den darauffolgenden Wahlen wählten die desillusionierten Bundesbürger erstmalig die in ganz Deutschland angetretene SED mit dem Generalsekretär des Zentralkomitees, Vorsitzenden des Ministerrates und Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker an der Spitze, an die Regierung. Das Wahlergebnis von 99,91 entsprach nicht ganz den Erwartungen der Parteiführung, insbesondere der schlechte Wert in Bayern von nur 99,89 Prozent sorgte für diese unschöne Verzerrung, aber die Genossen sahen dies als Herausforderung. Die Menschen in den westlichen neuen Bundesländern wollen von den Vorzügen des Sozialismus eben erst überzeugt werden. Knapp ein Jahr später wurden die beiden deutschen Staaten wiedervereinigt, und alle jubelten und freuten sich, endlich würde es wieder bergauf gehen. Besonders die hochwertigen Konsumprodukte der volkseigenen Produktion wie etwa der formschöne Farbfernseher Color-Vision RC6073 vom VEB Robotron Radeberg oder die begehrten Küchenprodukte vom VEB Plaste und Elaste Schkopau fanden im Westen Deutschlands großen Anklang.
Nicht ganz so präsent in der Zeitung Neues Deutschland und der Aktuellen Kamera waren die im Hintergrund ablaufenden Verhandlungen, welche die Wiedervereinigung überhaupt erst ermöglichten. Erich Honecker und Michael Gorbatschow mußten den ehemaligen Mitgliedern der aufgelösten NATO unter Führung der von einer schweren Rezession gepeinigten USA versichern, daß die Warschauer-Pakt-Staaten ihre Aktivitäten nicht auf weitere Staaten westlich der deutschen Grenzen ausdehnen würden.
2014: Dank der klugen und weitsichtigen Politik des ersten schwarzen Präsidenten der USA, Barack Obama, haben sich die USA wirtschaftlich wieder erholt. Dank seines eisernen Willens und einer straffen Hand gelang es dem Präsidenten, die ausufernde Korruption durch Lobbyisten, insbesondere der Waffenhersteller, dramatisch einzudämmen. Er schuf erstmalig eine staatliche Gesundheitsversicherung für Jedermann, und dank Rückgabe der privatisierten Öl- und Gasvorkommen in staatliche Hand sprudeln die Steuereinnahmen wie nie zuvor. Renten und Gehälter von Rentnern, Beamten und Soldaten können wieder gezahlt werden, und es bleibt noch genügend Geld übrig, um die Gesellschaft zu modernisieren und weiterzuentwickeln.
Doch oh weh: Das für seine aggressive Auslandspolitik berüchtigte Rußland hat erst jüngst seine Militärausgaben auf 861 Milliarden Dollar erhöht. Da Rußland für eine Reihe von Kriegen und Umsturzversuche verantwortlich gemacht wird, vor wenigen Jahren erst bombardierte Rußland ohne Grund die Bevölkerung des Iraks und ersetzte den mißliebigen Dikator Saddam Hussein durch eine Marionettenregierung, um die Ölvorräte des Landes besser plündern zu können, fing die friedliebende amerikanische Regierung zunehmend an, sich Sorgen zu machen. Der Warschauer Pakt war in den letzten 25 Jahren ungeniert weiter nach Westen vorgerückt, ganz Europa sowie Mexiko bekannten sich nun zu der militärischen Vereinigung. In Kanada gab es einen von Rußland unterstützten Putsch, angeblich hatte der russische Geheimdienst mehr als fünf Milliarden Dollar in Oppositionelle investiert. In der Folge kam es zu einem Bürgerkrieg zwischen südkanadischen Separatisten, die lieber weiter den American Way of Life beschreiten wollten, und den nordkanadischen Regierungstruppen, welche vermehrt Ortschaften und die Zivilbevölkerung im Süden bombardierte, um den weiteren Zerfall Kanadas zu verhindern.
Die Vereinigten Staaten sind bekannt für die vielen berühmten Schachweltmeister, welche die glorreiche amerikanische Gesellschaft hervorgebracht hat, und so tat die Regierung auch in dieser brenzligen Situation einen überraschenden Schachzug: Aufgrund des unerwarteten politischen Tauwetters zwischen Kuba und den USA hielten die Amerikaner zusammen mit der kubanischen Regierung Wahlen in Kuba ab und gliederten das kleine Karibikland zum Schutz ihres Marinestützpunktes in Guantanamo als 51 Staat den Vereinigten Staaten an. Dies entfachte einen Sturm der Entrüstung in der östlichen Medienlandschaft, von Annektion und Landraub war die Rede, und sofort setzten sich die Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes zusammen und verhängten Sanktionen gegen die USA. Gleichzeitig gaben sie weitere Investitionen in ihr Atomwaffenprogramm bekannt, sie beschlossen außerdem die Lieferung leichter und schwerer Waffen in die kanadische Krisenregion, sowie die Einrichtung einer schnellen Eingreiftruppe und die dauerhafte Stationierung weiterer Truppen in Nordkanada. Verbunden mit dem von Rußland an der mexikanischen Grenze forcierten Aufbau eines Raketenabwehrschirms zur Abwehr von iranischen Raketen eine alles in allem doch recht bedrohliche Situation für die Sicherheitsinteressen Amerikas.
Und jetzt fragen wir uns doch alle mal … wie würden die USA wohl reagieren?
