Bis vor ein paar Jahren besuchte ich regelmäßig die Lokalrunde, allerdings nicht den traurigen Haufen alter Säufer in der Kneipe um die Ecke, die sich mittlerweile in eine Anwaltskanzlei transformiert hat, sondern eine Veranstaltung mit Musik und Kleinkünstlern, die kreativ tätig sind und Berlin mit ihren humorvollen Texten beglücken. Eine Zeit lang lief die Veranstaltung im Café Moskau, aber das machte irgendwann zu und ich verlor die Lokalrunde aus den Augen.
Jetzt isse aber wieder da, wächst und gedeiht, und gestern nun waren wieder zwei alte Bekannte von den Berliner Lesebühnen mit dabei, nämlich Tube, dessen skurrilen Humor ich von allen bisher gehörten Autoren am liebsten mochte, und Spider, dessen Werke ich auch schon des Öfteren genießen durfte.
Zufällig bin ich nun über einen Beitrag von Spider gestolpert, aus dem ich entnehme, daß er wohl hier bei mir in der Nähe wohnt, denn der Bäcker, den er beschreibt, befindet sich gar nicht so weit weg. Und die Empfindungen, die er mit seinem Text vermittelt, entsprechen auch meinen Erinnerungen an die Zeit in der DDR, als ich kleiner Stippi frühmorgens zum Bäcker gescheucht wurde, um Brötchen zu holen, und wo ich mich meistens in einer langen Schlange gedulden mußte, bis ich endlich drankam. Auch heute bildet sich früh wieder eine lange Schlange vor dem Bäcker, aber anders als damals weiß ich die Backwaren viel mehr zu schätzen, denn was es ansonsten so in Supermärkten und sogenannten Backshops im Angebot gibt, verdient in meinen Augen weder die Bezeichnung Brot noch Brötchen.
Spider ist sozusagen mein netter Nachbar, und ich damit sein netter Nachbar. Und als der nette Nachbar, der ich bin, könnte ich Euch natürlich verraten, wo man den leckeren Bäcker findet. Aber als der egoistische Scheißkerl, der ebenfalls in mir steckt, vermeide ich das lieber, einfach aus der Befürchtung heraus, die Schlange könnte sonst noch viel länger werden.
Aber wenigstens reinhören dürft Ihr mal, ich denke, das ist okay:
