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Apples neues Betriebssystem High Sierra ist einfach so … sooo …

Von einigen Bekannten werde ich inzwischen schon verständnislos angeschaut, weil ich auf meinen zahlreichen Macs immer noch das „alte“ Lion 10.7 benutze, also sechs Versionen vor Apples aktuellster Kreation. Dabei kostet die doch nüscht!
     Deswegen hab ich High Sierra mal zwei Tage lang getestet und anschließend beschlossen – ich bleibe bei Lion! Ich kann im Vergleich zu High Sierra zumindest bei den von mir genutzten Programmen Mail, Kalender, Adressbuch und iTunes nämlich keine sinnvollen Verbesserungen erkennen. Entweder funktionieren sie noch genauso wie vorher oder schlechter, so wie beispielsweise iTunes. Selbst die brandaktuelle Version, die beim Funktionsumfang wieder deutlich abgespeckt hat und damit weniger überladen ist als die Vorgänger, kann mit Version 10 einfach nicht mithalten. Die Bedienung ist einfach nur krampfig, das Konzept unlogisch und schlecht durchdacht. Man merkt wirklich bei jedem Mausklick, wie die Programmierer unter Druck standen, auf Teufel komm raus etwas Neues erschaffen zu müssen, was halt schwierig ist, wenn man schon etwas nahezu Optimales vor sich hat. Bei der Rückkehr zu Version 10 merkt man sofort – ja! Genau das ist es! Die Anordnung der Bedienelemente ist logisch und durchdacht, nichts ist versteckt, die rechte Maustaste mit sinnvollen Funktionen belegt, die verschiedenen Listenansichten mit oder ohne Cover-Bildern sehr praktisch. Vor allem aber macht Cover-Flow noch richtig Spaß, denn im Vollbildmodus sehen die großen Bilder aus wie Plattencover aus der guten, alten Zeit. Unverständlich, warum Apple so eine Funktion, die bereits fix und fertig funktioniert, einfach wieder entfernt, anstatt dem Anwender die Wahl zu lassen, ob er sie nutzen will oder nicht.
     Andere Programme, die möglicherweise verbessert wurden, wie etwa die Foto-App, nutze ich gar nicht, daher kann ich sie nicht beurteilen. Die mit Mountain Lion eingeführte Seiteninformationsleiste habe ich noch nie vermisst. Keine Ahnung, wozu die gut sein soll, denn die jeweiligen Apps zeigen ja schon selbst an, wenn sie etwas wollen.
     Die für mich wichtige Kalender-App ist durch den Wegfall der Terminagenda schlechter als früher. Und in der Jahresdarstellung werden keine Termine mehr angezeigt, außer man klickt einen Tag an. Im Lion-Kalender sind Tage mit Terminen bereits farbig hervorgehoben, so weiß man immerhin schon mal, wo sich das Draufklicken lohnt und wo nicht.
     Überhaupt: Diese sinnlose, blöde Ausblenderei von Elementen ist die dämlichste Idee seit der versteckten Menüleiste von Windows 7. Das kommt dabei heraus, wenn Designer die Agenda bestimmen dürfen! Vermutlich wären die erst so richtig glücklich, wenn auf dem Bildschirm nur noch eine weiße Fläche angezeigt würde, ohne Text und störende, grafische Elemente. Denn nur die wäre wirklich rein, unschuldig und perfekt! Im Fall der Mail-App wäre der nächste Telefonanruf meiner 81-jährigen Mutter schon wieder – Achtung, Wortspiel – vorprogrammiert: „Sag mal, Junge, wo ist denn diese Dingens … äh, diese … du weißt schon … wo man die Ordner sehen kann?“ Was daran sinnvoll sein soll, die Postfachleiste standardmäßig auszublenden, das kann mir vermutlich nicht mal ein Apple-Mitarbeiter plausibel erklären. Und ebenso die Statusleiste.
     Die von Mail getrennten Notizen gibt es bereits seit Mountain Lion, ich gebe zu – die hätte ich gern. Aber dafür habe ich inzwischen Evernote installiert, das funktioniert genauso gut und läuft auch auf Android und Lion.
     Stattdessen warte ich schon seit Ewigkeiten auf eine Taskleiste am unteren Rand, vergleichbar mit der von Windows. Das durchscheinende Desktop-Foto stört mich nämlich beim Arbeiten. Auf so was kommen die Apple-Entwickler aber offenbar nicht von selbst. Außerdem wäre es doch eine Neuerung, wenn man endlich mal selbst festlegen könnte, ob man eine graue, schwarze oder bunte Benutzeroberfläche haben möchte. Warum stellt Apple da nicht mehr Möglichkeiten bereit? Und die Systemsounds lassen sich bei Windows bereits seit über 25 Jahren nahezu frei verändern. Warum nicht auch bei Apple?
     Insgesamt hat sich das Design meiner Meinung nach verschlechtert. Dieses flache, reduzierte Aussehen, bei dem man Textlinks kaum noch als Knopf zum Draufdrücken identifizieren kann, die grafisch anspruchslosen Icons, all das hat mich ab Windows 8 und iOS 7 schon genervt. Nur HTC schaffte es noch, das Ganze mit seiner primitiven Sense-Oberfläche für Android auf die Spitze zu treiben. Als wenn der minderjährige Nachwuchs der Chefdesigner sich mal ordentlich austoben durfte. Furchtbar! Grau … en … haft! Trivialdesign der übelsten Sorte! Aber vermutlich war dieser Rückschritt mal wieder nötig, damit man in zehn, fünfzehn Jahren den Kunden wieder etwas Neues bieten kann, nämlich aufwendiges, pseudodreidimensionales Chic der Extraklasse. Halt so wie bei Lion.
     Ach ja, fast vergessen: Siri! Eben noch hat sie auf meine Anweisung hin zwei Termine eingetragen, was auch einwandfrei funktionierte. Keine zwei Minuten später erklärt sie auf Nachfrage, dass in den nächsten drei Monaten keine Termine vorhanden sind. Also echt, mein zwanzig Jahre alter Toaster ist auch nicht viel dümmer als sie. Aber wenigstens macht er mir Frühstück und hält er die Klappe!