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Witziges Windows

Soeben habe ich das neue Windows 10 zum Testen in einer virtuellen Maschine installiert und kann mal wieder nur den Kopf schütteln. Haben die eigentlich nur noch Idioten bei Microsoft?
     Da wäre zunächst mal das Design: Auf der einen Seite primitivste Strichelchen-Symbolik bei Icons, auf der anderen Seite bunte Symbole, zum Beispiel beim Explorer oder dem neuen IE (wie heißt das Mistding nochmal?). Beides nebeneinander und doch nicht zueinander passend. Dann die großen Kacheln im Startmenü: Ein absoluter Witz, lächerlich sowohl vom Design her als auch von der Funktionalität. Was bitte soll so geil daran sein, für ein Programm­start-­Icon soviel Platz zu verschwenden? Die Kachelei war bei Windows 8 schon daneben, weil ich die Icons genauso gut auch auf dem Desktop ablegen könnte, dabei noch ein hübsches Bild im Hintergrund hätte und außerdem viel Platz sparen würde. Und sie beißen sich ebenfalls mit den anderen Startsymbolen, weil sie unterschiedlich aussehen und weniger erfahrenen Nutzern nicht sofort klar sein dürfte, welche Funktion sich jeweils dahinter verbirgt. Problematisch auch die insgesamt flache Optik der Oberfläche mit Tasten, die erst sichtbar werden, wenn man mit der Maus drüberfährt. Ich weiß genau, was passieren würde, wenn ich meiner 80-jährigen Mutter ihr XP gegen 10 austauschen würde. Sie wüßte nichts damit anzufangen, weil Tasten nicht mehr sichtbar sind und sie nicht wüßte, wo sie draufklicken muß. Benutzerfreundlich kann man das wohl kaum mehr nennen. Viel wichtiger wäre es gewesen, gleichwertige Funktionen endlich zu vereinheitlichen. So macht es nämlich einen Unterschied, ob ein Starticon auf dem Desktop liegt oder im Startmenü. Bei letzterem reicht bereits ein einfacher Klick, auf dem Desktop muß es hingegen ein Doppelklick sein. Allein das kann sich meine Mutter schon nicht merken. Damit ist Windows 10 mal wieder weit ab vom Schuß, denn ein gutes Betriebssystem zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, daß es einfach zu bedienen ist, auch ohne vorher eine Anleitung lesen oder den Sohnemann fragen zu müssen.

     Aber so richtig gereicht hat es mir, als ich den Kalender sah. Bildschirm­auflösung 1600 x 1200, und trotzdem paßt nicht der ganze Tag auf den Schirm, weil die Stundenzeilen viel zu hoch sind. Bei der Wochenansicht ist rechts der nächste Montag schon teilweise sichtbar. Was bitte soll der Quatsch? Gibt es denn bei Microsoft nicht einen einzigen Mitarbeiter, dem soetwas auffällt? Stattdessen machen sie genau denselben Fehler wie Apple bei iCal – bei der kleinen Monatsübersicht fehlt links und rechts ein Pfeil, um schnell zum vorigen/nächsten Monat springen zu können. Denn verrückt wie das Leben so ist – manche Termine finden auch in anderen Monaten als dem aktuellen statt!
Insgesamt ist Apple mittlerweile jedoch keinen Deut besser, das aktuelle iOS ist genauso schlimm, weil das flache Design ohne eindeutig erkennbare Tasten nicht sehr benutzerfreundlich ist. Speziell die Kalender-App ist viel unübersichtlicher als zuvor. Da bleibe ich lieber bei iOS 6, Lion und XP, so lange es geht.
     Was mich an der Problematik aber am meisten entsetzt ist, daß wir hier nicht über irgendwelche kleinen Frickelbuden sprechen, sondern über die größten und bekanntesten Softwarehersteller der Welt. Mit unzähligen Mitarbeitern, Psychologen, Interfacedesignern, Grafikern, Software-Testern usw. Alles studierte Leute, in aufwendigen Einstellungsverfahren überprüft und ausgewählt. Und genügend Zeit hatten sie auch, alles zur bestmöglichen Reife zu entwickeln, auf Plausibilität zu hinterfragen und danach zu ändern. Benutzer zu interviewen und die Ergebnisse in die Entwicklung einfließen zu lassen. Und trotzdem kommt am Ende das dabei heraus? Nicht zu fassen! Vermutlich hat sich wieder irgendein Abteilungsleiter oder Vorstandsvorsitzender mit seinen dummen, laienhaften Ideen in den Entwicklungsprozeß eingemischt, so wie ich das auch schon aus meiner eigenen Berufstätigkeit kenne. Nämlich wenn ein Chef vorbeikommt und anfängt, die Entwicklung von Typografie und Gestaltung vom Urschleim an neu zu erforschen: „Mach das mal größer. Nee, doch lieber wieder kleiner! Schieb das mal hoch! Oder besser runter? Was meinst Du?“
     Besonders nervig ist momentan aber Google. In einem Anfall von über­triebener Fürsorglichkeit nervt mich das Backend dieses Blogs jedesmal mit Hinweis-E-Mails, daß ich mich gerade eingeloggt habe und mehrfachen Hinweisen am Kopfende der Webseite, daß soeben Cookies gesetzt wurden. Und jedesmal muß ich die Mails löschen und die Hinweise wegklicken. Hallo? Google? Es nervt! Ich würde das Internet gern mal wieder benutzen, ohne ständig bemuttert zu werden und mir den Weg freiklicken zu müssen. Herr, laß Hirn vom Himmel regnen! Oder wenigstens tröpfeln. Oder ist der Mangel daran etwa auch eine Folge des Klimawandels?