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Der Anfang vom Ende: Ein Neuanfang

Nun ist die Katze also aus dem Sack: Die Briten stimmten mehrheitlich für einen Ausstieg aus der Europäischen Union. Sie wollten nicht länger unter der Knute des undemokratischen Monsters leben, das die Bürokraten in Brüssel installiert haben, und das sich einen Dreck schert um die Bedürfnisse der Menschen Europas.
     Nicht die Briten haben damit eine echte Chance vertan, sondern die Konstrukteure der Europäischen Union, weil sie sich bis auf einige wenige Alibi-Aktionen wie etwa dem Rauchverbot nie wirklich für die Bevölkerung interessierten, denn es ging von Anfang an nur um bessere Bedingungen für die Wirtschaft. Ansonsten hätten nämlich zunächst viel tiefgreifendere Reformen in den Mitgliedsstaaten angestrengt werden müssen, wie etwa ein einheitlicher Mindestlohn, vergleichbare Sozialleistungen, Abstimmung von Polizei, Justiz und Steuergesetzen usw. Aber dies hätte jahrzehntelange Vorbereitungen benötigt, und wie bei Politikern üblich, wollten sie wohl wieder mal schnell sichtbare Ergebnisse. Und die kamen dann auch. Man plapperte die Bevölkerung mit „Wegfall von Umtauschgebühren“ und „keine Wartezeit mehr bei Grenzübertritten“ um den Verstand und riss die Grenzen auf, prügelte die neue Einheitswährung unter die Leute und verband sich anschließend Augen und Ohren, um nicht sehen zu müssen und hören zu wollen, wie das Schiff immer mehr ins Schlingern geriet und langsam mit Wasser volllief. So kamen zum Beispiel Menschen aus ärmeren Mitgliedstaaten in die reicheren, um dort von den besseren Sozialleistungen zu profitieren, was man ihnen auch nicht vorwerfen kann, denn in anderen Staaten sieht es diesbezüglich oft traurig aus. Aber eine vereinheitlichte Sozialpolitik hätte dies schon verhindern können. Dann kamen die Gauner, klauten alles was nicht niet- und nagelfest war, sprengten Geldautomaten und verschwanden blitzschnell über die offenen Grenzen. Anschließend folgten die internationalen Hasardeure, pokerten an den Börsen die Volkswirtschaften in Grund und Boden, definierten die Bankenkrise erst zur Eurokrise und dann zur Staatsschuldenkrise um, verschoben Gewinne von einem Land ins andere und drückten sich um Steuerzahlungen herum. Die Verbrecher auf der anderen Seite hoben daraufhin die Stabilitätskriterien für den Euro auf (die schon mit der Aufnahme Griechenlands ad absurdum geführt wurden) und fingen irgendwann völlig ungehemmt an, den Euro immer mehr aufzuweichen. Statt mit sinnvollen Maßnahmen für die europäische Bevölkerung beschäftigten sich die Bürokraten in Brüssel lieber mit den Fragen, wie groß eine europäische Banane sein muss und wie lang das Einheitskondom auszufallen hat. Auch nicht vergessen sollte man die Versuche der EU-Kommission, den Mitgliedsstaaten eine Privatisierung der bisher kommunalen Wasserversorgung und das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP aufzuzwingen.
     Natürlich durfte auch die Ukrainekrise nicht fehlen: Wie die Lemminge beugten sich die Europäischen Staaten dem Druck Washingtons und gruben sich freiwillig selbst das Wasser ab, indem sie Russland mit Sanktionen belegten, auf Exporteinnahmen verzichteten und die eigenen Wirtschaften ruinierten, während die Amerikaner kichernd ihren Handel mit Russland weiter ausbauten. So dämlich muss man erst mal sein! Stattdessen hätten sie lieber Amerika sanktionieren sollen, für die ständigen kriegerischen Einmischungen in anderen Ländern, was letztendlich auch zu den gigantischen Flüchtlingsströmen führte, die menschlichen Tsunamis gleich an Europas Küsten an Land brachen, falls sie es denn überhaupt so weit schafften. Lieber sah man fünf Jahre unbekümmert dem mörderischen Treiben der von Amerikas Geheimdiensten unterstützten Barbaren des Islamischen Staates zu und wagte erst, das Maul aufzureißen, als Russland die Geduld verlor und in Syrien beherzt eingriff.
     Kein Wunder, dass den Menschen irgendwann der Kragen platzte. Vor wenigen Tagen erst zog die Schweiz ihren Aufnahmeantrag zurück. Die Abstimmung in Großbritannien machte die herrschenden Eliten aus Politik und Wirtschaft zunehmend nervös, und wie üblich versuchten sie, die Menschen durch das Schüren von Angst von einem Votum für den Ausstieg abzuhalten: Man drohte mit höherer Arbeitslosigkeit, schwindender politischer Bedeutung, höheren Preisen und den Folgen für die Börsen. Sogar Krieg wurde als mögliche Folge von einigen Politikern artikuliert. Und die Medien übernahmen diese Stimmungsmache eins zu eins. Doch genau damit rissen sich die Eurokraten die Maske vom hässlichen Gesicht, denn selbst dem größten Vollpfosten dürfte in den letzten Tagen aufgefallen sein, dass es bei der Aufzählung der negativen Folgen immer nur um wirtschaftliche Belange ging – Geld, Wirtschaft, Börse – sonst nichts. Es ging niemals um die Menschen.
     Und die haben das jetzt endlich verstanden. Der britische Ausstieg wird Folgen haben, er ist nur der Anfang vom Ende. Auch in anderen Staaten wird sich Widerstand regen, gegen die desaströsen Bevormundungen aus Brüssel. Am Ende werden hoffentlich wieder souveräne Staaten stehen, die handeln und wirtschaften, wie es ihren Möglichkeiten am besten entspricht und der jeweiligen Bevölkerung am meisten zugute kommt. Sie werden einander in Freundschaft verbunden sein, so wie zu Zeiten der EWG, der Europäischen Wirtschafts­gemein­schaft, deren Mitglieder seit dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang friedlich zusammenlebten und fruchtbaren Handel trieben. Sicher wird sich auch manches ändern. Ohne EU und Euro wird es wieder Grenzübergangsstellen und Umtauschgebühren geben. Aber mal ehrlich: Wie oft wartete der Durchschnittsbürger an irgendwelchen Grenzübergängen? Und wenn doch mal, wie lange? Wie oft kam es vor, dass man D-Mark in Fremdwährung umtauschen musste? Und wenn dafür Gebühren anfielen, wären die wirklich höher ausgefallen als die gefühlte oder tatsächliche Teuerungsrate seit Einführung des Euro?
     Das Ende der EU bedeutet nicht Krieg. Es bedeutet auch nicht Nationalismus und Egoismus. Es bedeutet Neuanfang für alle, mit individuellen Spielräumen zum Gestalten eines besseren partnerschaftlichen Zusammenlebens.
     Die EU wird sterben! Es lebe Europa!